Blick-Kolumnist Kubi über das Versagen der Berner, von Basel und vom FCZ
«YB scheitert an Seoanes sportlicher Arroganz»

Seit Einführung der Super League im Jahr 2003 hat die Schweiz nur drei Meister gekannt: Basel, YB, den FCZ. Heuer kommt ein vierter hinzu. Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz erklärt die monumentale Krise der drei Schwergewichte in dieser Saison.
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Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz lässt kein gutes Haar an den drei Granden FCB, YB und FCZ.
Foto: Toto Marti

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der FC Thun dominiert die Super League 2026 und übertrifft die drei Grossen
  • YB, Basel und der FCZ zeigen Schwächen, Trainerentscheidungen und Kaderprobleme sind schuld
  • Thun führt mit 27 Punkten Vorsprung, YB, Basel und der FCZ sind weit zurück
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Alain KunzReporter Fussball

Im Jahr 2003 wird die Super League eingeführt. Den Titel sichert sich der FC Basel. Es ist der Beginn der grossen FCB-Epoche, in der die Bebbi den Titel bis 2018 nur dreimal nicht holen. In diese Lücke springt jeweils der FC Zürich. 2018 wird YB erstmals seit 32 Jahren wieder Meister und begründet die YB-Hegemonie, die bis 2024 andauert. In dieser Zeit holt nur der FCZ im Jahr 2022 den Titel. Letzte Saison geht er nach sieben Saisons erstmals wieder nach Basel. Die Super League ist das Jahrtausend der drei Grossen.

Doch nun ist Schluss damit!

Basel hat 18 Punkte Rückstand auf den Leader. YB unfassbare 22. Und der FCZ, der nicht mal in den Top sechs ist, gar 27. Es sind infame Zahlen. Generiert hat sie ein FC Thun, der schlicht alles richtig macht und sich seinen ersten Titel holen wird. «Und das ist gut so!», sagt Blick-Kolumnist Kubilay Türkyilmaz. Lassen wir Kubi die drei Grossen unter die Lupe nehmen.

«YB hätte mit Joël Magnin weitermachen sollen»

«Bei YB sind es zwei Dinge, die zu den beiden massiv enttäuschenden Saisons geführt haben. Alles begann mit der Entlassung von Meistertrainer Raphael Wicky vor zwei Jahren. Das war Wohlstandsverwahrlosung! YB liegt auf Platz eins und feuert einen höchst erfolgreichen Coach. Betrachtet man das heute im Licht der letzten und der aktuellen Saison, kann man sich nur an den Kopf langen. Danach folgte in Sachen Trainer eine Fehlbeurteilung nach der anderen. Und als man die Möglichkeit hatte, die zu korrigieren und den richtigen Mann im Amt hatte, verpasste man es, ihn langfristig zu binden. Ich rede da von Joël Magnin, der YB nach Wicky in der ersten Interimsphase zum Meister gemacht und in der zweiten nach Patrick Rahmen auf Vordermann gebracht hat. Magnin ist für mich so ein Mauro-Lustrinelli-Typ. Ich bin sicher: Er hätte das gepackt.»

«Alles, aber auch alles tun, um die Abwehr zu stärken»

Das sind die strategischen Fehler, deren Verantwortung auf Führungsebene liegen. Und die aktuellen, sportlichen, die grössten seit der Spielzeit 2012/13, als man die europäischen Plätze verpasst hat? Kubi: «Gerardo Seoane ist zurückgekommen als dreifacher Meister- und Bundesliga-Trainer. Weshalb seine Attitüde eine ganz andere ist als 2018, als er als Novize zum grossen YB stiess und viel mehr Demut ausstrahlte als heute. Sein grosser Fehler: Die sportliche Arroganz! Ich rede da nicht von menschlicher Arroganz.

