Ein knapper Sechstel der Saison ist gespielt – und Lugano führt die Tabelle mit einem Spiel weniger als die Konkurrenz an. Sechs Spiele, sechs Siege. Dazu die klar beste Defensive der Liga. YB stellt zwar die mit Abstand treffsicherste Offensive. Doch wie heisst es so schön? Mit der Offensive gewinnt man Spiele, mit der Defensive Meisterschaften. Alles klar also: Lugano ist Meisterkandidat Nummer 1!
Sportchef Sebastian Pelzer (45) will davon allerdings nichts wissen. «Auf keinen Fall sind wir Favorit Nummer eins», betont er nach dem 3:1-Auswärtssieg in Basel. Trotzdem ist er überglücklich mit dem bockstarken Auftakt. «So zu starten, hätten wir uns nicht ausmalen können. Das wäre ja auch vermessen gewesen. Insgesamt können wir aber schon stolz sein.»
«Einziger Konkurrent ist YB»
Vor einem Jahr sah die Welt im Tessin noch völlig anders aus. Zu diesem Zeitpunkt war Lugano bereits aus dem Cup und aus Europa ausgeschieden. In der Super League lag man mit vier Niederlagen, einem Remis und nur einem Sieg auf dem zweitletzten Platz. Gut möglich, dass man auch deshalb bewusst keine grossen Töne spuckt.
Im Rest des Kantons – zumindest im Sottoceneri – ist die Euphorie dagegen deutlich grösser. Die neue AIL Arena und die Siegesserie lassen die Anhänger träumen. Auch die Tessiner Fussball-Experten sehen in den Bianconeri einen logischen Titelfavoriten.
«Lugano ist in diesem Jahr eine Mannschaft, die um den Titel spielen muss. Denn sie hat alles, was es dafür braucht», stellt Alberto Regazzoni (43) gegenüber Blick klar. Das beginne beim Trainer, der genau wisse, was er wolle und wie er seine Ideen umsetzen müsse. «Zweitens sorgt das neue Stadion im gesamten Umfeld für eine grosse Euphorie. Und dann ist das Kader für alle Wettbewerbe sehr kompetitiv. Der einzige Konkurrent in der Liga ist YB», sagt der frühere Spieler der Berner sowie von Sion und St. Gallen.
Ceroni lobt Croci-Torti und seinen Assi
Ähnlich sieht es die Tessiner RSI-Legende Armando Ceroni (66). «Lugano ist Favorit. Es hängt aber auch davon ab, ob YB sein volles Potenzial ausschöpfen und defensiv stabiler werden kann. Und ob Lugano es schafft, dass Lukas Mai, Uran Bislimi und Anto Grgic möglichst wenige Spiele verpassen.» Für das Spiel von Trainer Mattia Croci-Torti (44) seien die drei nahezu unverzichtbar.
Ansonsten habe Lugano alles, um bis zum Ende ganz oben zu stehen. «Lugano hat einen klaren und eingespielten Spielstil. Die Aktionen, die im Training geübt werden, sind im Spiel eins zu eins erkennbar.» Das sei auch der Verdienst eines Trainers, der seit vielen Jahren im Amt ist, jedes Detail des Fussballs kenne, sich ständig weiterbilde und mit Michele Salzarulo (43) einen Assistenztrainer an seiner Seite habe, der bereits mit vielen grossen Trainern wie José Mourinho, Rafa Benitez und Gian Piero Gasperini zusammengearbeitet hat.
Seit vielen Jahren ohne Meistertitel
Dass Lugano trotzdem noch nicht vom Titel spricht, halten sowohl Regazzoni als auch Ceroni für richtig. Und keineswegs für Understatement. «Das ist richtig so. Sie haben aus der Vergangenheit gelernt, als sie zu hohe Ziele ausgegeben haben und daran zerbrochen sind», sagt Ceroni.
Ob es dieses Jahr anders kommt? Lugano wartet seit 1949 auf den vierten Meistertitel. Nach sechs Siegen zum Saisonstart ist der Traum vom grossen Coup im Tessin jedenfalls längst erwacht.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 6 | 13 | 18 | |
2 | BSC Young Boys | 7 | 12 | 15 | |
3 | FC Sion | 6 | 3 | 12 | |
4 | FC St. Gallen | 6 | 1 | 10 | |
5 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | FC Thun | 6 | -6 | 7 | |
8 | FC Zürich | 7 | -7 | 7 | |
9 | FC Vaduz | 7 | -1 | 6 | |
10 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 6 | -5 | 5 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |





