Michael Frey über die GC-Krise, schlechte Entscheidungen und sein Fitness-Geheimnis
«Wir sind näher am Abstieg als am Cupsieg»

Auf Michael Frey ruhen grosse GC-Hoffnungen. Er soll die Zürcher vor dem Abstieg bewahren – und am besten auch noch zum Cupsieg schiessen. Im Interview redet der Stürmer über seine Rolle im Team, die Fast-Rückkehr zum FCZ und schlechte Karriere-Entscheidungen.
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Michael Frey spielt seit Januar bei GC, wo er gleich eine Leaderrolle übernommen hat.
Foto: Nico Ilic/freshfocus
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Lucas WerderReporter Fussball

Blick: Michael Frey, eigentlich war nicht geplant, dass wir in diesem Gespräch über einen Trainerwechsel reden müssen.
Michael Frey: Es ist nie schön, wenn jemand gehen muss. Ich hatte in diesen zwei Monaten eine sehr gute Beziehung zu Gerald Scheiblehner. Er hat alles gegeben für den Verein. Aber wenn die Resultate nicht stimmen, führt das irgendwann zu einer Entlassung.

Was ist Ihr erster Eindruck vom neuen Trainer Gernot Messner?
Er ist ruhig, hat aber einen klaren Plan und versucht, das Team zusammenzubringen. Das ist in dieser Situation das Wichtigste. Egal was passiert, die Leader im Team müssen jetzt cool bleiben.

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Worauf muss Messner den Fokus legen?
Es ist wichtig, dass man den Spielern Vertrauen zurückgibt, das vielleicht irgendwo verloren gegangen ist. Gleichzeitig geht das aber nicht ohne Resultate. Ein Sieg wie gegen Sion oder Lugano bringt mehr als tausend Worte. Ich glaube, wir haben schon einiges richtig gemacht. Jetzt gilt es, die kleinen Hebelchen zu finden.

Und wo sind die?
Es braucht mehr Eigenverantwortung. Wenn Dinge nicht funktionieren, müssen wir Spieler auf dem Platz selber Lösungen finden können.

Das ist Michael Frey

Michael Frey (*19. Juli 1994 in Münsingen) debütiert im Mai 2012 für YB in der Super League. Nach zwei Jahren in Bern wechselt er in die Ligue 1 zu Lille, aufgrund einer Knöchelverletzung absolviert er aber nur 21 Partien für die Franzosen. Nach einer Leihe zu Luzern und einer kurzen Rückkehr zu YB landet er 2017 beim FCZ. Mit den Zürchern wird er Cupsieger, bevor er sich einen Transfer zu Fenerbahce erstreikt. Über Nürnberg führt sein Weg nach Belgien, wo er in der Saison 2021/2022 für Antwerpen 24 Ligatore erzielt. Nach einem Abstecher zu Schalke folgt der Wechsel in die zweite englische Liga zu QPR. Seit diesem Februar läuft der Stürmer für GC auf. Frey hat sämtliche U-Nationalmannschaften durchlaufen, ein Aufgebot für die A-Nati blieb ihm verwehrt.

Michael Frey (*19. Juli 1994 in Münsingen) debütiert im Mai 2012 für YB in der Super League. Nach zwei Jahren in Bern wechselt er in die Ligue 1 zu Lille, aufgrund einer Knöchelverletzung absolviert er aber nur 21 Partien für die Franzosen. Nach einer Leihe zu Luzern und einer kurzen Rückkehr zu YB landet er 2017 beim FCZ. Mit den Zürchern wird er Cupsieger, bevor er sich einen Transfer zu Fenerbahce erstreikt. Über Nürnberg führt sein Weg nach Belgien, wo er in der Saison 2021/2022 für Antwerpen 24 Ligatore erzielt. Nach einem Abstecher zu Schalke folgt der Wechsel in die zweite englische Liga zu QPR. Seit diesem Februar läuft der Stürmer für GC auf. Frey hat sämtliche U-Nationalmannschaften durchlaufen, ein Aufgebot für die A-Nati blieb ihm verwehrt.

In Ihrer Karriere haben Sie viele Trainerwechsel erlebt. Für Sie persönlich hatte das schon mehrfach negative Folgen, weil der neue Coach plötzlich nicht mehr auf Sie gesetzt hat. Haben Sie Angst vor einem Déjà-vu?
Ich habe am Dienstagabend zu Hause mal alle meine Trainer durchgezählt. Gernot Messner ist der 28. Trainer in meiner Profikarriere. Aber für mich ist es egal, wer an der Linie steht. In unserer aktuellen Lage muss sich jeder zurücknehmen. Wenn ich plötzlich nur noch eingewechselt werde, wir aber jedes Spiel gewinnen, würde ich diese Rolle problemlos annehmen.

