Darum gehts
Es müsste sehr viel zusammenpassen, damit sich YB diese Saison noch einen Platz für die Conference-League-Qualifikation sichert. Um auf Platz 3 zu gelangen, müssten die Berner in den verbleibenden sechs Runden sieben Punkte auf Lugano gutmachen und dabei auch Basel und Sion überholen. Der zweite Weg: Hoffen, dass St. Gallen den Cup gewinnt und unter den ersten drei bleibt. Dann müsste man «nur» Sion und Basel überholen. Der FCB ist vier Punkte vor YB.
Der Umbruch letzten Sommer ging in die Hose
Also empfiehlt es sich für YB, eine zweite Saison in der Geschichte der Super League (seit 2003) ohne europäischen Wettbewerb nach 2013/14 zu planen. Und dazu braucht es kein Kader mit 31 Spielern. Doch das ist die Anzahl Spieler, die ein bis mindestens Ende nächster Saison gültiges Arbeitspapier der Berner haben. Die Situation ist also ähnlich wie vor der aktuellen Saison, als man mit einem ähnlichen Kader in die Saison stieg und nach und nach Spieler wegtransferierte. Und auch neue holte. Wie gut es gelang, dieser vertrackten Situation eine gute Saison folgen zu lassen, wissen wir mittlerweile. Überhaupt nicht!
Drei sind ausgeliehen, alle Fälle sind kompliziert
Doch schauen wir uns die Situation im Detail an. Drei Leihspieler haben auslaufende Verträge: Chris Bedia, Dominik Pech und Yan Valery. Alles komplizierte Fälle. Bedia ist der Torschützenleader der Super League. Aber Coach Gerardo Seoane setzt nicht auf ihn, sondern auf den teuren Neuzugang Michael Essende. Würde da das Einlösen der fixen Kaufoption gegenüber Union Berlin Sinn machen?
Pech ist sicher talentiert. Ob aber das bisher Gezeigte reicht, um ihn fix zu übernehmen? YB hat eine Option gegenüber Slavia Prag. Da dürfte es davon abhängen, was mit Rayan Raveloson passiert, der kaum noch eine Rolle spielt und um den es auch Gerüchte über Interessenten gibt. Und auch ob Lukasz Lakomy, der sich in der stärkeren belgischen Super League als Leihspieler durchgesetzt hat, eine Zukunft in Bern hat.
Rechts hinten ist es kompliziert
Valery gehört Sheffield Wednesday, dem bankrotten Traditionsklub, der aus der Championship absteigen wird und vor der Insolvenz steht, weil sich ein kaufinteressiertes Konsortium zurückgezogen hat. Am Ende des Tages kann das YB aber egal sein, weil man keine Kaufoption hat. Und Valery kaum behalten wird. Auch für Saidy Janko wird «eine Lösung gesucht». Bleibt als Rechtsverteidiger Ryan Andrews. Doch nach seinem Kreuzbandriss von Ende Januar wird der Engländer Anfang Saison nicht bereit sein. Weshalb YB dort Handlungsbedarf hat.
Auslaufende Verträge haben gleich alle drei Reservehüter hinter Marvin Keller. Also Heinz Lindner, Ardian Bajrami und Dario Marzino. Wie das YB handhabt, ist nicht matchentscheidend. Ausser Keller sollte gehen. Dann braucht es eine neue Nummer 1. Und eine solche müsste YB holen.
Was passiert mit den Rückkehrern wie Blum und Co?
Tja, und das war es dann schon mit den auslaufenden Verträgen. Wenn YB also viel Handlungsbedarf sieht, das Team nach der miserablen aktuellen Saison rundzuerneuern, dann wird das nicht ohne schmerzliche Schnitte gehen. Und auch nicht ohne sehr, sehr viel Arbeit.
