Was ihm seine Kritiker vorwerfen
So kams zum Hüppi-End beim FC St. Gallen

Weshalb Matthias Hüppi (68) auch ein guter Politiker geworden wäre. Warum er als SRF-Moderator selten kritisch war. Und was seine Kritiker ihm hinter vorgehaltener Hand vorwerfen.
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Stefan KreisReporter Fussball

Mit dem notorisch erfolglosen FC St. Gallen einen Titel zu holen, ist schwierig. Noch schwieriger ist es, Matthias Hüppi zu unterbrechen, wenn dieser zu einem seiner berühmt berüchtigten Monologe ansetzt. So wie am Mittwoch. Handgestoppte elf Minuten am Stück spricht der Espen-Präsident, ehe er jene Worte sagt, auf die die St. Galler Fan-Gemeinde sehnsüchtig gewartet hat: «Ich mache mich ganz sicher nicht vom Acker!»

Matthias Hüppi hat den Machtkampf beim FCSG für sich entschieden.
Foto: keystone-sda.ch

Etwas mehr als drei Tage zuvor kommt Hüppi ebenfalls ins Reden. Im Wankdorf. Kurz nach dem Cupsieg. Statt über die Sternstunde seiner achtjährigen Amtszeit zu sprechen, trägt der Espen-Boss aber einen Machtkampf an die Öffentlichkeit. Er spricht von «verschiedenen Kräften», die wirken. Und von «Tendenzen», die man «nicht akzeptieren» werde. Sichtlich um Contenance ringend, steht er vor dem SRF-Mikro, ehe sein langjähriger Kollege Rainer Maria Salzgeber das schier Unmögliche schafft – und Hüppi das Wort abklemmt. Statt weiter über den sich anbahnenden Zoff in der Führungsetage zu sprechen, werden plötzlich Jubel-Bilder eingespielt. Ob Salzgeber seinen Kumpel in jenem Moment schützen wollte?

Hüppi war als Moderator selten kritisch

Klar ist: Als langjähriger SRF-Moderator ist Hüppi mit den Sportjournalisten dieses Landes per Du. Er weiss, wie die Medien ticken, ist ein Kommunikationsprofi. In jungen Jahren bricht er sein Jus-Studium nach vier Semestern ab und absolviert ein Medien- und Sprechtraining. Es ist der Beginn einer einzigartigen Laufbahn. Fast drei Jahrzehnte lang prägt Hüppi die Ski- und Fussballberichterstattung in diesem Land. Richtig kritisch wird er selten. Nur einmal, als er vor der Heim-EM die Absetzung des damaligen Nationaltrainers Köbi Kuhn fordert, fliegen die Fetzen. Ansonsten steht Hüppi in erster Linie für grosse Emotionen.

Matthias Hüppi strahlt heller als die Sandoz-Trophäe.
Foto: keystone-sda.ch

Eigenschaften, die er seit einem Vierteljahrhundert auf seine grosse Liebe, den FC St. Gallen, projiziert. Unvergessen, wie er vor 26 Jahren mit SRF-Mikrofon in der Hand die Meisterfeier moderiert. Von journalistischer Distanz ist nicht viel zu sehen. Da steht ein Fan, mit kindlicher Begeisterung in den Augen.

Und das ist noch heute so. Wenn er wie am Mittwoch gemeinsam mit dem Cup-Kübel posiert, ist Hüppi wieder elf Jahre alt, sitzt bei seiner Grossmutter vor dem TV und bejubelt die Cupsiegermannschaft von 1969. Wenn er während Spielen nervös herumtigert, da ist, dort ist, überall ist, dann hüpft sein Herz wie wild. Wenn er an das grün-weisse Wir-Gefühl und an den Zusammenhalt einer ganzen Region appelliert, dann wird deutlich, dass Hüppi auch ein hervorragender Politiker geworden wäre.

