Die Erkenntnisse aus dem Deutschland-Spiel
Das braucht die Nati für ein WM-Märchen

Das 3:4 zum Auftakt ins WM-Jahr gegen Deutschland hat trotz Yakins Wechselorgie viele Erkenntnisse geliefert. Das muss bis zum WM-Start in 76 Tagen passieren, damit wir vom grossen Coup träumen dürfen.
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Das Motto Testspiel hat Murat Yakin am Freitag in Basel gegen Deutschland bis zur Grenze ausgereizt. Nach einer ereignisreichen ersten Halbzeit mit der Stammelf gehts mit einem 2:2 in die Pause. Nach Wiederanpfiff wechselt der Nati-Trainer mit zehn Spielern bis zum Schlusspfiff die ganze Mannschaft bis auf Goalie Gregor Kobel aus. Schwierig, bei solch einem Durcheinander die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

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Die Nati muss aus dem Deutschland-Spiel die richtigen Schlüsse ziehen, damit sie an der WM jubeln kann.
Foto: TOTO MARTI

Dennoch sagt Yakin nach dem Spiel: «Wir haben viele Erkenntnisse gewonnen.» Auch Captain Granit Xhaka sagt: «Wir können vieles mitnehmen, auch was wir von den Deutschen lernen können.» Blick macht den Check nach dem ersten Spiel im WM-Jahr 2026 und sagt, was es braucht, damit die Nati ein WM-Märchen schreiben kann.

(Zu) grosse Abhängigkeit von Xhaka

Die Erkenntnis ist nicht neu. Doch wie sehr die Nati noch immer von ihrem Captain abhängig ist, zeigt sich auch gegen Deutschland. Es ist nicht das beste seiner 144 Länderspiele, das Xhaka in seiner Heimatstadt abliefert, was aber auch mit dem Gegner zu tun hat. Julian Nagelsmanns Plan geht auf, Leon Goretzka stört den Aktionsradius des Dreh- und Angelpunkts des Schweizer Spiels wirkungsvoll, weswegen die Nati für einmal weniger Ballbesitz hat als der Gegner.

«Wir kamen nicht gut ins Spiel. Sie haben uns gut gestört, Manu (Akanji) zugemacht und das Spiel über rechts gelenkt, wo wir meistens den langen Ball spielen mussten», analysierte Yakin das Geschehen. Es sei nicht einfach, hinten herauszuspielen, wenn auch Xhaka und Freuler zugestellt seien, so der Nati-Coach. 

«Es geht bei Yakin ums Experimentieren, nicht ums Gewinnen»
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Die Nati-Analyse aus Basel:«Es geht bei Yakin ums Experimentieren, nicht ums Gewinnen»

Einen Plan B, wenn die Mitte zu und vor allem Xhaka eng bewacht ist, hat Yakin (noch) nicht. Und schon gar nicht, wenn der Captain nicht auf dem Platz steht. Nach der Pause geht ohne Xhaka die Stabilität und Organisation verloren, die Nati ist – auch aufgrund von Yakins Wechselorgie – dem Gegner klar unterlegen und am Ende mit dem 3:4 noch gut bedient. «Wir müssen uns genau auf solche starken Gegner vorbereiten, kreativ sein und spielerische Elemente suchen», fordert Yakin. Noch hat der Nati-Coach und sein Staff 76 Tage und drei Testspiele Zeit, um die Abhängigkeit des Teams von Xhaka zumindest etwas zu reduzieren.

Effizienz im Sturm als Trumpf – aber Mangel an Alternativen

Was für den Captain gilt, gilt auch für die Offensive der Schweiz: absolutes Verletzungsverbot. Breel Embolo befindet sich seit letztem Sommer in der stärksten Phase seiner bisherigen Nati-Karriere, Dan Ndoye ist zwar bei Nottingham nur Joker, doch in der Nati zeigt er auch gegen Deutschland seinen mittlerweile unschätzbaren Wert. Ruben Vargas hat unbestrittene Qualitäten, hinkt seiner Topform aber noch hinterher. Doch wer will ihm das verübeln nach fast fünfmonatiger Verletzungspause?

Wie wichtig Yakins Trümpfe im Angriff sind, bestätigt der Nati-Trainer gleich selber mit der Aussage: «Wir haben im offensiven Bereich nicht viele Alternativen. Einigen fehlt noch ein bisschen der Rhythmus auf internationalem Niveau, die Härte und Erfahrung.» Freiburg-Shootingstar Johan Manzambi und ausgerechnet der zuvor in Ungnade gefallene Noah Okafor könnten die offensiven Edeljoker für die WM werden.

Im Sturmzentrum hat Yakin derweil Joël Monteiro als Embolo-Backup ausprobiert. Der YB-Profi könne diese Rolle aufgrund seiner Physis und Geschwindigkeit ähnlich ausfüllen, so die Meinung im Nati-Staff. Bei den Bernern hatte Monteiro die Position als Stürmer allerdings nur einmal inne während dieser Saison. Was der 26-Jährige mit seinem Tor unter Beweis gestellt hat: Auch er kann sehr effizient sein. Und genau das wird ein Schlüssel zum Erfolg an der WM sein.

Gegen Deutschland hat die Nati einen Mini-xG-Wert (erwartbare Tore) von 0,59 sowie gerade mal drei Torschüsse während 90 Minuten. Ergebnis: drei Tore. Es ist genau diese Effizienz und Kaltschnäuzigkeit, die das Schweizer Team an der EM in Deutschland ausgezeichnet hat. Was passiert, wenn diese nicht vorhanden ist, hat man in der Nations League 2024 gesehen mit dem sang- und klanglosen Abstieg.

