Darum gehts
- FC Thun bleibt mit Sportchef Albrecht bodenständig und setzt auf Teamgeist
- Lugano: Saisonstart verschlechtert Pelzer-Bilanz, trotzdem Ruhe bewahrt
- Stucki bei Basel erlebt Absturz im Vergleich zur Vorsaison
Thun, Dominik Albrecht, Note 5
Der Sportchef setzt das Thuner Credo um, ohne übermütig zu werden: Lieber ein schmales Kader, das zusammengeschweisst ist, anstatt durch zusätzliche Transfers für Aufsehen zu sorgen. Albrecht erledigt genau das, was er ankündigt: Er sprach vor Weihnachten von einer neuen Nummer zwei mit mittelfristigen Ambitionen auf den Stammplatz und potenziell einem neuen Stürmer, falls ein bestehender gehen sollte. Exakt erfüllt mit Goalie Tim Spycher und Stürmer Furkan Dursun für den abgewanderten Layton Stewart. Die wahre Prüfung für Albrecht folgt im kommenden Sommer, wenn die Spieler noch mehr im Schaufenster stehen werden.
St. Gallen, Roger Stilz, Note 4
Nach der letzten Saison gabs für Roger Stilz zurecht aufs Dach, weil man die Top 6 verpasste, sich im Cup blamierte und kaum auf Junge setzte. Nun hats der FCSG-Sportchef seinen Kritikern gezeigt. Platz 2 in der Liga, beste Chancen auf den Cupfinal und in der Youth-Trophy vorne dabei. Dass Stilz mit Enrico Maassen auf einen ausgewiesenen Fachmann und Ausbildner vertraut, spricht ebenfalls für den Sportchef. Dank den Verpflichtungen des deutschen Trios Boukhalfa/Daschner/Gaal wurde das Rudel um Leitwolf Lukas Görtler klug ergänzt. Auch Aliou Baldé ist ein Gewinn. Mit Alessandro Vogt haben die Espen den Shootingstar der Saison ausgegraben – doch der 21-Jährige kostet Stilz auch die Note 5. Denn man muss Vogt im Sommer für die fixe Ablöse von 2,5 Millionen Franken ziehen lassen, was viel zu günstig ist.
Lugano, Sebastian Pelzer, Note 4
Der katastrophale Saisonstart schlägt schwer auf die Bewertung von Pelzers Arbeit durch. Innerhalb weniger Wochen hat Lugano alle gesetzten Saisonziele aus den Augen verloren. Dennoch hat er nie die Ruhe verloren – ebenso wenig wie sein Vertrauen in Trainer Mattia Croci-Torti (42). Das spricht für den Deutschen, der stets wie ein Ruhepol wirkt. Im Laufe der Zeit haben sich die getätigten Transfers mehr oder weniger bewährt, insbesondere Kevin Behrens.
Basel, Daniel Stucki, Note 2
Kaum einer der teilweise kostspieligen Sommer-Neuzugänge hat richtig gezündet. 2,5-Millionen-Stürmer Broschinski? Ein Ligator. Mittelfeldstratege Koindredi? Die personifizierte Schlaftablette. Und beim schwedischen Juwel Agbonifo war sogar ein Leihabbruch Thema. Im Winter hätte Stucki seine Fehler korrigieren müssen. Doch nach der vergeblichen Suche nach einem Stürmer schaute am Ende nicht viel mehr heraus als die Deadline-Day-Verpflichtung von Becir Omeragic. Den Trainer hat der FCB-Sportchef auch schon ausgetauscht. Die Bilanz seither: Sechs Spiele, vier Pleiten, Out im Cup und in der Europa League. Vor einem Jahr bekam Stucki noch die Note 6 – der Absturz der Saison.
Sion, Barthélémy Constantin, Note 5
Im Sommer halten die Constantins trotz der schlechten Rückrunde an Trainer Tholot fest. Ein weiser Entscheid. CC junior dreht an den richtigen Stellschrauben. Mit Racioppi kommt ein Topgoalie für den labilen Fayulu. Mit Nivokazi frisches Blut für Sorgic und mit Boteli ein talentierter Backup. Mit Rrudhani und Lukembila Mittelfeld-Optionen. Mit Hajrizi ein Siderser (!) Innenverteidiger für Diouf. Sion überwintert in den Top 6 – und Constantin legt Supertalent Surdez nach, der aber noch nicht voll fit ist.
YB, Christoph Spycher/Mathieu Beda, Note 2
Mit Beda holt Mitbesitzer Spycher einen neuen Transferchef. Viele Spieler müssen gehen: Von Ballmoos, Camara, Blum, Elia, Rrudhani, Persson, Husic, Lakomy, Imeri. Für Athekame, Ugrinic, Niasse und Itten gibts 20 Millionen. Es kommen unter anderem Fernandes, Andrews, Gigovic, Cordova, Wüthrich, Lindner, Pech und Gamechanger Sanches. «Transfersieger», schreibt Blick – und täuscht sich. Das letzte seltsame Kapitel schreibt YB am Deadline Day: Mit Bedia und Fassnacht hat man die erfolgreichsten Stürmer, gleichzeitig aber die zweitschlechteste Abwehr der Liga. Und was unternimmt man, anstatt einen Innenverteidiger zu holen? Genau, man kauft einen Stürmer. Auch der Coach wird erneut gewechselt. Doch nach dem Wechsel von Contini zu Seoane wird es noch schlechter.
