Darum gehts
Gratis gibt es heute nicht mehr viel zu haben. Erst recht nicht Fussballer in einem völlig überhitzten Business, sollten sie nicht am Vertragsende angelangt sein, was Vereine tunlichst zu vermeiden versuchen.
Und so kostet halt eine Profi-Mannschaft eine Stange Geld. So auch jene von YB, dem mit sechs Meistertiteln erfolgreichsten Klub der letzten Dekade.
Insgesamt hat sich Gelbschwarz sein aktuelles Kader rund 34 Millionen Franken kosten lassen. Das ist natürlich eine geschätzte Zahl, basierend auf Einstufungen von Medien aus den Ländern der abgebenden Klubs, auf Informationen von Spielervermittlern und in seltenen Fällen auf Infos eines Vereins. Denn meistens wird ein ganz dicker Mantel des Schweigens über die Transaktionen gelegt.
Fünf Millionen alleine für Sanches
Dabei ragt vor allem der Zuzug von Alvyn Sanches heraus, der letzte Saison für rund 5 Millionen Franken von Lausanne kam. Dazu noch als Kreuzbandriss-versehrter Spieler. Es ist die Rekordsumme für einen Transfer innerhalb der Schweiz. Doch ohne den Kreuzbandriss hätte YB den Nationalspieler niemals holen können, denn er war im Begriff von Lausanne für einen zweistelligen Millionenbetrag ins Ausland verkauft zu werden.
Doch es ist nicht dieser einzelne Transfer, der das Total in die Höhe treibt, sondern der Umstand, dass YB kaum Spieler ablösefrei verpflichtet hat. Von den zuletzt geholten Top-Shots war dies eigentlich nur bei Gregory Wüthrich der Fall, dessen Vertrag mit Sturm Graz ausgelaufen war, weshalb er nichts kostete. Zudem ist unbekannt, wie viel YB an Wil für Marvin Keller überwiesen hat.
Sonst aber haben die Zugänge immer eine Zahlung von YB an den abgebenden Verein generiert (in Millionen Franken):
- Ryan Andrews: 3 an Watford
- Cédric Zesiger: 3 an Augsburg
- Jaouen Hadjam: 1,5 an Nantes
- Stefan Bukinac: 2 an Novi Sad
- Isaac Schmidt: 2,5 an Leeds United
- Edimilson Fernandes: 0,5 an Mainz
- Sandro Lauper: 1,5 an Thun
- Dominik Pech: 3 an Slavia Prag
- Armin Gogovic: 2 an Holstein Kiel
- Alan Virginius: 2,5 an Lille
- Kastriot Imeri: 3 an Servette
- Alvyn Sanches: 5 an Lausanne
- Samuel Essende: 3,5 an Augsburg
- Kaly Sène: 1 an Middlesbrough
Nicht mehr berücksichtigt ist Darian Males, der YB in diesen Stunden in Richtung Widzew Lodz verlässt. YB hatte für den Luzerner 2 Millionen Euro an Inter Mailand überwiesen.
Das Rekordteam 2020 kostete keine 23 Millionen
Beeindruckend sind diese 34 Millionen Franken, wenn man sie mit dem erfolgreichsten YB-Team aller Zeiten vergleicht, das in der Saison 2020/21 die Meisterschaft mit dem Rekordvorsprung von 31 Punkten auf den FC Basel gewann.
Das damalige Kader kostete 24 Millionen Euro. Das sind aktuell 22,5 Millionen Franken. So viel haben die wichtigsten Spieler von damals gekostet: Camara 1,5, Lauper 1,5, Zesiger 0,75, Lefort 1, Garcia 0,8, Spielmann 2, Sulejmani 3, Ngamaleu 2,5, Nsame 0,9, Siebatcheu 2,5, Elia 1, Fassnacht 1,5. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lichtgestalt Guillaume Hoarau YB bereits in Richtung Sion verlassen. Doch auch der Franzose war sehr billig gewesen. Er kam ablösefrei aus China, wo er seinen Vertrag aufgelöst hatte. Dafür verdiente er weit mehr als eine Million Franken. Ein Salär, das aktuell niemand mehr bei YB hat.
Vaduz? Super League zum Nulltarif!
Ganz verrückt ist der Vergleich mit dem nächsten YB-Gegner, Aufsteiger Vaduz. Denn von den diese Saison eingesetzten Spielern hat gerade mal Juan Cabrera, der von Greuther Fürth kam, mit rund 50'000 Franken eine Ablöse gekostet. Alle anderen kamen zum Nulltarif oder leihweise.
Bei einigen sind die Transfermodalitäten unbekannt, aber es ist kaum anzunehmen, das Vaduz viel bezahlt hat für Marcel Monsberger, der vom österreichischen Zweitligisten Bregenz kam, für Milos Cocic vom bayerischen Regionalligisten FV Illertissen oder Talent Malik Sawadogu von Servette.
Die Details: Leon Schaffran: 0, Nicolas Hasler: 0, Denis Simani: 0, Liridon Berisha: 0, Malik Sawadogo: ?, Luca Mack: 0, Julian Stark: 0, Juan Cabrera: 50'000 (Greuter Fürth), Lutfi Dalipi: 0 (von YB ausgeliehen), Marcel Monsberger: ?, Dejan Sorgic: 0, Dejan Djokic: 0, Mats Hammerich: 0, Niklas Lang: 0, Milos Cocic: ?, Daniel Kasper: 0, Mattia Walker: 0 (von Luzern ausgeliehen), Mischa Beeli: 0, Mischa Eberhard: ?, Dominik Schwizer: 0.
Das Fürstenhaus mag Fussball anscheinend nicht ...
Verrückt, nicht? Und das im Ländle, dessen Oberhaupt Fürst Hans-Adam II. über ein Vermögen von rund elf Milliarden Franken verfügt, womit er der Chef des wirtschaftlich erfolgreichsten Adelshauses in Europa ist.
Für den FC Vaduz fallen nicht mal Krümel ab. Und doch haben die Liechtensteiner es zurück ins Oberhaus geschafft. Chapeau! YB bejubeln wir dann, wenn es mit dem Meistertitel klappt.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 3 | 9 | 9 | |
2 | BSC Young Boys | 3 | 8 | 7 | |
3 | FC St. Gallen | 3 | 2 | 7 | |
4 | FC Sion | 3 | 2 | 6 | |
5 | FC Basel | 3 | 2 | 6 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 3 | 1 | 5 | |
7 | Servette FC | 3 | -1 | 3 | |
8 | FC Zürich | 3 | -5 | 3 | |
9 | FC Thun | 3 | -6 | 3 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 3 | -4 | 1 | |
11 | FC Luzern | 3 | -5 | 1 | |
12 | FC Vaduz | 3 | -3 | 0 |
