Gleich vier sind ungenügend
Das grosse Sportchef-Zeugnis der Super League

Seit der Nacht auf Mittwoch ist das Transferfenster in der Schweiz geschlossen. Wir ziehen Bilanz und stellen den Sportchefs der zwölf Klubs der Super League das Zeugnis aus.
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Darum gehts

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Basel: Andreas Herrmann – Note: 4

Der neue technische Direktor Andreas Herrmann kam von Manchester United und dirigierte erstmals das Basler Transfergeschehen. Mit Innenverteidiger Victory ist ein sehr guter Griff gelungen. Celar ist der lange gesuchte Stossstürmer. Auf den Flügeln können Sow und Olaigbe für Spektakel sorgen. Die restlichen Zuzüge zeigen bislang höchstens gute Ansätze (Malachowski, Harder) – oder sind nicht zu beurteilen. Mit Omlin als neue Nummer 1 ist der FCB ein grosses Risiko eingegangen. Seine Verletzungshistorie ist lang und wird in Basel noch länger. Das grösste Fragezeichen gibt es auf der Abgangsseite. Zwar wurden mit Traoré (New York City), Barisic (Braga), Leroy (Preston), Van Breemen (Famalicão) und Schmid (Salzburg) fast 20 Millionen eingenommen. Aber dass mit Schmid, Hunziker (St. Gallen) und zuletzt Ajeti (Lugano) gleich drei Spieler mit rotblauen Wurzeln abgegeben wurden, sorgt in der Region für Murren. Das von Schmid hinterlassene Loch hinten links, versucht der FCB in letzter Sekunde mit einem gelernten Rechtsverteidiger (Michelin) zu stopfen. Der gross angekündigten zweiten Mittelstürmer neben Celar ist nie gekommen. Und dann sitzen mit Metinho und Otele zwei Spieler immer noch in Basel, die eigentlich längst in einer grösseren Liga spielen sollten. Schön für den Trainer – aber schwierig für den Finanzchef. Die Verträge der beiden sind richtig teuer. 

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Sorgte für den Top-Transfer des Sommers, indem er die Kaufoption auf Winsley Boteli zog: Barth Constantin.
Foto: Pius Koller

GC: Ludovic Deléchat, Richard Feuz und Dries Boussatta – Note: 3

Lange passierte bei GC in der Sommerpause gar nichts. Der neue Präsident Ludovic Deléchat musste sich im Klub erst zurechtfinden. Einen klassischen Sportchef gibts bei den Hoppers nicht mehr. Stattdessen kümmern sich Deléchat, CEO Richard Feuz und Ex-Profi Dries Boussatta, der bei Bridge als technischer Direktor arbeitet, um die Transfers. Kurz vor Saisonstart gings mit diesen dann los. Von Aarau holte man Goalie Marvin Hübel, der auf dem besten Weg ist, die Nummer 1 zu werden. Julian von Moos und Rückkehrer Giotto Morandi sollen Super-League-Erfahrung ins Team bringen, doch bei beiden ist die fehlende Spielpraxis und Fitness ein grosses Fragezeichen. Auf Sechser Manex Guibelalde und Innenverteidiger Bujar Pllana möchte Peter Zeidler setzen. Einen Statement-Transfer haben die neuen Besitzer nicht geliefert. In letzter Sekunde wurden mit dem Amerikaner John Hilton und Mittelfeldspieler Kenzo Goudmijn zwei Spieler geholt, bei denen man sich fragen darf, ob das wirklich Verstärkungen sind. Spieler wie Michi Frey, Dirk Abels oder Sven Köhler liess GC ablösefrei ziehen. Für Mouhamed Ngom gabs immerhin noch zwei bis drei Millionen. Wie gut die neuen GC-Bosse eingekauft haben, wird sich erst noch zeigen. Für die verschiedenen Fragezeichen sowie die fragwürdigen Last-Minute-Transfers gibt es Abzüge.

