Transfer-Endspurt in der Schweiz
Wer sich verstärken muss, welcher Klub vor einem Coup steht

Der internationale Transfermarkt ist geschlossen, jener in der Schweiz ist noch rund eine Woche geöffnet. Welcher Super-League-Klub braucht dringend noch Verstärkung? Bei welchen Teams ist die Kaderplanung abgeschlossen? Eine Übersicht.
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Luzerns Udo Portmann ist mit 30 Spielern im Kader bereits gut versorgt.
Foto: keystone-sda.ch
Fussball-Redaktion

YB

YB ist auf Seite der Zugänge wunschlos glücklich. Kommen wird keiner mehr. Dafür sucht man noch Abnehmer für Rhodri Smith und Saidy Janko. Linksverteidiger Smith soll ausgeliehen werden, es gibt zwei, drei Interessenten. Bei Rechtsverteidiger Janko, der in den Berner Plänen keine relevante Rolle mehr spielt, steht ein Verkauf im Vordergrund. Der Vertrag des Zürchers läuft in einem Jahr aus, weshalb er sehr günstig zu haben ist.

Weil Alvyn Sanches bei YB bleibt, dürften die Berner niemanden mehr holen.
Foto: TOTO MARTI

Lugano

In den letzten Tagen schlug Lugano mit einer Leihe noch einmal auf dem Transfermarkt zu. Die schon jetzt starke Offensive verstärkten die Tessiner mit Basel-Stürmer Albian Ajeti. Dafür platzte der Deal mit dem Holländer Jay Enem. Zuletzt zeigten die Luganesi noch Interesse an Mittelfeldspieler Stefano Russo von Arminia Bielefeld. Die Deutschen forderten allerdings eine Ablösesumme von etwa zwei Millionen Euro, die Lugano laut deutschen Medienberichten nicht bezahlen wollte. Damit scheint dieser Transfer vom Tisch und das Lugano-Kader gerüstet für die Saison.

Lugano verstärkte sich mit Basel-Stürmer Ajeti.
Foto: TOTO MARTI

Basel

Nach dem Abgang von Albian Ajeti (Leihe zu Lugano) und Djordje Jovanovic (Vertragsauflösung) hat der FCB mit Zan Celar und Giacomo Koloto nur noch zwei Mittelstürmer im Kader. In den kommenden Tagen soll auf dieser Position noch einmal nachgelegt werden. Schon vor Wochen stellte der Technische Direktor Andreas Herrmann im FCB-eigenen Podcast zudem einen weiteren Linksverteidiger in Aussicht. Nach dem sehr durchwachsenen Saisonstart von Moussa Cissé und dem Ausfall von Neuzugang Coleen Louis sicher keine schlechte Idee. Seit dem Zugang von Aaron Malouda Ende Juli warten die FCB-Fans aber vergeblich auf eine weitere Spielerverpflichtung.

Der FCB ist auf Stürmer-Suche.
Foto: Toto Marti

St. Gallen

Das hats in der fast 150-jährigen Geschichte des FC St. Gallen wohl noch nie gegeben: Zwei Spieler stehen vor dem Absprung, beide Transfers platzen in letzter Sekunde. Christian Witzig geht nicht zu Alkmaar, weil die Holländer bei der Ablöse knausern. Und Betim Fazliji fliegt beim FCZ durch den Medizincheck. Hätten beide die Espen verlassen, man hätte auf dem Transfermarkt noch nachgelegt, so aber dürfte das grün-weisse Kader stehen. Ein Wechsel von Thuns Fabio Fehr ist wohl vom Tisch. Weil die Berner Oberländer keine Spieler mehr abgeben wollen. 