Sie haben nach Ihrem Wechsel im Januar bei GC sofort eine Leaderrolle übernehmen müssen. Wie kommen Sie damit klar?
Ich denke, da wächst man ein Stück weit rein. Ich versuche aber, meinen eigenen Stil als Leaderfigur zu finden. Eine solche Rolle wie hier hatte ich zuvor noch nie. Das zeigt sich schon allein daran, dass ich im Ausland nie mit so vielen Journalisten an einem Tisch gesessen habe. Da wird man als Stürmer ausschliesslich an seinen Toren gemessen. 

Der Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz beträgt seit dem letzten Wochenende nur noch fünf Punkte. Winterthur hat nach dem Sieg in Luzern eine Kampfansage in Richtung GC geschickt. Ist die Botschaft angekommen?
Solche Aussagen sind doch völlig normal. Aber wir müssen uns auf uns konzentrieren. Es klingt vielleicht etwas langweilig, aber was die anderen machen, können wir nicht beeinflussen.

Können Sie im Abstiegskampf abends überhaupt noch abschalten?
Das ist vielleicht eines meiner Probleme. Ich denke immer an Fussball. Darum sind freie Tage nicht einfach für mich. Mein Kopf ist immer beim Fussball. Es gibt Leute, die sagen, das sei etwas Schlechtes. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist. Ich bin seit 13 Jahren Profi. Und auch schon davor war Fussball mein Leben. Aber ich geniesse das, mit allen Hochs und Tiefs.

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Sie haben genau gewusst, auf was Sie sich einlassen, als Sie im Winter hierher gewechselt haben. Warum wollten Sie trotzdem zu GC?
Es gab mehrere Gründe. Ich habe mit dem Cup eine grosse Chance gesehen, einen Titel zu gewinnen. Ich glaube aber auch, dass ich hier etwas bewirken und in der nächsten Saison etwas Neues aufbauen kann. Und ich dachte, nach acht, neun Jahren im Ausland würde mir etwas mehr Ruhe sicher guttun. So ruhig ist es hier zwar auch nicht (lacht).

Trotzdem kam der Wechsel überraschend. Erst im September haben Sie Ihren Vertrag bei den Queens Park Rangers verlängert. Was ist danach passiert?
Ich dachte bei der Unterschrift wirklich, dass ich den Vertrag erfüllen werde. Aber mehrere Umstände haben dazu geführt, dass man nicht mehr auf mich gesetzt hat. Ich bin direkt nach der Unterschrift zwei Monate ausgefallen. In dieser Zeit hat der Klub einen neuen Stürmer geholt. Danach hat der Trainer voll auf diesen gesetzt.

Sich bei QPR durchzubeissen, war keine Option?
Wenn du mit 31 Jahren nicht mehr spielst, hast du ein Problem. Edin Dzeko ist ein gutes Beispiel. Er wechselt jedes Jahr den Klub, spielt aber überall. Darum geht seine Karriere immer weiter. Wenn du aber irgendwo über einen längeren Zeitraum nicht mehr spielst, ist es schwierig, einen neuen Klub zu finden.

Bei GC sind Sie auf Anhieb Stammspieler geworden.
Ich denke, für den Menschen ist es etwas vom Wichtigsten, eine Aufgabe zu haben. Ich stehe am Morgen auf, gehe ins Training und weiss, dass es eine grosse Chance gibt, dass ich am Wochenende auch spiele. Das war bei QPR anders. Ich wusste, ich kann machen, was ich will, ich werde zu 100 Prozent nicht spielen.

Vor Ihrem Wechsel haben Sie zwei Monate kaum gespielt. Trotzdem haben Sie in Ihrem zweiten Spiel im Cup schon 120 Minuten durchgehalten. Warum sind Sie so fit?
Ich arbeite seit sieben oder acht Jahren mit einem serbischen Athletiktrainer zusammen. Er schickt mir jeden Tag ein Programm, das ich vor und nach dem Mannschaftstraining absolviere. Darum bin ich mit 31 Jahren noch gut «zwäg». Im Sommer und im Winter gehe ich jeweils zu ihm nach Belgrad. Da war ich auch jetzt, als ich die Probleme mit meiner Wade hatte. Aber ich muss es mit dem Alter schon immer ruhiger angehen. Obwohl ich es hasse, weniger zu machen als jemand anders.