Lausanne: Stéphane Henchoz – Note 4

Auf dem Papier machen die Aktivitäten von Lausanne auf dem Mercato Sinn, da die Abgänge durch ähnliche Profile und möglicherweise sogar noch etwas stärkere Spieler ersetzt wurden. Kevin Mouanga ist weg, aber die Waadtländer haben zwei Innenverteidiger mit solider Erfahrung aus der Ligue 1 verpflichtet, was ihnen zuvor gefehlt hat. Die Verbesserung ist spürbar. Im Mittelfeld hinterlässt Jamie Roche eine grosse Lücke, doch Koba Koindredi hat sich in Lausanne bereits bewährt, auch wenn er derzeit nicht in Topform ist. Und im Sturm sind mit Enzo Molebe und Levy Nene zwei vielversprechende Spieler auf Leihbasis hinzugekommen. Das einzige Problem dieses Transfersommers ist, dass sowohl die Ab- als auch Zugänge relativ spät erfolgt sind. Nicht ideal, um eine Mannschaft zu formen, der Teamzusammenhalt ist noch nicht gefestigt. Das hat zu Beginn der Meisterschaft wertvolle Punkte gekostet. Eine weitere Frage betrifft die Torhüterposition. Ist Melvin Mastil auf dem Niveau von Karlo Letica? Die Antwort steht noch aus.

Lugano: Sebastian Pelzer – Note: 5

Vor einem Jahr verpasste es der deutsche Sportchef, einige Leistungsträger wie Antonios Papadopoulos, Mattia Zanotti oder Uran Bislimi zu verkaufen. Die Quittung folgte in Form unzufriedener Spieler und eines katastrophalen Saisonstarts. Ein Jahr später sind die Betroffenen noch immer da – von Unzufriedenheit ist allerdings keine Spur mehr. Deshalb darf Pelzer zu Recht für sich beanspruchen, sämtliche Leistungsträger gehalten zu haben. Hinter den Kulissen heisst es derweil, dass Pelzer sehr hohe Forderungen stelle und es deshalb nicht zu Verkäufen kam. So oder so: Er hat auch alle Abgänge adäquat ersetzt. Zudem hat er mit Dereck Moncada, Beckham Castro und Bekhruz Karimov drei vielversprechende Talente verpflichtet. Der Kader ist auf praktisch jeder Position doppelt besetzt – auch im Sturm. Mit Albian Ajeti und Kevin Behrens ist die Offensive sogar besser aufgestellt als vor einem Jahr. Pelzer hat damit einen Kader zusammengestellt, der in der Breite wie in der Spitze über enorme Qualität verfügt. Diese Mannschaft hat zweifellos das Potenzial, um den Meistertitel mitzuspielen.

Luzern: Remo Meyer – Note: 4

Mit Andrej Vasovic hat Luzern in diesem Sommer den nächsten Millionen- bzw. Rekordtransfer eingetütet. Dazu kassierte Meyer für Pascal Loretz und Adrian Bajrami weitere Millionen. Dafür gibt es eigentlich die glatte 6. Doch die Goalie-Thematik kostet Punkte. Zwar betont Meyer, dass dahinter ein klarer Plan gesteckt habe. Dass nach dem geplanten Loretz-Verkauf zunächst ein Goalie ins Probetraining musste und die neue Nummer 1 erst nach mehreren Patzern von Simon Simoni verpflichtet wurde, spricht allerdings nicht dafür. Auch beim Ausdünnen des Kaders hat Meyer zu wenig konsequent gehandelt. Immerhin konnte er in den letzten Tagen noch Jesper Löfgren und Ronaldo Dantas Fernandes platzieren. Vor allem im Sturm bleibt aber ein massives Überangebot. Lars Villiger und Adrian Grbic gehörten vergangene Saison noch zum Stammpersonal – nun finden sie sich auf der Bank oder gar auf der Tribüne wieder. Grbic ist zudem einer der Topverdiener im Kader. Unterm Strich bleibt trotzdem eine genügende Transferbilanz. 

Servette: John Williams – Note: 2

Servette hat seit diesem Sommer einen neuen Sportdirektor: den Briten John Williams. Ob die «Grenats» stärker sind als im Frühjahr, ist keineswegs sicher. Bis jetzt sieht es nicht danach aus. Der Verkauf von Junior Kadile brachte rund acht Millionen ein, was für einen Spieler, der für eine Million gekauft wurde und nur sechs Monate im Servette-Trikot spielte, sehr gut ist. Doch Williams hat die Verpflichtung eines Ersatzes verpasst, indem er den Fall Dereck Kutesa sehr schlecht handelte, weshalb die Rückkehr letztlich gescheitert ist. David Datro Fofana und Kingstone Mutandwa sind zwei interessante Verstärkungen im Angriff, aber sie sind erst spät dazugekommen und Servette hat bereits sehr viele Punkte liegenlassen. Pedro Naressi scheint ein guter Transfer im Mittelfeld zu sein, zumal er ablösefrei kommt. Ein grosses Fragezeichen ist Torhüter Edvinas Gertmonas, der im Moment keinen Mehrwert gegenüber Joël Mall und Jeremy Frick darstellt. Williams kann deswegen mit diesem ersten Transferfenster nicht zufrieden sein.