Sion

Sion wird auf dem Transfermarkt nichts weiter tun. Es sei denn, Rilind Nivokazi verlässt den Verein. Der russische Klub FK Orenburg soll interessiert sein. In diesem Fall werden die Walliser nach einem Mittelstürmer suchen, bei dem es sich aber trotz regelmässigem Kontakt nicht um Andi Zeqiri handeln wird. CC sagt: «Er ist zu teuer für uns.» Der Schweizer hat sich entschieden, zu Standard Lüttich zurückzukehren. Goalie Fayulu will man noch loswerden. 

Sollte Rilind Nivokazi Sion noch verlassen, bräuchten die Walliser einen neuen Stürmer.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Thun

Präsident Andres Gerber hat bei Blick Neuzugänge angekündigt – und geliefert. Nach der Transferoffensive der Berner Oberländer sieht die Lage schon wieder etwas rosiger aus. Diese müssen sich jetzt erst einmal im Team integrieren und ihr Können unter Beweis stellen. Gian-Luca Privitelli hat mit Noah Christofferson seinen Stürmer und mit Patrik Kristal seinen Zentrumsspieler erhalten. Doch auch wenn man mit Olivier Mambwa ein Verteidiger-Talent von den Young Boys ausgeliehen hat, würde es auf den anderen Defensivpositionen noch Potenzial für ein weiteres Nachrüsten geben. Auch auf den Flügeln sind die Berner Oberländer noch dünn besetzt.

Thuns Fabio Fehr wird nicht mehr zu St. Gallen wechseln.
Foto: Claudio de Capitani/freshfocus

Zürich

Die fundamentale Problemzone des FCZ ist die Defensive. 16 Gegentore haben die Zürcher erhalten – mehr als jeder andere Liga-Konkurrent. Der vertiefte Blick in die Statistik fällt alarmierend aus. Die gegnerischen Schusszahlen sowie die Qualität dieser Abschlussversuche sind durchs Band hoch. Die geringe Super-League-Erfahrung der Equipe ist schon im defensiven Mittelfeld eine Herausforderung, die sich dann auf die Abwehrreihe überträgt.

Im Brennpunkt steht derzeit Alexander Hack. Der 32-Jährige reiht Fehler an Fehler. Die gescheiterten Engagements in Saudi-Arabien und in New York haben ihm nicht gutgetan, mit dem Tempo seiner Gegner tut sich der 133-fache Bundesliga-Profi schwer. 2,7 Gegentore pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache: Der FCZ könnte einen stabilen Abwehrspieler gebrauchen. Vielleicht erinnert sich der FCZ ja in der Not an die Handynummer von Mirlind Kryeziu (29), der seit dem 1. Juli ohne Verein dasteht?

Nach der Verletzung von Kablan hat der FCZ ein Rechtsverteidiger-Problem.
Foto: TOTO MARTI

So oder so: Marcel Koller wird sich überlegen müssen, ob eine Vierer-Abwehr in dieser Konstellation weiterhin sinnvoll ist. Der gescheiterte Fazliji-Transfer engt seinen taktischen Spielraum hingegen ein. Der Kreuzbandriss von Chris Kablan erschwert die Lage noch mehr. Denn damit sind alle Rechtsverteidiger im FCZ-Kader aktuell verletzt. Umso bitterer, dass man mit Mattia Rizzo ein eigenes Talent für diese Position kürzlich in die Serie C abgegeben hat. Und da wäre noch der Problemfall Juan José Perea (26): Nach Blick-Informationen wird der kolumbianische Stürmer das FCZ-Trikot zu 99 Prozent nie mehr tragen. 

Lausanne

Die Waadtländer sind unberechenbar. Im Angriff ist Lausanne aber vollzählig und gut besetzt. Befürchtete Abgänge von Leistungsträgern wie Omar Janneh haben sich nicht bewahrheitet. Nach der schweren Verletzung von Tyler Fredricson und dem Wechsel von Kevin Mouanga in die Türkei könnte Lausanne aber noch einen Innenverteidiger verpflichten. Es dürfte bis zum letzten Moment spannend bleiben.

