«Ganzes Land rechnet mit Sieg»
Ex-Nati-Star Vonlanthen erklärt seine Kolumbianer

Johan Vonlanthen (40) erklärt, weshalb die Schweiz gegen Kolumbien Favorit ist. Was den Südamerikanern fehlt. Und wie nah er als Teenager einem Nationenwechsel war.
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An der EM 2004 macht sich Vonlanthen mit seinem Treffer gegen Frankreich unsterblich.
Foto: Keystone
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Stefan KreisReporter Fussball

Johan Vonlanthen, in Kolumbien ist Fussball zwar die populärste Sportart. Der offizielle Nationalsport aber heisst Tejo. Haben sie das schon mal gespielt?  

Nein, ich kenne diese Sportart ehrlich gesagt gar nicht. Das müssen Sie mir erklären.

Es ist ein Wurfspiel. Und es geht darum, mit einer diskusförmigen Metallscheibe dreieckige Schwarzpulvertaschen zu treffen und diese explodieren zu lassen. 

Wow. Das muss ich googeln (lacht).

Wie explosiv wird der Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien? 

Für mich ist die Schweiz sicher der Favorit. Weil die Nati einen Spielstil hat, dominiert. Die Schweiz will den Ball, will diktieren, will Kontrolle haben. Sie hat mit Johan Manzambi zudem einen Spieler, der in jeder Sekunde etwas kreieren kann. Von der Bank kommt ebenfalls sehr viel Qualität.

Und was spricht für Kolumbien? 

Wenn die Mannschaft in Umschaltmomente kommt und Konter fahren kann, wirds heiss. Da sind sie schon sehr stark und haben mit Luis Diaz, Jhon Arias und Luis Suarez brandgefährliche Leute. Und mit James Rodriguez einen Mann, der die entscheidenden Pässe spielen und die Bälle verteilen kann. Es wird spannend zu sehen sein, wie die Schweiz mit dieser Konterstärke umgeht.

Unter Coach Nestor Lorenzo hat Kolumbien von 50 Spielen nur 7 verloren. Und an der WM hat man in vier Spielen bloss einen Treffer kassiert. Ist die Defensive das Herzstück?  

Die Mannschaft ist hinten sehr stabil, ja. Aber wir schiessen halt auch wenig Tore. Früher hatten wir Falcao, jetzt fehlt ein echter Neuner. 

Wo und mit wem werden Sie das Spiel gucken? 

Die Fifa hat mich eingeladen, das Spiel live vor Ort zu schauen, aber ich weiss noch nicht, ob das möglich ist. Wir sind mit Yverdon-Sport gerade mitten in der Saisonvorbereitung. Wenns nicht klappt mit der Reise, schaue ich zusammen mit meiner Familie. Entweder in Zürich oder Bern.

Sie haben vor kurzem ein unterschriebenes Kolumbien-Trikot auf Instagram präsentiert. Gibts eine Geschichte dahinter? 

Es ist ein Geschenk von Linksverteidiger Johan Mojica, wir kennen uns persönlich. Ich hatte das Glück, die kolumbianische Nationalmannschaft vor der WM 2018 in Frankreich an einem Testspiel zu besuchen und gemeinsam mit ihnen zu essen. Seither besteht der Kontakt zu einzelnen Spielern. 

Wie nehmen Sie die Stimmung in Kolumbien wahr?

Das ganze Land rechnet mit einem Sieg gegen die Schweiz. Wohlwissend, dass es ein Spiel auf Augenhöhe werden wird. Beide Teams müssen sich nicht verstecken. 

Sie wechselten mit 25 in die kolumbianische Liga. Wie war das Niveau im Vergleich zu heute? 

Es ging langsamer zu und her, kontrollierter, es gab weniger Umschaltsituationen als in der Super League. Aktuell ist die heimische Liga aber im Aufwind, weil es viele Top-Teams gibt, die finanziell sehr stabil sind und gute Saläre zahlen können. So bleiben die jungen Spieler länger im Land.

Sie sind mit elf Jahren in die Schweiz gekommen. War es im ersten Moment ein Kulturschock? 

Ja, am Anfang war es nicht einfach. In den ersten beiden Wochen habe ich nur geweint, dann hat mir der Fussball geholfen, richtig anzukommen. In Santa Marta, einem Küstenort im Norden, gabs bloss Sandplätze zum Kicken. In der Schweiz konnte ich zum ersten Mal auf schönen Rasenplätzen spielen, das war ein Traum. Trotzdem will ich die Zeit auf Sand nicht missen, das hat mir in technischer Hinsicht viel gegeben.

Spielten Sie als Teenager mit dem Gedanken, für Kolumbien zu spielen? 

Es gab eine Situation kurz nach meinem Wechsel von YB zu PSV, als eine Delegation aus Kolumbien in die Schweiz kam und mich von einem Nationenwechsel überzeugen wollte. Für mich war dann aber schnell klar, dass ich für die Schweiz spielen werde. Weil ich seit der U15 Teil des SFV war und dann vom damaligen Nationaltrainer Köbi Kuhn auch schnell für die A-Nati aufgeboten wurde.

Sie waren 18, als sie an der EM ihr berühmtes Tor gegen Frankreich erzielten und Schweizer Fussballgeschichte schrieben. Johan Manzambi ist zwei Jahre älter. Wie sehen Sie seine Entwicklung? 

Was sein Umfeld bislang gemacht hat, sieht sehr stabil aus. Jetzt kommt aber der nächste grosse Schritt. Wenn es nach oben geht, wird die Luft dünner. Jeder erwartet von dir ein Tor, eine entscheidende Situation. Wenn er damit umgehen kann, dann hat die Schweiz schon bald einen richtigen Star-Spieler.

Die Schweiz traf schon einmal an einer WM auf Kolumbien. Erinnern Sie sich an das Spiel vom 26. Juni 1994 in San Francisco?  

Ja, sehr gut sogar. Ich war acht Jahre alt und lebte noch in Santa Marta. Kolumbien hatte damals eine richtig starke Mannschaft. Angeführt von Carlos Valderrama. Aber auch die Schweiz war top besetzt. Pascolo im Tor, Sforza, Chapuisat, Knup, Bregy. 

Damals gings im letzten Gruppenspiel sportlich um nichts mehr, am Dienstag um alles. Wie geht das Spiel aus?

Ich hoffe auf ein Unentschieden und auf ein Penaltyschiessen. Spannung bis zum Schluss.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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