Keine Unforced Errors

Erstmals seit dem 1:4 gegen Spanien im September 2024 kassierte die Nati wieder vier Gegentore – und damit nur zwei mehr als im ganzen letzten Jahr in zehn Partien. «Wir haben Tore aus Eigenverschulden kassiert. Zum Beispiel waren wir nicht konzentriert bei gegnerischen Standards», ärgerte sich Yakin – und das zu Recht. Zweimal wird der Nati ein kurz getretener Corner der Deutschen zum Verhängnis. Beim 1:1 köpfelt Tah die Flanke von Wirtz ein, das dritte deutsche Tor fällt zwar durch einen Geniestreich des Edel-Technikers, Manzambi verpasst es aber, den Torschützen rechtzeitig unter Druck zu setzen.

Mindestens ebenso ärgerlich ist der 2:2-Ausgleich Sekunden vor dem Halbzeitpfiff. Elvedis Klärungsversuch gerät zu kurz, worauf Akanji minim zu spät die Gefahr erkennt und nach dem Traumpass von Wirtz Torschütze Gnabry auch nicht mehr stoppen kann. Es sind Fehler, die sich die Nati im Sommer nicht erlauben kann, will sie das von Yakin deklarierte Ziel «der erfolgreichsten WM aller Zeiten» erreichen.

Zurück zum Schweizer Réduit in der Abwehr

Er war einer der Hauptgründe für die starke EM vor zwei Jahren, als nur ein Hauch zum ersten Halbfinal-Einzug an einer Endrunde fehlte: Manuel Akanji (30). Der Abwehrchef spielte in Deutschland – trotz des Penalty-Fehlschusses gegen England – ein herausragendes Turnier. Auch im Herbst legte die Defensive mit ihren makellosen Auftritten den Grundstein für das WM-Ticket nach Nordamerika.

Doch wenn der Abwehrchef schwächelt, wird aus dem Schweizer Réduit schnell ein löchriger Käse, vor allem gegen eine Top-Nation mit der offensiven Klasse, wie sie Deutschland besitzt. Auch Nico Elvedi zeigte sich nicht mehr in der Form des letzten Herbstes, kam an seine Grenzen und leistete sich ein, zwei Aussetzer, ebenso Silvan Widmer, was allerdings auch dem guten Pressing der Deutschen geschuldet war.

Yakin will und muss seine Trickkiste erweitern

Die Wechselorgie und Spieler-Experimente in der zweiten Halbzeit zeigen vor allem eines: Murat Yakin will nichts unversucht lassen, um an der WM auf alle Eventualitäten eine Lösung zu haben und die Basis für maximalen Erfolg zu legen. Der 51-Jährige ruht sich nicht auf der Serie der zehn Spiele ohne Niederlage im Kalenderjahr 2025 und der souveränen WM-Quali aus. Vielmehr ist sich Yakin offensichtlich selber bewusst, dass noch nicht alles perfekt ist – und das Potenzial seiner Mannschaft sowie seiner Trickkiste noch nicht ausgeschöpft ist.

Dafür geht er auch Risiken ein, opfert Stabilität im Gefüge sowie einen möglichen Prestigesieg gegen Nachbar Deutschland und scheut sich nicht, dafür Kritik einzustecken. Diese Bereitschaft und die Erkenntnis, dass noch längst nicht alles wie gewünscht funktioniert, ist eine Qualität – und die wohl wichtigste Erkenntnis aus dem ersten Test im WM-Jahr.

Noch näher dran an der Schweizer Nati

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
0
0
0
2
Südafrika
Südafrika
0
0
0
3
Südkorea
Südkorea
0
0
0
4
Tschechien
Tschechien
0
0
0
Playoffs
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
0
0
0
2
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
0
0
0
3
Katar
Katar
0
0
0
4
Schweiz
Schweiz
0
0
0
Playoffs
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
0
0
0
2
Marokko
Marokko
0
0
0
3
Haiti
Haiti
0
0
0
4
Schottland
Schottland
0
0
0
Playoffs
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
0
0
0
2
Paraguay
Paraguay
0
0
0
3
Australien
Australien
0
0
0
4
Türkei
Türkei
0
0
0
Playoffs
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
0
0
0
2
Curacao
Curacao
0
0
0
3
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
0
0
0
4
Ecuador
Ecuador
0
0
0
Playoffs
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
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0
0
2
Japan
Japan
0
0
0
3
Schweden
Schweden
0
0
0
4
Tunesien
Tunesien
0
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0
Playoffs
Gruppe G
Mannschaft
SP
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PT
1
Belgien
Belgien
0
0
0
2
Ägypten
Ägypten
0
0
0
3
Iran
Iran
0
0
0
4
Neuseeland
Neuseeland
0
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0
Playoffs
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
0
0
0
2
Kap Verde
Kap Verde
0
0
0
3
Saudi Arabien
Saudi Arabien
0
0
0
4
Uruguay
Uruguay
0
0
0
Playoffs
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
0
0
0
2
Senegal
Senegal
0
0
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3
Irak
Irak
0
0
0
4
Norwegen
Norwegen
0
0
0
Playoffs
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
0
0
0
2
Algerien
Algerien
0
0
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3
Österreich
Österreich
0
0
0
4
Jordanien
Jordanien
0
0
0
Playoffs
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
0
0
0
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
0
0
0
3
Usbekistan
Usbekistan
0
0
0
4
Kolumbien
Kolumbien
0
0
0
Playoffs
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
0
0
0
2
Kroatien
Kroatien
0
0
0
3
Ghana
Ghana
0
0
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4
Panama
Panama
0
0
0
Playoffs
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