Aber in der Situation einer monumentalen Krise gibt es für YB nur eines: Die Abwehr um jeden, aber wirklich jeden Preis zu stabilisieren. Alle Gedanken an schönen Fussball weit von sich werfen. Alles tun, um den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Wer 52 Tore kassiert, kann nicht erfolgreich sein. Und weil YB in der Offensive wunderbare Fussballer hat, wird es auf Konter immer wieder Tore geben. So hat es auch Mattia Croci-Torti gemacht, als Lugano in der Vorrunde ausser Rand und Band geraten war. Er ist immer noch Trainer. Und Lugano mittlerweile auf Platz drei.

«Seoane muss nun Zeichen setzen!»

In dieses Bild passt auch, dass es die Berner nicht verstanden haben, einen Innenverteidiger zu finden. Am Geld kann es offensichtlich nicht liegen. Dafür holt man einen teuren Stürmer aus der Bundesliga. Nein, das kann ich nicht nachvollziehen.

Klar ist: Seoane muss jetzt Zeichen setzen. Tut er das nicht und bleibt YB erfolglos, gefährdet er seine eigene Position. Kein Trainer ist unentlassbar. Keiner! Ein anderes Zeichen wäre, Goalie Marvin Keller mal eine Pause zu gönnen, damit er die Batterien wieder aufladen kann. Der Junge wirkt auf mich verunsichert und verloren. Mit Heinz Lindner hat man einen Backup, der problemlos zwei, drei Spiele machen könnte.»

«Beim FCB ist der Shaqiri-Effekt verpufft»

Bei Basel, so Kubi, sei das Problem viel weniger komplex. «Im Gegenteil. Es ist ganz einfach: Basel ist deshalb so weit hinten, weil der Shaqiri-Effekt verpufft ist. Seien wir doch ehrlich: Xherdan hat den FCB letzte Saison im Alleingang zum Titel geführt. Auch weil es Trainer Fabio Celestini verstanden hat, Shaqiri zum Funktionieren zu bringen. Doch Celestini ist weg und Ludovic Magnin war als ehemaliger Nati-Kollege etwas zu nahe bei Shaq. An Stephan Lichtsteiner soll man unbedingt festhalten, auch wenn es in meinen Augen ein Fehler war, von einem Erstligisten direkt zum FCB zu wechseln. Da hat Steph eine Stufe übersprungen, was nur dann gut geht, wenn man in ein bestens funktionierendes Team wechselt. Das ist beim FCB derzeit nicht der Fall. Allerdings: Wenn man einen Klub wie einen Durchlauferhitzer hält, wie David Degen und das Kader jedes halbe Jahr ein anderes Gesicht hat, so ist Erfolg keinesfalls eine zwingende Folge, sondern ein Produkt der Laune des Moments.»

«Der FCZ hat mit dem Malenovic-Missverständnis zwei Jahre verloren»

Und der FCZ? «Auch das ist ganz einfach: Die haben mit dem Malenovic-Missverständnis zwei Jahre verloren. Wer dann in solch einem Casino versinkt, wie man auf Italienisch sagt, also Chaos, und dazu noch auf Junioren setzen will, der darf sich über Misserfolg nicht wundern. Nun gilt es, an Coach Dennis Hediger festzuhalten, der ein Typ ist. Mit Alessandro Mangiarratti hat er einen fähigen Technischen Direktor zur Seite. Zusammen können sie das FCZ-Schiffchen wieder auf Kurs bringen und es mit einem Kader versehen, das nicht wie ein saisonaler gemischter Salat daherkommt, sondern wie ein Ergebnis einer Strategie.»

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
25
29
58
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
26
19
47
3
FC Lugano
FC Lugano
26
12
46
4
FC Sion
FC Sion
26
9
40
5
FC Basel
FC Basel
26
5
40
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
26
0
36
7
FC Luzern
FC Luzern
26
3
33
8
FC Zürich
FC Zürich
26
-11
31
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
26
-3
30
10
Servette FC
Servette FC
26
-7
28
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
26
-13
21
12
FC Winterthur
FC Winterthur
25
-43
14
Meisterschaftsrunde
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