Zum Beispiel stellt sich die Frage, was mit den zurückkehrenden Lewin Blum (Charleroi), Rhodri Smith (Winterthur), Emmanuel Tsimba (GC), Dalipi Lutfi (Wil) und Janis Lüthi (Rapperswil-Jona) passiert. Alles Eigengewächse. Lutfi hat erst seit dem 1. April einen Profivertrag und Lüthi sich bei Rappi nicht nachhaltig durchgesetzt. Ob man ausgerechnet jetzt, wo man nach sportlichen Erfolgen geradezu lechzt, verstärkt auf Eigengewächse setzen will, scheint fraglich.
Klappts diesmal mit einem Innenverteidiger?
Und was ist mit den Absprungkandidaten? Bestimmt wird man Joël Monteiro keine Steine in den Weg legen, sollte ein passendes Angebot ins Haus flattern. Der Walliser ist seit längerem ein Auslandskandidat. Im Weg steht ihm sein nur in homöopathischen Dosen präsentiertes riesiges Talent. Und seine scheinbare Nonchalance. Obwohl Sandro Lauper zuletzt überzeugt hat, schaut sich auch der Konolfinger um. Mit 29 hat er eine letzte Chance auf ein Auslandsabenteuer. Sollte der FC Aarau aufsteigen, könnte der Aargauer Captain Loris Benito (34) der Sentimentalität anheimfallen und im Herbst seiner Karriere als Königstransfer den FCA in der ersten Super-League-Saison seit 2014/15 anführen. So oder so: In der Innenverteidigung wird YB aktiv werden. Wär ja ganz peinlich, wenn das, was im Winter nicht gelang, auch im Sommer nicht gelänge: mit so vielen Millionen im Rücken einen tauglichen Innenverteidiger zu verpflichten.
Ist Sanches im Sommer schon wieder weg?
Dann ist da natürlich die Akte Alvyn Sanches. Rund 5 Millionen hat YB für den Hochbegabten bezahlt. Macht er eine gute WM, wird sein Preis in eine Höhe schnellen, bei der YB nicht Nein sagen kann. Und was ist mit Kastriot Imeri? Dessen im Sommer auslaufender Vertrag ist um eine Saison bis 2027 verlängert worden. Zu Thun ausgeliehen, wird er als frischgebackener Meister und Führungsspieler im Sommer zu YB zurückkehren. Es sei denn, der FC Thun ziehe seine Kaufoption, die über 1 Million Franken betragen dürfte. Ob da ein Kauf drinliegt?
Sonst könnte Imeri Nachfolger von Sanches werden, sollte der gehen. Es wäre die kostengünstigere Lösung als ein Zuzug von Matteo Di Giusto (25, Luzern), dessen Marktwert mittlerweile bei rund 3 Millionen liegt. Ein seriöser Transferkandidat ist last but not least Linksverteidiger Jaouen Hadjam, der seit dem Afrikacup verletzt war, aber auf dem Weg zurück ist. Ein starkes Saisonende mit YB und ein herausragendes Comeback – und weg ist der Algerier. Auch Alan Virginius ist ein Kandidat fürs Ausland, den YB – unter dem Vorbehalt eines stimmigen Angebots – ziehen lassen würde.
Aber vielleicht holt St. Gallen den Cup, wird YB doch noch Vierter und qualifiziert sich für die Ligaphase der Conference League. Und dann sprechen wir wieder von einem Kader für Europa. Wahrscheinlicher ist aber, dass Chief Sports Christoph Spycher und Transferchef Mathieu Beda einen enorm intensiven Sommer erleben werden und YB vor dem nächsten Neuanfang steht. Nach der aktuellen Saison ist das nur nachvollziehbar.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 32 | 24 | 59 | |
3 | FC Lugano | 32 | 11 | 54 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 32 | 13 | 49 | |
6 | BSC Young Boys | 32 | 5 | 47 | |
7 | FC Luzern | 32 | 3 | 39 | |
8 | Servette FC | 32 | 0 | 39 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 32 | -7 | 39 | |
10 | FC Zürich | 32 | -17 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 32 | -27 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 32 | -49 | 19 |
