Darum gehts
- Grasshoppers Zürich wechselt Besitzer: Bridge Football Group übernimmt Aktienmehrheit
- Trainer Peter Zeidler bleibt trotz neuer Führung im Amt, Sutter geht
- 600 Zuschauer sehen 3:2-Sieg gegen Cham, Fans zwischen Hoffnung und Skepsis
Nichts beschreibt den Zustand der Schwebe, in dem sich GC nach dem Besitzerwechsel befindet, besser, als eine kleine Anekdote, die Marcel Werder, Sportchef des SC Cham, erzählt: «Am Montag noch bestellt GC eine Parkkarte für Alain Sutter bei uns. Und jetzt kommt er bereits nicht mehr nach Cham, ist Geschichte.»
Beim Promotion-League-Klub, der letzte Saison Lugano aus dem Cup kegelte, bestreitet GC ein Testspiel im Hinblick auf eine neue Saison, in der einmal mehr alles besser werden soll. Geschürt wird diese Hoffnung durch einen erneuten Besitzerwechsel. Die Bridge Football Group hat die Aktienmehrheit von Los Angeles F.C. übernommen und ist neuer Eigentümer der Hoppers.
Zeidlers Gespräche mit dem neuen Präsidenten
Von der neuen Führung um den in Zürich lebenden Genfer Anwalt Ludovic Deléchat ist niemand in Cham. «Aber», sagt Trainer Peter Zeidler, «der neue Präsident ist am Donnerstag in Niederhasli, stellt sich der Mannschaft vor und spricht mit den Mitarbeitern.» Danach soll es auch ein Communiqué geben. In diesem wird offizialisiert werden, was Blick längst vermeldet hat: nämlich dass Sportchef Alain Sutter gehen muss. Und etwas, das neu ist: nämlich dass Zeidler Trainer bleibt. «Ich habe Gespräche mit dem neuen Präsidenten geführt. Und wir sind zu diesem Schluss gekommen», sagt Zeidler, der wie immer Optimismus ausstrahlt und vor Tatendrang zu sprühen scheint.
Abrashi freut sich darüber, dass Zeidler bleiben darf
Mittlerweile hat das Spiel begonnen. Krasniqi und Kabashi buchen früh doppelt. Immerhin steht nicht eine Juniorenmannschaft auf dem Feld. GC hat doch noch eine Art Gerüst. Hammel, Meyer, Krasniqi und Striscio bilden es in Halbzeit eins. 600 Fans haben sich im Eizmoos eingefunden. Doch das, was hinter den Kulissen läuft, interessiert mehr. Gleichzeitig schauen viele TV. Wollen wissen, ob England den Kopf gegen DR Kongo noch aus der Schlinge ziehen kann. Kann es. Weil England Harry Kane hat. GC hat Amir Abrashi. Der kommt nach der Pause. Und wird später sagen: «Trotz neuer Besitzer – unsere Arbeit bleibt gleich. Und die Trainer. Da heisst es: Gas geben!» Abrashi ist froh, dass der Coach bleiben darf. «Wir haben ja gut abgeschlossen mit Zeidler.»
... das ist halt Vereinsliebe
Abrashi denkt, dass die neuen Besitzer den Klub nicht einfach so gekauft hätten. «Die haben das im Detail analysiert. Das sind gute Leute, die da kommen. Die werden uns sicher zu einer standfesten Mannschaft verhelfen.» Derweil ist Pause. Die GC-Fans beschaffen sich Bier und was zwischen die Zähne. Und wirken irgendetwas zwischen optimistisch, defaitistisch und sarkastisch. «Wir hoffen, dass es gut kommt», sagen Laura und Mel aus dem Kreis 11. «Dabei hatte ich nach der dritten Barrage gesagt, ich komme nicht mehr. Und jetzt stehe ich wieder da. Das ist halt Vereinsliebe», so Laura. Den neuen GC-Besitzern bringt sie eine gewisse Skepsis entgegen. «Die Geldgeber sind halt wieder Chinesen. Bei den vorherigen hat nichts funktioniert. Bei den Amis aber auch nichts.»
Gespalten in der Sutter-Frage
Tomas Merk aus Kloten, GC-Fan in vierter Generation, hält die fünfte an der Hand, die unbedingt mal muss. «Mal wieder sind wir zuversichtlich. Zu Beginn der letzten Saison hatte es auch gut ausgesehen mit den Jungen. Dann kamen der Stillstand – und die Abwärtsspirale. Und im Winter wurde alles nur noch schlimmer, weil die Transfers nicht einschlugen.» So ist er gespalten in der Sutter-Frage.
Mittlerweile hat Cham ausgeglichen. Und das verdient. Doch Conateh macht in der letzten Minute das 3:2 für die Hoppers. Soll man das nun als gutes Omen nehmen am Tag, bevor die neuen Bosse ihre Ideen darlegen, wie alles besser werden wird?
