Rätsel um Top-Torschützen
Steckt die YB-Transferstrategie hinter Bedias Bank-Platz?

YB hat beide Leader im Torschützenklassement in seinen Reihen. Doch seit Samuel Essende verpflichtet wurde, ist einer von ihnen nur noch Bankdrücker. Warum? Die Hintergründe.
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Sagt Chris Bedia bereits leise Byebye Bern?
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Torschützenleader Chris Bedia von YB ist seit Mitte Februar nur noch Reservist
  • Samuel Essende spielt ohne zu treffen – weil er 3,5 Millionen gekostet hat?
  • Bedias Torwahrscheinlichkeit liegt bei 65 Prozent, jene von Essende nur bei 34 Prozent
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Alain KunzReporter Fussball

So richtig nachvollziehen kann das niemand. Da hast du einen Stürmer in deinen Reihen, der dir alle 118 Minuten ein Tor macht. Das ist der beste Schnitt der Top Ten der Torjägerliste der Super League. Mit 15 Toren ist er zudem ganz oben auf dieser Liste – keiner hat mehr geschossen in der Liga. Eine Bank also. Aber nur im übertragenen Sinn. Denn der Mann versauert auf der realen Ersatzbank. Chris Bedia (30), im letzten Februar leihweise von Union Berlin zu YB gewechselt, ist seit Mitte Februar bloss noch Reservist. In Basel wurde er zuletzt nicht einmal mehr eingewechselt.

Mit Essendes Zuzug ändert alles

Der Grund ist eigentlich einfach: Am 16. Februar hat YB Samuel Essende (28) von Augsburg verpflichtet. Für mächtig viel Kohle! Von 3,5 Millionen Franken ist die Rede. Essende soll der Heilsbringer sein, der YB aus der Misere führt. Welche Bedeutung ihm die Berner beimessen, zeigt nur schon der Umstand, dass er die «heilige» Nummer 99 kriegt. Die Nummer von Klubikone Guillaume Hoarau. Eine Art Königstransfer also, der den Flop Sergio Cordova vergessen machen soll. So einer muss halt spielen.

Bedias Tänzchen in Basel

Und Essende spielt auch gleich. Seine einzige auffällige Szene hat er bei seinem Debüt in Sion (1:3), als er verwarnt wird. Es folgen sechs weitere Spiele in der Startelf, nur gegen Lugano ist er Ersatz. Seine Ausbeute: null Tore. Immerhin gegen Basel der erste, wenngleich ziemlich zufällige Assist. Sein Schuss wäre danebengegangen, Colley lenkte ihn magistral mit der Hacke ins Tor. Eine bescheidene Ausbeute.

In derselben Periode trifft der auf die Ersatzbank verscheuchte Bedia allerdings auch nicht mehr. Zum 3:0 gegen den FCZ leistet er immerhin zwei Assists. Sonst ist er sichtlich verunsichert, verursacht gegen Lugano zum Beispiel den Penalty zum 1:1. Und in Basel tänzelt er gutgelaunt beim Stand von 2:3 beim Warm-up. Auf Social Media ging der Clip viral und wurde auch von Experten intensiv diskutiert. «Chris wurde von den YB-Fans aufgemuntert, da tänzelte er ein wenig. So ist Chris halt. Immer gut gelaunt», stellt sein Berater klar. Aber natürlich wurde ihm sogleich ein Mangel an Seriosität unterstellt.

Seoane lobt Torlos-Essende über den Klee

Was sagt Bedia? Eine Interview-Anfrage für diese Woche wird abschlägig beantwortet. Trainer Gerry Seoane hatte nach dem 3:3 in Basel zu Bedias Reservistenrolle gesagt: «Die Trainerentscheide sind vielleicht nicht immer nachvollziehbar, wenn jemand keinen Einblick ins Training hat oder die Leistungen aus einem anderen Blickwinkel als der Trainer betrachtet. Mit Samuel haben wir einen für den Gegenspieler sehr unangenehmen Spieler. Wahnsinnig, wie er sich für die Mannschaft abrackert. Aber im Moment fehlt ihm das Tor, deshalb entsteht auch diese Diskussion.» Und man habe ja in Basel wieder Tore geschossen, drei an der Zahl. Was Seoane da nur dachte, aber nicht äusserte: ohne Bedia.

Bedia hat statistisch selbst beim Pressing die Nase vorn

Was sagen die Zahlen? Dass Bedia in jeder Statistik in Zusammenhang mit Abschlüssen besser sei, liegt auf der Hand. Besonders krass ist diese Statistik: Wenn Bedia abschliesst, liegt die Torwahrscheinlichkeit bei 65 Prozent höher. Bei einem Abschluss von Essende lediglich bei 34 Prozent! Prozentual hat Essende mehr Abschlüsse als Bedia. Aber er ist bislang die personifizierte Ungefährlichkeit. Vielsagend ist auch, dass Bedias Pressingwerte besser sind als jene von Essende. Dieser hat die Nase nur bei den Zweikämpfen vorne. Handkehrum verliert Bedia viel weniger Bälle als Essende.

Aufhorchen lässt auch der Teil von Seoane Aussage in Bezug auf das Training. Denn es gab Gerüchte, dass Bedia trainingsfaul sei. «Chris hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Das war eine rein sportliche Entscheidung», sagt Seoane. Was Bedias Berater bestätigt: «Chris arbeitet im Training sehr hart. Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage.»

Spielt Essende, weil er enorm teuer war?

Vielleicht liegt aber der Grund völlig woanders: Essende muss spielen, weil er sehr viel gekostet hat, hört man im YB-Umfeld immer wieder. Und dann gibt es noch die mögliche YB-Transferstrategie. Oder vielleicht ist es mehr als nur das, vielleicht ist diese bereits umgesetzt. Das ginge so: Bedia ist ja nur ausgeliehen, mit Kaufoption. Auf die Frage, warum man die Option auf den Leader des Torschützenklassements nicht längst eingelöst habe, hatte Chiefs Sports Christoph Spycher etwas pikiert reagiert: «Das ist eine Diskussion, die ich nicht verstehe, weil sie fachlich nicht fundiert ist. Es macht keinen Sinn, eine Option drei Monate vor Ablauf zu ziehen – eine lange Zeitspanne, in der sich der Spieler verletzen kann.»

Die Theorie von Kaufoption und Weiterverkauf

Eine Tendenz gebe es, hatte Spycher noch gesagt. Also warum nicht Beda kaufen, obwohl er für die Planung der neuen Saison keine Rolle spielt, und gleich gewinnbringend weiterverkaufen? Die mit Union vereinbarte Transfersumme soll ziemlich überschaubar sein und bei 1,2 Millionen liegen. Einen Top-Torschützen, vielleicht gar den König, kann man dann locker für eine Million mehr verkaufen. Wie gesagt: Eine Theorie. Die aber von verschiedenen Quellen gestützt wird. Das könnte erklären, warum Bedia nicht öfters spielt. Nun, wenn der Deal wirklich bereits durch ist, geht es nur noch um Verletzungsgefahr-Minimierung. Was hatte Spycher gleich noch gesagt?

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
32
36
71
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
32
24
59
3
FC Lugano
FC Lugano
32
11
54
4
FC Basel
FC Basel
32
8
53
5
FC Sion
FC Sion
32
13
49
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
32
5
47
7
FC Luzern
FC Luzern
32
3
39
8
Servette FC
Servette FC
32
0
39
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
32
-7
39
10
FC Zürich
FC Zürich
32
-17
34
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
32
-27
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
32
-49
19
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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