Das Vorhaben ist hehr. Die Umsetzung schon nach Spieltag eins kritisch: Das Ressort Spitzenschiedsrichter analysiert neu nach jedem Spieltag sogenannte «critical scenes» (man könnte auch auf neudeutsch verzichten und einfach von kritischen Szenen schreiben). Das soll zum Verständnis der Entscheide im VAR-Raum beitragen. Doch schon beim ersten Versuch geht einiges schief.
Drei Szenen werden analysiert. Der Penalty für Basel gegen Servette. Die Rote Karte gegen Vaduz-Goalie Schaffran wegen der Notbremse gegen Luganos Moncada. Und vor allem die kritische Intervention von YB-Zesiger gegen Sions Boteli. Bei dieser Intervention gibt es deutlich mehr Halten als beim Schaffran-Rot. Doch es gibt keinen Penalty. Und das bringt den FC Sion auf die Palme.
Sportchef Barthélémy Constantin ereifert sich: «Da gibt es seit Jahren eine gröbere Funktionsstörung in der Behandlung gewisser Mannschaften durch die Schiedsrichter.» Es sind dieselben Verschwörungstheorien, die schon seinen Vater Christian seit Jahrzehnten umtreiben. Barth weiter: «Die neue Meisterschaft beginnt und die immergleichen Szenen wiederholen sich, immer zum Nachteil derselben Mannschaften. Da wird nicht mit gleichen Ellen gemessen. Da gibt es keine echte Konsequenz, keine Verbesserung, die Ungerechtigkeit dauert an.»
«Technisch klarste Lösung ist Penalty»
Nun, das Schiri-Ressort selbst hat ihm natürlich den Steilpass dazu geliefert. Denn es schreibt zu dieser Szene: «Die technisch klarste Lösung ist Penalty.» Um dann auszuführen, weshalb es dennoch richtig war, dass der VAR nicht einschritt, weil es kein eindeutiger und offensichtlicher Fehlentscheid des Refs war. Begründet wird das so: «Der Angreifer des FC Sion hat den Kontakt übertrieben dargestellt und ist zu leicht zu Boden gefallen, da der Ball für ihn nicht mehr in Spielreichweite war.»
Wir schliessen daraus: Offenbar war es Penalty. Ref Anojen Kanagasingam hat da versagt. Und wenn ein Pfiff die technisch klarste Lösung (was auch immer das heissen mag) war – ist dann der Fehler nicht eindeutig? Und die beiden subjektiven Ausführungen, dass Boteli den Kontakt übertrieben dargestellt habe und der Ball nicht mehr in Reichweite war, wirken dann doch sehr abenteuerlich…
So kommt es also zu einer neuen Eskalationsstufe am Tag danach. Und das war bestimmt nicht die Idee dieses «Ref’s Insights».
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 1 | 2 | 3 | |
2 | FC Thun | 1 | 2 | 3 | |
3 | FC Lugano | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC St. Gallen | 1 | 1 | 3 | |
5 | FC Basel | 1 | 1 | 3 | |
6 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 1 | 0 | 1 | |
8 | FC Vaduz | 1 | -1 | 0 | |
8 | FC Zürich | 1 | -1 | 0 | |
10 | Servette FC | 1 | -1 | 0 | |
11 | FC Sion | 1 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 |

