Ist eine Maassen-Entlassung denkbar?
Fünf brisante Fragen zur Pleitenkrise des FCSG

Sechs Pleiten in sieben Spielen: Die Espen wurden zuletzt in Liga und Europacup grün und weiss geschlagen. Dem FCSG fehlt aktuell einiges – doch in der Krise gibts auch Hoffnung.
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FCSG-Coach Enrico Maassen musste in den letzten sieben Spielen sechs Pleiten hinnehmen.
Foto: Toto Marti

Darum gehts

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  • FCSG-Trainer Enrico Maassen kämpft nach sechs Niederlagen um die Wende
  • Individuelle Fehler führten zu Rückschlägen, Taktik nicht Hauptproblem
  • 117 Tage nach Cupsieg: Mannschaftsstatistik zeigt Potenzial trotz Krise
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Stefan KreisReporter Fussball

Es gibt ein emotionales, stimmgewaltiges Video von Enrico Maassen (42). 28 Sekunden lang ist es, gefilmt in der Kabine. «Wir haben einen klaren Plan», brüllt der FCSG-Coach. «Das ist unsere Orientierung. Bälle hinter die Aussenverteidiger, entweder über die Halbverteidiger oder über die Schiene oder über den Goalie. Und gegen den Ball pressen wir sie kaputt!»

Die Sequenz ist Teil der Cupsieger-Doku «Söll emol cho!» und zeigt, mit welchen Kniffen der FCSG die beste Super-League-Saison der Klubgeschichte auf den Rasen legte. 117 Tage sind seit dem Cupsieg vergangen. Und aus der praktisch identischen Mannschaft ist eine Krisentruppe geworden. Sechs der letzten sieben Spiele gingen verloren. Zuletzt zeigten die Espen in der ersten Halbzeit gegen Lugano gar Auflösungserscheinungen. Zeit für ein paar Fragen. 

Muss Maassen seine Taktik über den Haufen werfen?

Nein. Weil Grün-Weiss zum Saisonstart bewiesen hat, dass die Taktik der letzten Saison funktionieren kann und die Niederlagen der vergangenen Wochen in erster Linie auf individuelle Unzulänglichkeiten zurückzuführen sind. Das beginnt bei der Schwalbe von Mihailo Stevanovic, die den Espen gegen Nordsjælland die mögliche Quali für die Conference League kostet – und hört bei den Böcken von Goalie Zigi auf. Selbst der sonst so zuverlässige Chima Okoroji leistete sich zuletzt unerklärliche Fauxpas. Auch Lukas Daschner und Jozo Stanic sind nicht richtig in den Zweikämpfen drin. Maassen sagt: «Es liegt nicht am System, sondern an der Ausführung. Wir müssen wieder kompakter verteidigen, härter und intensiver spielen, dann kommen wir auch wieder in die Umschaltmomente. Da liegt der Schwerpunkt.» Dass aktuell ein Goalgetter fehlt, der die Liga zusammenballert, wie Alessandro Vogt in der letzten Saison, erwähnt Maassen nicht. Wissen tut er es wohl trotzdem. Hoffnung macht, dass Andrin Hunziker nach seiner Verletzung wieder zu 100 Prozent einsatzfähig ist und am Sonntag gegen «seinen» FCB beweisen will, dass er zu Unrecht abgegeben wurde. 

Brauchen die Espen einen Psychologen?

Ja. Fussball ist Kopfsache. Und wer in einer Negativspirale steckt, findet da nur mit Mühe allein raus. Zudem haben die Espen mit Christian Witzig und Betim Fazliji zwei Spieler im Kader, die gerne gewechselt hätten. Und mit Zigi einen Goalie, dessen Zukunft über die Saison hinaus noch ungewiss ist. Auf die Frage, ob er jetzt zum Psychologen werden müsse, antwortet Maassen: «Ein Trainer ist ein Stück weit immer auch Psychologe. Natürlich sprechen wir über all diese Dinge, auch in Einzelgesprächen. Solche Dinge gehen nicht an jedem spurlos vorbei. Am Ende aber darf das keine Ausrede sein, wir sind alle Profis.» Mit Alain Meyer haben die Espen einen Sportpsychologen, an den sich die Spieler wenden können. In der aktuellen Situation wohl nicht die schlechteste Idee. 

Ist eine Maassen-Entlassung vorstellbar?

Nein. Weil die Uhren in der Ostschweiz nicht nach den Mechanismen der Branche laufen. Und weil Maassen schon schlimmere Krisen überstanden hat. In seiner ersten Saison blamierte er sich im Cup gegen Bellinzona (0:1) und schaffte es nicht in die Top 6. Trotzdem packte Boss Matthias Hüppi praktisch nach Schlusspfiff eine «Wir-stehen-wie-eine-Wand-hinter-ihm»-Aussage aus. Das wird sich auch in dieser Saison nicht ändern. Zumal Maassen Anfang August mit Marvin Compper einen wichtigen Assistenten an Royal Antwerpen verloren hat und sich das Trainer-Team mitten in der Saison neu aufstellen musste. Beim FCSG hat der Mann aus der Hansestadt Wismar noch einen Vertrag bis Juni 2028. 

Finden die Espen wieder den Rank?

Ja. Spätestens nach der dreiwöchigen Nationalmannschaftspause werden die Espen ihren Gegnern wieder mit intensivem Spiel auf den Wecker gehen. Weil die Mannschaft, die zuletzt überspielt wirkte, sich erholen und mentale Frische tanken kann. Und weil Leitwolf Lukas Görtler bis dann wieder zurückerwartet wird. Ein Blick auf die Statistiken unterstützt diese These. Im Vergleich zum Gegner vom Sonntag, dem FC Basel, liegt man sowohl was die erwartbaren Tore (1,84 vs. 1,07) als auch was die Schüsse (21:12) angeht weit vorne. Und ligaweit hinter YB und Sion auf dem dritten Platz. Die Frage wird sein, ob es jemanden geben wird, der die Chancen verwandelt. Und ob die Elf kompakter steht und konsequenter verteidigt.

Eine Garantie für Erfolg ist aber auch das nicht. Dessen ist sich auch Maassen bewusst. Am Ende seiner emotionalen Rede brüllt der FCSG-Coach: «Geht raus! Haut sie weg!» Wenn Fussball doch nur so einfach wäre. 

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
8
16
22
2
FC Sion
FC Sion
8
9
18
3
BSC Young Boys
BSC Young Boys
8
12
16
4
FC Basel
FC Basel
8
2
13
5
Servette FC
Servette FC
8
-1
10
6
FC St. Gallen
FC St. Gallen
8
-5
10
7
FC Zürich
FC Zürich
8
-6
10
8
FC Luzern
FC Luzern
8
-5
9
9
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
8
-7
8
10
FC Thun
FC Thun
8
-9
7
11
FC Vaduz
FC Vaduz
8
-2
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
8
-4
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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