Luzern, Remo Meyer, Note 3
Trotz schwächster Hinrunde unter Mario Frick (51) hält Sportchef Remo Meyer (45) zu ihm. Das zahlt sich aus und spricht für das Vertrauen in den Trainer. Gleichzeitig werfen die vergangenen Monate einige Fragezeichen auf. Als Stankovic-Nachfolger verpflichtete man Abe, einen Japaner mit Potenzial – der zuvor allerdings nur in der zweithöchsten Liga seines Heimatlandes gespielt hatte. Und im Winter wurde kein weiterer Transfer getätigt, obwohl die Mannschaft, insbesondere auf der Acht, von einem erfahrenen Führungsspieler gut hätte profitieren können. Es wirkt, als wäre in dieser Saison mit etwas mehr Aufwand mehr dringelegen.
Lausanne, Stéphane Henchoz, Note 4
Lausanne-Sport wurde von seinen Fans oft kritisiert, nicht genug Geld auszugeben. Doch in diesem Winter hat Sportdirektor Stéphane Henchoz Geld ausgegeben. Der spanische Stürmer Omar Janneh (19) kam für zwei Millionen Franken von Atletico Madrid, hat bereits vier Tore erzielt. Eine nicht unerhebliche Summe wurde für Theo Bergvall ausgegeben – und der 21-jährige schwedischen Rechtsverteidiger wird vielversprechend. Einziger Wermutstropfen: Der Abgang von Bryan Okoh wurde – abgesehen von der Leih-Rückkehr von Dircssi Ngonzo – nicht kompensiert.
FCZ, Ancillo Canepa/Dino Lamberti, Note 3
Wen gilt es eigentlich zu bewerten? Milos Malenovic, der den Klub zurückgeworfen statt weiterentwickelt hat. Dino Lamberti, der mittels Mandat für die Wintertransfers verantwortlich ist oder Präsident Ancillo Canepa, der die Gesamtverantwortung trägt? Positiv ist sicher die Verpflichtung von Philippe Kény im Sommer, die auf Malenovics Konto geht. Lamberti hatte derweil vor allem ein Ziel: Millionenerlöse. Erfüllt. Mit drei Ü30-Verstärkungen hat man Erfahrung eingekauft, doch auch Qualität? Wird sich zeigen. Nach mehreren eigens initialisierten Umbrüchen, einem erneuten Trainerwechsel, viel Chaos im Herbst und einem sportlichen Abwärtstrend bleib eine Konstante: Der FCZ hinkt allen Erwartungen hinterher.
Servette, Sportkommission, Note 2
Stand jetzt ist die Verpflichtung von Innenverteidiger Marco Burch in diesem Winter noch nicht der erhoffte Erfolg, Houboulang Mendes konnte nicht nachweisen, dass er im Vergleich zu Theo Magnin einen Mehrwert darstellt. Positiv: Keyan Varela und seine Probleme neben dem Platz wurden aussortiert. Ob Last-Minute-Transfer Junior Kadila aus der zweiten holländischen Liga ein guter Griff ist, um Dereck Kutesa endlich zu ersetzen, wird nur die Zeit zeigen. Alexis Antunes und Anthony Baron sind derweil ebenfalls gegangen – Servette wirkt am 15. Februar nicht stärker als noch am 15. Dezember.
GC, Alain Sutter, Note 5
Die US-Besitzer aus Los Angeles haben doch noch das Portemonnaie ein wenig geöffnet. Und der GC-Sportchef hat geliefert. Mit den Verpflichtungen von Sven Köhler, Mouhamed Ngom, Luka Mikulic, Michi Frey, Emmanuel Tsimba und Ismajl Beka dürfen sich die Hoppers als Transfersieger der am Montag zu Ende gegangenen Transferperiode feiern lassen. Mit Ausnahme von Beka, der bei seinem Debüt gleich vom Platz flog, sind alle Spieler klare Verstärkungen. Einzig für den Abgang von Stürmer Nikolas Muci gibts klare Minuspunkte für Alain Sutter. Nun ist es an Trainer Gerald Scheiblehner, mit dem aufgerüsteten Kader die nötigen Punkte im Kampf gegen den Abstieg zu holen.
Winterthur, Oliver Kaiser, Note 3
Zehn Spieler hat Kaiser in dieser Saison geholt, einzig Théo Golliard und Andrin Hunziker sind bis jetzt wirkliche Verstärkungen. Marvin Martins (vereinslos) und Brian Beyer (Vaduz) sind schon wieder Geschichte. Mit Mirlind Kryeziu wurde zwar ein Winnertyp geholt, aber der Innenverteidiger braucht aufgrund mangelnder Spielpraxis seine Zeit. In der Offensive hat der FCW durchaus Qualität, hinten hingegen nicht ganz dicht. 67 Gegentore in 24 Spielen. Und das, obwohl Goalie Stefanos Kapino einer der besten Spieler der Saison ist. Mit ihm hat Kaiser noch vor der Saison vorzeitig verlängert. Eine der wenigen Entscheidungen, die man dem Sportchef zugutehalten kann – und dass er von der Chefetage trotz Millionenerlösen im Sommer nur ein mickriges Budget zur Verfügung hat.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 25 | 29 | 58 | |
2 | FC St. Gallen | 24 | 15 | 43 | |
3 | FC Lugano | 25 | 11 | 43 | |
4 | FC Basel | 25 | 7 | 40 | |
5 | FC Sion | 25 | 7 | 37 | |
6 | BSC Young Boys | 25 | 2 | 36 | |
7 | FC Luzern | 25 | 1 | 30 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 25 | -2 | 30 | |
9 | FC Zürich | 25 | -12 | 28 | |
10 | Servette FC | 25 | -7 | 27 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 25 | -12 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 24 | -39 | 14 |