Sion: Barthélémy Constantin – Note 5

Man muss sich erst mal daran gewöhnen: an einen Mercato ohne vogelwilde Sion-Transfers. Ohne Balotelli-Extravaganzen. Bei Ricardo Rodriguez haben die Constantins genau hingeschaut. Aber der Zürcher wollte im Ausland bleiben. Geholt haben sie Lorenzo Villa von Juventus Turin für die Innenverteidigung, um den Ausfall von Kreshnik Hajrizi abzufedern. Wie gut der ist, wissen wir indes auch nach sechs Wochen immer noch nicht. Gespielt hat er erst 25 Minuten im Cup. Fodé Sylla hingegen hat sich als Volltreffer erwiesen, sieht man mal von der dummen Gelb-Roten Karte gegen Thun ab. Trainer Didier Tholot hat wegen ihm zuletzt mit drei zentralen Mittelfeldspielern gespielt. Aber vor allem: Vater Christian Constantin hat Winsley Boteli gekauft. Für rund 3,5 Millionen. Der Genfer könnte zum Schweizer Rekordtransfer werden und Breel Embolo, der 2016 für rund 27 Millionen von Basel zu Schalke wechselte, ablösen. Und da sind wir schon bei der ganz grossen Leistung der Constantins: Alle Interessenten für Boteli, aber auch für Ilyas Chouaref oder Rilind Nivokazi abgewimmelt zu haben. So geht Kontinuität!

St. Gallen: Roger Stilz – Note 5

Mit der Verpflichtung von FCB-Stürmer Andrin Hunziker ist FCSG-Sportchef Roger Stilz ein Coup gelungen, auch Aaraus Leon Frokaj ist bislang eine Bereicherung. Und mit Aliou Baldé haben die Espen einen der wirbligsten Spieler der Super League fix von Nizza übernommen. Günstig war das nicht. Auch Hunziker und Frokaj spielen nicht für ein Butterbrot in St. Gallen. Hinzu kommen die Vertragsverlängerungen von Stanic und Boukhalfa, die ebenfalls teuer waren. Eine Risikostrategie fährt Stilz deshalb aber nicht. Weil man in Sachen Eigenkapitalquote derart gut aufgestellt ist, dass man weder aufs internationale Geschäft noch auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Das musste zuletzt Christian Witzig erfahren. Der stand vor dem Sprung zum AZ Alkmaar, die Espen aber waren nicht einverstanden mit der gebotenen Ablöse und schoben dem Wechsel einen Riegel. Das ist Stilz’ gutes Recht. Und ein Zeichen der Stärke.

Thun: Dominik Albrecht, Simone Rapp, Andres Gerber – Note 3

Es ist eine Herkulesaufgabe, die die Thuner nach dem Meistertitel vor sich hatten. Nach der märchenhaften Meisterschaft war abzusehen, dass es einige Abgänge geben wird. Der Thuner Aderlass war aber enorm und sorgte für eine offensichtliche Überforderung beim Meister. Gleich sieben Leistungsträger haben die Berner Oberländer verloren. Da ist es nicht förderlich, dass das Kader aufgrund des Europacups deutlich vergrössert werden muss. Auch nicht förderlich ist, dass sich Sportchef Dominik Albrecht mitten in der heissen Transferphase eine Auszeit nahm und seinen Platz räumte. Sportchef-Novize Simone Rapp übernahm, allerdings eng begleitet von Präsident Andres Gerber. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Thuner mit Nico Maier, Nicolas Bürgy, Nassim Zoukit, Mats Seiler, Fabio Saiz und Dorian Derbaci bereits sechs Transfers eingetütet, unter Rapp konnten fünf weitere ins Berner Oberland gelotst werden. Aufgrund der häufigen Rotation greifen die Zahnräder aber noch nicht ineinander – in Sachen Qualität konnten die Abgänge jedenfalls nicht kompensiert werden.

