Darum gehts
Er ist das ungeschliffene Juwel des FC Sion: Winsley Boteli, gerade eben 20 geworden. Regelmässigster Torschütze der Schweiz: sechs Spiele, fünf Tore. Doch nie gabs einen Doppelpack. Er traf in jedem Spiel der Conference-League-Qualifikation gegen Bate Borissow sowie gegen den FC Noah Jerewan. Dazu gegen YB und Vaduz in der Meisterschaft. Einzig gegen Luzern gabs beim 3:0 «nur» einen Assist.
Kein Wunder ist das Preisschild, das man solch einem Spieler umhängen kann, fett. Sion hat ihn Borussia Mönchengladbach für die für Schweizer Verhältnisse hohe Summe von 3,5 Millionen Franken abgekauft. Schlau hatten sich die Constantins eine Kaufoption im Leihvertrag mit den Fohlen gesichert. Was im Gladbacher Umfeld gemischte Reaktionen auslöste. Die einen applaudierten, weil man einen Spieler für 3,5 Millionen verkauft habe, der keine Sekunde in Gladbach gespielt hat. Die anderen reklamierten, weil sie nicht verstehen können, wie man einen Spieler für diesen Betrag weggegeben habe, der schon bald das Zehnfache wert sein könnte.
Übertrumpft Boteli Sion-Rekordhalter Cunha?
Denn bereits spricht man davon, dass der Genfer neuer Sion-Rekordtransfer werden und Brasil-Superstar Matheus Cunha (27) ablösen könnte, der im Sommer 2018 für 21 Millionen Franken (das waren damals 18 Millionen Euro) von den Wallisern zu RB Leipzig wechselte. Dass dies eintreffen könnte, ist sehr wahrscheinlich. Nur nicht jetzt! Auch wenn der Zahnspangen-Knipser auf diese Saison hin einen Sprung gemacht hat. «Ich spüre, dass ich eine neue Dimension erreicht habe», sagte Boteli nach dem 3:2 gegen Vaduz. In der letzten Spielzeit war er in 99 Prozent der Fälle Joker. Jetzt hat Trainer Didier Tholot die Hierarchie neu definiert: Boteli ist nun die Nummer eins im Sturm, vor Rilind Nivokazi (26). Und startet in den wichtigen Matches entsprechend.
CC: «Winsley ist zum Toreschiessen geboren»
Sion-Präsident Christian Constantin erklärt, was Boteli einzigartig macht: «Winsley arbeitet viel und macht so laufend Fortschritte.» Doch das machen viele andere auch. Der Unterschied sei, sagt CC in einem Anflug von Pathos: «Winsley ist geboren, um Tore zu schiessen! Das sind die wenigsten. Und deshalb sind das die Spieler, die die höchsten Preise erzielen.» Doch noch sei Boteli kein fertiger Spieler, weshalb ein Abgang zu diesem Zeitpunkt auszuschliessen sei. CC: «Meldungen, wonach er jetzt gehen könnte, sind total falsch! Da bin ich sehr klar. Der Karriereplan sieht nicht vor, dass wir ihn schon jetzt abgeben, kein bisschen. Er hat die Saison gut begonnen, stimmt. Aber man bezahlt das Orchester auch erst am Ende. Das Konzert läuft noch!»
Berater spricht von grossen Klubs, die sich melden
Verstehen kann er allerdings, dass Boteli einen Hype generiert. In den Medien. Bei den Fans. Bei seinem Berater Christopher Mandiangu: «Acht Klubs haben konkretes Interesse, ihn jetzt für sehr viel Geld zu verpflichten», sagt dieser mit viel Enthusiasmus. Mandiangu wird ganz kribbelig sein, denn er ist ein Newcomer auf dem Spielerberater-Markt, der seinen ersten fetten Millionendeal riecht. Da wird auch für ihn ein Betrag im siebenstelligen Bereich rausschauen. «Letzten Sommer waren Brügge und Anderlecht interessiert. Aber wir haben das Projekt des FC Sion vorgezogen. Heute stellen wir fest, dass wir recht hatten», sagt Mandiangu weiter. «Diesen Sommer haben sich Klubs aus allen fünf grossen Ligen gemeldet, wichtige Klubs, doch wir vertrauen weiterhin dem Projekt des FC Sion.»
CC betont, dass nur Sion sage, was mit Boteli läuft
CC zuckt mit den Schultern. «Schön und gut, was der Berater da sagt. Ein angenehmer, junger Typ. Aber Fakt ist: Wir haben die Rechte am Spieler mit einem Vertrag bis 2030. Nur wir entscheiden, ob er gehen darf.» Und wann darf er? «Wenn er komplett ist. Wenn er so bleibt, wie er ist, demütig und bodenständig wie die ganze Familie. Wenn er so weitermacht und von physischen Problemen verschont bleibt. Dann wird er ein ganz Grosser. Nächsten Sommer schauen wir dann, wie weit er ist.»
Und wenn jetzt jemand kommt und mit 20 Millionen wedelt? CC: «Damit bezahle ich die laufenden Rechnungen für die nächsten zehn Tage …» Womit die Debatte endet.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 3 | 9 | 9 | |
2 | BSC Young Boys | 3 | 8 | 7 | |
3 | FC St. Gallen | 3 | 2 | 7 | |
4 | FC Sion | 3 | 2 | 6 | |
5 | FC Basel | 3 | 2 | 6 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 3 | 1 | 5 | |
7 | Servette FC | 3 | -1 | 3 | |
8 | FC Zürich | 3 | -5 | 3 | |
9 | FC Thun | 3 | -6 | 3 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 3 | -4 | 1 | |
11 | FC Luzern | 3 | -5 | 1 | |
12 | FC Vaduz | 3 | -3 | 0 |