Lausanne sucht nach Mouangas Abgang einen Innenverteidiger.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Luzern

Der FCL wird in den letzten Tagen wohl die Füsse stillhalten. Denn das Kader der Luzerner ist extrem breit aufgestellt. Über 30 Spieler trainieren in der Innerschweiz mit. Bei den Spielen muss Trainer Udo Portmann schon jetzt eine Handvoll Spieler auf die Tribüne setzen. So werden beim FCL eher noch Akteure gehen, als neue dazukommen. Zuletzt sollen sich diverse Klubs für Stürmer Lars Villiger interessiert haben, wie aus der Gerüchteküche des Schweizer Transfermarkts zu vernehmen ist.

Er könnte noch gehen: Luzerns Villiger weckt das Interesse von Schweizer Teams.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Servette

Der 17-fache Schweizer Meister steht vor einem Transfer-Coup! Dereck Kutesa (28), der Ur-Genfer aus dem Les-Avanchets-Viertel, steht vor einer Rückkehr. Einen lukrativen Fünfjahresvertrag sollen die Verantwortlichen dem Flügelspieler offerieren. Vor einem Jahr wechselte der dreifache Nationalspieler noch ablösefrei aus seiner Heimatstadt zu AEK Athen. Dort absolviert er 34 Spiele, ist an neun Toren beteiligt und feiert am Ende der Saison die Meisterschaft. Der bevorstehende Wechsel ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Kutesa mit AEK Champions League spielen könnte und dort unter anderem Gegner wie Real Madrid und ManCity warten. 

Ein Coup: Servette holt wohl Dereck Kutesa zurück.
Foto: IMAGO/One Inch Productions

Vaduz

Ausgeschlossen ist es nicht, dass die Ländle-Kicker auf dem Transfermarkt noch aktiv werden. Morgen oder übermorgen wird das aber nicht der Fall sein. Weil die Liechtensteiner aufgrund ihres Mini-Mini-Budgets von bloss sechs Millionen Franken am Ende der Nahrungskette stehen. Und erst dann aufs Transfer-Karussell springen können, wenn die Kaderplanungen bei finanziell potenteren Klubs abgeschlossen sind. Möglich, dass sie noch die eine oder andere Leih-Möglichkeit ergibt. Dass der FCV für junge Spieler attraktiv ist, zeigt aktuell die Entwicklung von YB-Leihgabe Lutfi Dalipi.

In Vaduz dürfte nicht mehr allzu viel passieren.
Foto: Michael Zanghellini/freshfocus

GC

Die Hoppers sind einmal mehr schwach in die Saison gestartet. Mit Julian von Moos und Giotto Morandi konnten zwei der vier spät präsentierten Neuzugänge ihr Können noch nicht unter Beweis stellen. Sie müssen erst noch fit werden. Dennoch wird GC in der Offensive wohl nichts mehr machen. Die Abwehr zeigte sich zuletzt gegen Vaduz extrem unsicher. Fünf Gegentore beim zuvor punktlosen Aufsteiger sprechen Bände. Gerade links hinten müssen sich die Hoppers noch verstärken. Denn hinter Nico Rissi, der bisher immer spielte, fehlt die Alternative. Zumal Routinier Maximilian Ullmann noch gar nie im Kader stand.

GC ist hinten links hinter Nico Rissi zu dünn besetzt.
Foto: Pascal Muller/freshfocus
Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
BSC Young Boys
BSC Young Boys
6
12
14
2
FC Lugano
FC Lugano
4
10
12
3
FC Basel
FC Basel
5
3
10
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
4
1
7
5
FC Sion
FC Sion
4
1
6
6
FC Thun
FC Thun
4
-5
6
7
FC Zürich
FC Zürich
6
-7
6
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
5
-1
5
9
FC Luzern
FC Luzern
5
-4
5
10
Servette FC
Servette FC
4
-1
4
11
FC Vaduz
FC Vaduz
5
-2
3
12
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
4
-7
1
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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