Vaduz: Franz Burgmeier – Note 5

Wer mit einem Mini-Mini-Budget von bloss sechs Milliönchen haushalten muss, wie Vaduz-Sportchef Franz Burgmeier, der muss sich in Sachen Transfer im untersten Regal bedienen. Umso bemerkenswerter, dass ein ehemaliger Regionalliga-Kicker wie Juan Cabrera in der Super League gleich Fuss fassen kann. Auch Julian Stark vom SC Verl spielt eine tragende Rolle, mit YB-Leihgabe Lutfi Dalipi haben es die Liechtensteiner zudem geschafft, eines der grössten Offensiv-Juwelen der Liga in den Rheinpark zu lotsen. Dass es Burgmeier geschafft hat, mit dem umworbenen Aufstiegscoach Marc Schneider bis 2028 zu verlängern, ist top. Dass mit Sorgic, Akhalaia und Neelakandan gleich drei Neuzugänge verletzt ausfallen, dafür kann der Sportchef nicht viel.

YB: Christoph Spycher und Mathieu Beda – Note 5

Fakt ist mal: Das aktuelle YB ist die teuerste Berner Mannschaft aller Zeiten, wenn man als Massstab nimmt, wie viel Gelbschwarz für die Zugänge bezahlt hat. Kaum einer, der ablösefrei oder billig kam. Heuer an der Spitze: Cédric Zesiger für 3,5 Millionen von Augsburg, Herba Guirassy für drei Millionen von Nantes, Isaac Schmidt für 2,5 Millionen von Leeds, Kaly Sène für eine Million von Middlesbrough. Und in letzter Sekunde haben die Berner situativ auf den längeren Ausfall von Gregory Wüthrich reagiert und mit Moritz Jenz von Wolfsburg (Ex-Lausanne) einen routinierten Innenverteidiger geholt. Imposant! Verkauft hat man vor allem Jaouen Hadjam für satte 13 Millionen an Brighton, dann Joël Monteiro für 2,5 Millionen an Lecce, Kastriot Imeri für denselben Betrag an Union Berlin, Lukasz Lakomy an Leuven und Emmanuel Tsimba an Westerlo für je zwei Millionen. Was hat man dafür gekriegt? Eine Offensive, die alles kurz und klein schiesst. Und eine Defensive, die nach wie vor so labil ist wie in der letzten Saison. Unter dem Strich: reichlich Spektakel. Das eigentlich gar nicht so recht zur YB-DNA passt. Ziemlich konzeptlos wirkte das Hin und Her im Fall Lewin Blum. Der Plan sah einen Verkauf vor. Dann spielte das Eigengewächs derart gut, dass man zu Plan B griff, ihn behielt und ihm eine Verlängerungsofferte vorlegte. Dafür wechselt Schmidt nun die Aussenverteidiger-Seite. Für ihn wird Supertalent Olivier Mambwa geopfert, den man an Thun ausleiht.

Zürich: Dino Lamberti und Ancillo Canepa – Note: 3

Für Klubchef Ancillo Canepa ist klar: «Einen Sportchef im eigentlichen Sinn, der für alles zuständig ist, will ich nicht mehr.» Deshalb setzt er im sportlichen Bereich auf den präsidialen Berater Dino Lamberti. Der langjährige Agent hat Canepas rigorosen Sparkurs umgesetzt und Tafelsilber für rund 15 Millionen Franken verkauft. Sein Handlungsspielraum ist primär wegen wirtschaftlicher Auflagen eng, entsprechend ausgedünnt ist das Kader. Der ablösefreie Mittelfeldspieler Kevin Spadanuda war als Ergänzung eingeplant, gehört inzwischen zum Stamm. Aktuell ist Lamberti vor allem damit beschäftigt, Unruheherde unter Kontrolle zu bringen und Malenovic-Altlasten zu beseitigen. Angedachte Zuzüge scheiterten – am Geld (Lars Villiger) oder aus medizinischen Gründen (Betim Fazliji). Lamberti hat es bisher nicht geschafft, seinen Chef von der zu rigiden Linie in der Kaderplanung abzubringen. Besonders kreativ wirkt der Rekrutierungsprozess nicht. Experten wundern sich, weshalb das FCZ-Scouting in der preisgünstigen Challenge League nicht dezidierter betrieben wird. 

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
6
13
18
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
7
12
15
3
FC Sion
FC Sion
6
3
12
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
6
1
10
5
FC Basel
FC Basel
7
0
10
6
FC Luzern
FC Luzern
7
-3
9
7
FC Thun
FC Thun
6
-6
7
8
FC Zürich
FC Zürich
7
-7
7
9
FC Vaduz
FC Vaduz
7
-1
6
10
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
7
-3
6
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
6
-5
5
12
Servette FC
Servette FC
6
-4
4
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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