Darum gehts
- Sind die letzten Funken weg? «Logisch»
- Ist die Situation jetzt klar? Lustrinelli will keinen Strich ziehen
- Diese Vorsprünge wurden schon verspielt – andere Dimensionen
Die Thuner sind angefressen nach dem Spitzenkampf gegen St. Gallen. Nachvollziehbar nach dem Last-Second-Gegentor zum 2:2. Unmittelbar nach dem Anstoss pfeift Schiri von Mandach das wilde Spiel ab. «Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, sehr unzufrieden mit dem Resultat», sagt Trainer Mauro Lustrinelli (50). Die St. Galler sind positiver gestimmt.
Doch müssten die Gefühle mit etwas Abstand zum Abpfiff nicht umgekehrt sein? Leader Thun hat den 14-Punkte-Vorsprung auf St. Gallen im Direktduell gewahrt. Bei einer Niederlage wären es noch elf gewesen.
Görtler: «Das ist mir noch ein Rätsel»
Hätte es für einen kleinen Funken Spannung im Meisterrennen zwingend einen St. Galler Sieg gegen Thun gebraucht? «Ja, logisch», antwortet Espen-Captain Lukas Görtler (31) umgehend. «Die gewinnen ja jedes Spiel gegen jeden anderen Gegner. Warum sollen sie jetzt in den verbleibenden zehn Spielen sechs verlieren? Das ist mir aktuell noch ein Rätsel.» Ein kleiner Seitenhieb an die Konkurrenz darf nicht fehlen. Der FC St. Gallen war es, der Thun letztmals Punkte abknöpfen konnte – das war beim 2:0-Sieg in der Stockhorn-Arena im Dezember. Und jetzt erneut.
Reichts jetzt für den Titel nach dem nicht verlorenen Sechspunktespiel, Mauro Lustrinelli (50)? «Ich könnte schon an den Juni denken. Aber was bringt mir das? Es ist so eine schöne Reise, die das Team macht. Ich will das geniessen. Täglich. Wieso sollte ich mit dem Taschenrechner dastehen und immer sagen, wie viele Punkte noch fehlen. Es wäre schade, wenn wir uns erst freuen, wenn es entschieden ist.»
«Zweite Halbzeit war meisterlich»
Der Ton hat sich auch bei ihm auf subtile Weise verändert. In einem Nebensatz sagt er: «In der zweiten Halbzeit haben wir meisterlich gespielt.» Lustrinelli wollte einmal Mathelehrer werden und weiss insgeheim ganz genau, was dieser Mega-Vorsprung bedeutet – auch ohne Taschenrechner.
Bei der wohl legendärsten Aufholjagd in der jüngeren Schweizer Fussballgeschichte verbockt YB im Jahr 2010 nach einem 13-Punkte-Vorsprung auf Basel noch den Titel. Das Wort «veryoungboysen» hat Hochkonjunktur. Aber diese 13 Punkte liegen in der Anfangsphase der Saison nach acht Runden zwischen den beiden Teams – zehn Runden vor Schluss sind es nur noch vier. Und nicht 14 wie aktuell zwischen Thun und St. Gallen.
Arsenal holte mal 13 Punkte auf – aber ...
Der grösste aufgeholte Rückstand in einem Titelrennen in der Premier League ist ebenfalls ein 13-Punkte-Vorsprung. In der Saison 1997/98 macht Arsenal diese Differenz auf Manchester United wett. Aber auch da: Zehn Runden vor Schluss ist der einst grosse Vorsprung bereits geschmolzen, und es sind nur noch 3 Punkte Rückstand für die Gunners. Andere Dimensionen.
So sagt auch St.-Gallen-Trainer Maassen über Thun: «Ich habe es schon mehrmals erwähnt: Sie können sich eigentlich nur selbst schlagen.»
St. Gallen knackt Thun als einziges Team
Immerhin kann sich der Espen-Trainer auf die Fahne schreiben, als aktuell einziges Team den Schlüssel gegen den Sensationsaufsteiger gefunden zu haben: das Schlagen mit eigenen Waffen.
St. Gallen spielt genauso physisch wie Thun. Beide operieren mit den langen Bällen nach vorn. Görtler kriegt im Mittelfeld fast die Nackenstarre. Lustrinelli sagt: «Am Anfang war wieder zu viel Pingpong, und es war chaotisch im Spielaufbau.» St. Gallen ist eine Halbzeit lang besser als Thun. Dann dreht das Momentum. Und tief in der Nachspielzeit pendelt sich die Partie beim 2:2 ein.
Lieber Vorfreude als Schlussstrich
Der Spitzenkampf ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein aufgeladenes Duell – auf und neben dem Platz. Öl ins Feuer kommt auch von der Seitenlinie. Espen-Captain Görtler muss schmunzeln: «Zwei Auswechselbänke mit Trainern, die hochemotional sind.» Fuchtelnd holt Maassen schon in der 22. Minute Gelb ab.
Hört man dem Leithammel der St. Galler zu, spürt man: Er wäre wohl im Reinen mit sich und dem Team, sollte Thun den Titel bald klarmachen. «Für uns einfach bitter, dass es eine Mannschaft gibt, die es nochmals ausserordentlich besser macht als wir», sagt er.
Anders die Thuner: Lieber noch etwas in der Vorfreude schweben, anstatt schon einen Schlussstrich unter die Meisterrechnung zu ziehen.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 28 | 33 | 65 | |
2 | FC St. Gallen | 28 | 20 | 51 | |
3 | FC Lugano | 28 | 12 | 49 | |
4 | FC Basel | 28 | 7 | 46 | |
5 | BSC Young Boys | 28 | 4 | 42 | |
6 | FC Sion | 28 | 8 | 41 | |
7 | FC Luzern | 28 | 1 | 33 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 28 | -3 | 33 | |
9 | FC Zürich | 28 | -15 | 31 | |
10 | Servette FC | 28 | -7 | 30 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 28 | -13 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 28 | -47 | 15 |