Sie sind ein Spieler, der immer sagt, was er denkt. Als Sie sich während Ihrer Zeit in Lille vom Teamarzt am Fuss operieren lassen mussten, haben Sie in einem Interview gesagt, der Dorf-Metzger in Münsingen hätte diesen Eingriff ähnlich gut hingekriegt.
Das war eigentlich schon recht kreativ (lacht). Als ich damals zurück nach Lille gekommen bin, hat mich der Arzt mit der Blick-Zeitung in der Hand erwartet. Meine Aussage war vermutlich nicht so clever, aber ich bereue sie nicht. Schliesslich habe ich ja nicht gelogen, das war wirklich Pfusch ...

Heute gibt es kaum mehr junge Spieler, die solche Sprüche raushauen. Oder sehen Sie das anders?
Es wird alles besser gemanagt, alles ist viel kontrollierter. Aber auch durch Social Media und die Corona-Pandemie hat sich im zwischenmenschlichen Bereich vieles verändert. Wir haben hier bei GC trotzdem junge Spieler, die einen super Charakter haben. Aber es gibt sicher immer weniger Typen wie mich.

Wie nehmen Sie selbst Ihre Aussendarstellung wahr?
Ich muss zugeben, dass ich etwas Angst hatte, zurück in die Schweiz zu kommen. Hier glauben viele Leute, dass sie mich kennen, nur weil sie ein paar Zeitungsartikel über mich gelesen haben. Aber eigentlich ist das auch egal. Ich finde, man sollte sich in einem Interview immer so geben, wie man ist.

Würden Sie trotzdem sagen, dass Sie etwas ruhiger geworden sind?
Ja, aber das ist doch normal, wenn man älter wird. Ich bin einer, der immer erst etwas lernt, wenn er eins auf den Deckel bekommt. Und ich habe viel gelernt (lacht).

Können Sie uns ein Beispiel geben?
In Antwerpen habe ich in der Saison 2022/23 in der Hinrunde neun Tore gemacht. Dann kam im Winter das Angebot von Schalke. Ich wollte das damals unbedingt machen. Als ich dann zurückgekommen bin, habe ich die Retourkutsche bekommen. Ich wurde aussortiert und musste acht Monate mit 15-Jährigen auf einem Kunstrasen trainieren.

Die vielen Klubwechsel ziehen sich durch Ihre Karriere. Hätten Sie rückblickend auch mal länger bei einem Klub bleiben sollen?
Es gab Momente, in denen ein grösserer Klub angeklopft hat und ich diese Herausforderung unbedingt annehmen wollte. Dann gab es Momente, in denen ein Klub nicht mehr auf mich gesetzt hat und mich verleihen wollte. Und dann gibt es manchmal auch noch andere Umstände. Eine Karriere ist kurz, darum spielen finanzielle Gründe sicher auch eine Rolle.

Wie bei Ihrem Wechsel im Sommer 2018, als Sie sich vom FCZ zu Fenerbahçe gestreikt haben?
Wenn Fenerbahçe kommt, sagst du nicht Nein. Mein Abgang hätte sicher besser laufen können. Aber vom FCZ hat sich auch nie jemand mit mir an den Tisch gesetzt.

War eine Rückkehr zum FCZ nie eine Option?
Doch. Milos Malenovic wollte mich zurück zum FCZ holen, als ich bei Antwerpen aussortiert wurde. Aber Frau Canepa wollte das nicht. Nach meiner Vorgeschichte mit dem Klub konnte ich das auch verstehen.

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit beim FCZ zurück?
Der Cupsieg 2018 war einer der schönsten Tage in meiner Karriere. Ich habe jetzt noch mit einigen Teamkollegen regelmässigen Kontakt. Wir hatten damals eine super Mannschaft.

Mit GC könnten Sie diesen Erfolg wiederholen. Es fehlen nur noch zwei Siege.
Dass wir im Cup-Halbfinal stehen, ist natürlich etwas Positives. Aber in unserer Lage geht es jetzt in erster Linie um den Ligaerhalt.

Wenn Sie wählen könnten: direkter Ligaerhalt oder Cupsieg?
Der direkte Ligaerhalt. Ganz klar. Natürlich würden wir den Cupsieg auch mitnehmen, aber das ist noch ein weiter Weg. Wir sind näher am Abstieg als am Cupsieg.

Dieses Interview wurde im Rahmen einer Medienrunde aufgezeichnet. 

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
30
38
71
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
30
23
55
3
FC Lugano
FC Lugano
30
10
50
4
FC Basel
FC Basel
30
6
49
5
FC Sion
FC Sion
30
9
45
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
30
5
45
7
FC Luzern
FC Luzern
30
2
36
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
30
-4
36
9
Servette FC
Servette FC
30
-8
33
10
FC Zürich
FC Zürich
30
-17
31
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
30
-18
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
30
-46
19
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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