Dass der Neffe von alt Bundesrat Kurt Furgler aus dem FCSG eine soziale Bewegung gemacht hat, dürfte auch deshalb kein Zufall sein. Knapp 20’000 Menschen haben Aktien gekauft, fast ebenso viele haben sich unter der Woche in einer Umfrage auf blick.ch für Hüppi stark gemacht. Kaum einer verliert ein schlechtes Wort über den Charismatiker, öffentlich schon gar nicht. Im Gegenteil. Als es im Machtkampf um die Wurst ging, hatte Hüppi sowohl die Fans als auch die Sponsoren, die Politik sowie Spieler und Trainer im Rücken.

Kritische Stimmen gibt es

Hinter vorgehaltener Hand hingegen gibt es durchaus kritische Stimmen. Dass zwei Medienchefs unter Hüppi den Klub verlassen, ist kein Zufall. Weil der Medienprofi in dieser Hinsicht alles unter Kontrolle haben möchte. Ehemalige Angestellte berichten, dass Hüppi in unternehmerischer und wirtschaftlicher Hinsicht Defizite habe. Dass er Dinge unterschreibe, von denen er nicht viel verstehe – und er massiv von seinen Kollegen im Verwaltungsrat, allesamt Menschen mit grossem beruflichen Rucksack, abhängig sei. Als es während der Corona-Pandemie für die Super-League-Vereine um Alles-oder-Nichts ging, seien Unternehmer wie der damalige FCB-Boss Bernhard Burgener federführend gewesen. Während von Hüppi nicht viel gekommen sei.

Auch im Grossaktionariat des FCSG sitzen Grössen aus der Wirtschaft, allesamt millionenschwer. Und alle hätten gerne mehr Einfluss auf den Klub gehabt. Nach dem Motto: Wer zahlt, befiehlt. Hüppi, der als Angestellter einen mittleren sechsstelligen Betrag pro Jahr kassiert, aber schob diesen Bestrebungen gleich zu Beginn seiner Amtszeit einen Riegel. Dass seit letztem Herbst mit Patrick Thoma ein Vertreter des Grossaktionariats in seinem VR sass, stiess dem langjährigen Präsidenten sauer auf. Auch wenn er öffentlich nie ein schlechtes Wort darüber verloren hat – und stattdessen – ganz Hüppi-like die gute Zusammenarbeit lobte.

Patrick Thoma heisst der grosse Verlierer.
Foto: Zvg

Dass die Grossaktionäre nun aber in den letzten Wochen planten, zwei weitere VR-Sitze mit eigenen Kandidaten zu besetzen, war jener Move, der das Fass so richtig füllte. Sprich jene Tendenzen, die Hüppi nicht akzeptieren wollte. Hätten die Geldgeber ihr geplantes Ding durchgezogen, der Präsident wäre wohl per sofort abgetreten. Wohlwissend, dass Tausende von Menschen auf die Strasse gegangen wären. Und es ein Szenario gegeben hätte, wie damals beim FCB-Machtkampf zwischen Bernhard Burgener und David Degen.

Auch Captain Lukas Görtler zeigte Solidarität mit Hüppi.
Foto: Keystone

Damals wurde ein Schweinekopf vor der Geschäftsstelle deponiert. Und eine Burgener-Puppe verbrannt. Es ist Hüppi und auch seinem diplomatischen Geschick zu verdanken, dass eine solche Eskalation ausgeblieben ist. Und man sich in letzter Minute einigen konnte. «Hass- und Hetzjagden haben bei uns keinen Platz», sagt er am Mittwoch an der Pressekonferenz. Statt nachzutreten, reicht er jenen die Hand, die ihn absetzen wollten. Neben Hüppi sitzen mit Philipp Bienz und Reto Preisig zwei Grossaktionäre, die sich kurz zuvor noch für Stefan Kölliker als neuen Präsidenten ausgesprochen haben sollen.

Redezeit bekommt das Duo kaum. Weil es schwierig ist, Matthias Hüppi beim Monologisieren zu stoppen.

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