Bevor die Pressekonferenz beginnt, haut Matthias Hüppi schon einen ersten Spruch raus. Weil Medienchef Remo Blumenthal hinter dem vor ihm stehenden Cup-Kübel kaum zu sehen ist, sagt der 68-Jährige mit seinem typischen Lachen: «Es gibt Blöderes, als hinter einem Pokal zu verschwinden.»
Sich drei Tage nach dem grössten Triumph der letzten 26 Jahre einen Machtkampf in der Führungsetage zu liefern beispielsweise. Wie nahe Hüppi die Sache an die Nieren geht, wird zu Beginn der Pressekonferenz deutlich. Den Tränen nahe, hält er erst einen leidenschaftlichen Monolog über Zusammenhalt und Wir-Gefühl, ehe er nach elf Minuten zum Punkt kommt: «Ich mache mich nicht vom Acker.»
Hüppi bleibt! Mit nur einem Satz beendet er einen Zoff, der die Region nach dem Cupsieg am Sonntag drei Tage lang in Atem gehalten hat. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Triumph des 68-Jährigen:
Wer hat den Machtkampf entschieden?
Die Öffentlichkeit. Auf Blick.ch stimmten in einer Umfrage mehr als 22’000 Menschen für Hüppi, das sind über 82 Prozent der Stimmen. Wichtige Sponsoren sprachen sich für den langjährigen Präsidenten aus. Die Spieler der ersten Mannschaft posteten aus den Ferien gemeinsame Fotos mit ihrem Präsidenten, die Solidarität mit dem Ur-Espen ging weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Sogar die St. Galler Regierung sah sich bemüssigt, Partei für Hüppi und seine VR-Kollegen zu ergreifen. Bei so viel Dampf im Kessel wäre das Ding komplett explodiert, hätten Teile des Grossaktionariats ihre Pläne durchgezogen und die Führungsspitze ausgetauscht.
Wie heissen die Gewinner?
Neben Hüppi stehen mit Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Beni Würth vier langjährige Weggefährten des Präsidenten auf der Siegerseite. Sie alle hatten ihren Rücktritt eingereicht, weil Teile des Grossaktionariats auf Veränderungen im VR pochten. Nun ist das Quintett, das seit acht Jahren die Geschicke des Vereins leitet, wieder komplett. Als Sieger sieht sich Hüppi nicht. Als Alleinherrscher ebenso wenig: «Leadership hat nichts mit Macht zu tun, sondern mit Verantwortung. Ein partizipativer Führungsstil ist essenziell.»
Wie heissen die Verlierer?
Der Ex-SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker, der von Teilen des Grossaktionariats als Hüppi-Nachfolger aufgebaut werden sollte, schaut massiv in die Röhre. Noch am Dienstag gab er im SRF ein Interview und sich selbst als neuen FCSG-Präsidenten aus. Ein Rohrkrepierer. Auch Patrick Thoma und Roland Gutjahr gehören zu den grossen Verlierern. Erstgenannter sass seit letztem Herbst als Vertreter des Grossaktionariats im VR, nun gibt er seine Aktien zusammen mit Gutjahr ab. Dass beide in den letzten Tagen massiv bedroht und unter Druck gesetzt wurden, ist Fakt. Hüppi spricht Klartext: «Das muss sofort aufhören. Hass- und Hetzjagden haben bei uns keinen Platz.» Sagts und reicht den Verlierern im selben Atemzug die Hand. Es würde ihn freuen, wenn Thoma weiterhin Präsident des Ambassadoren-Klubs bleiben würde, sagt Hüppi. Jene Aktien, die Gutjahr und Thoma abgeben, werden von den verbleibenden Grossaktionären übernommen.
Warum sind die Putschisten gescheitert?
Weil sie jenen Klub, den sie kontrollieren wollten, offenbar nicht kennen. Wer sich mit Hüppi anlegt, legt sich mit der gesamten grün-weissen Bewegung an. Das haben Thoma, Gutjahr und Co. unterschätzt. Und in Sachen Kommunikation war es ein Desaster. Vom SRF-Interview mit Möchtegern-Präsident Stefan Kölliker bis hin zur Tatsache, dass man bis heute nicht genau weiss, was Teile des Grossaktionariats mit ihrem Umsturz überhaupt bezwecken wollten. Als Gegenspieler hatte man mit Matthias Hüppi einen ausgewiesenen Kommunikationsprofi.
Wie gehts nun weiter?
Dass Hüppi mit seinen 68 Jahren nicht ewig Präsident bleiben wird, ist klar. Ein möglicher Nachfolger soll aber behutsam aufgebaut werden, so Hüppi. Dasselbe gelte für die Mitglieder des Verwaltungsrates. Zwar habe man mit Peter Germann einen ehemaligen FCSG-Profi im Gremium, es sei aber gut möglich, dass auch Spieler wie Marwin Hitz oder Tranquillo Barnetta irgendwann eingebunden werden. Kein Thema ist hingegen ein Verkauf des Vereins. Das bekräftigen sowohl der Präsident als auch die neben ihm sitzenden Grossaktionäre Reto Preisig und Philipp Bienz. Preisig bestätigt, dass es immer mal wieder Interesse am Klub gebe, die Diskussionen aber jeweils schnell beendet seien.
Fast so schnell wie der Machtkampf, der nach dem Cupsieg nur rund drei Tage gedauert hat. Zum Vergleich: Beim FCL, dem ewigen Rivalen, streiten sie noch heute.
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