Darum gehts
- YB verliert 1:3 in Sion und enttäuscht auf ganzer Linie
- YB kassiert durchschnittlich zwei Tore pro Spiel, Defensive instabil
- Trainer Seoane: Punkteschnitt von 1,2 ist drittschlechtester Wert seit 2003
1:3 in Sion. Statt 1:5 oder so. YB ist den Wallisern, einem früheren Prügelknaben, den man nach Belieben dominierte, in allen Belangen unterlegen. Dies im Bewusstsein, ganz dringend Punkte machen zu müssen, soll es noch etwas werden mit dem minimalsten aller Minimalziele, dem Erreichen eines europäischen Platzes.
Dieses ist bald nur noch dann einigermassen realistisch, sollte St. Gallen Cupsieger werden. Die stolzen Berner als Espen-Fans. Welch tiefer Fall! Doch nichts ist unmöglich in dieser Saison, wenn man eine Leistung wie eine Bankrotterklärung abliefert.
Selbstkontrolle bis zum Exzess
Danach sucht man händeringend nach Antworten. Und findet keine. Goalie Marvin Keller, der Eloquente, der immer hinsteht, weiss auch nicht mehr, was er sagen soll, weil es immer dasselbe ist. So ehrlich ist er.
Trainer Gerardo Seoane seinerseits versteckt sich hinter technisch-taktischen Erklärungen, warum der eine oder andere Spielzug der Walliser besser aufging als die von ihm ausgeheckten. Anstatt einmal hinzustehen, Emotionen zu zeigen und zu sagen: Das war jetzt Scheisse von A bis Z!
Gut, er muss nicht unbedingt so direkt reden. Aber mal Klartext. In Sachen Energie, Commitment, Engagement und Einstellung alles schönzureden, hilft nicht. Kontrolle und Selbstkontrolle bis zum Exzess. Doch Fussball ist ein Sport der Emotionen.
YB kassiert im Schnitt zwei Tore pro Match
Auf dem Platz zeigt der «Transfersieger» – und ja, auch Blick hat YB im Sommer nach dem Sanches-Coup zu diesem gemacht – wieder mal eindrücklich, wie man aus ganz viel Geld ganz wenig herausholen kann. Diesmal versagt nicht nur wie üblich die Defensive, sondern auch die Offensive, auf die sonst Verlass ist. Was irgendwie bezeichnend ist.
YB hat die beiden besten Torschützen der Liga in seinen Reihen und den zweitbesten Sturm. Doch im Walliser Frühlingserwachen ist auch der Sturm ein laues Lüftchen. Und wenn dieser nicht zwei bis drei Tore pro Spiel produziert, holt YB nichts. Denn nun hat Gelbschwarz pro Spiel genau zwei Tore im Schnitt kassiert. Das sind fünf (!) mehr als der designierte Barragist GC. Wahnsinn!
Rien ne va plus in der Defensive
Hinten läuft ja schon länger nichts. Doch auch die neuen Aussenverteidiger sind nicht besser als die alten. Gregory Wüthrich und Loris Benito demonstrieren eindrücklich, dass sie in dieser Saison nicht auf der Höhe der Aufgabe sind. Und zeigen auf, warum YB verzweifelt im Ausland einen Innenverteidiger suchte. Aber keinen fand. Auch das bezeichnend.
Natürlich, man wollte nicht irgendeinen nehmen, nur um das Kader breiter aufzustellen. «Wir wollten uns nicht treiben lassen», sagt Chief Sports Christoph Spycher. «Wir haben ein Profil gesucht, das uns langfristig weiterbringt, die Qualität anhebt. Es bringt nichts, sieben Spieler auf einer Position zu haben. Aber man kann, gerade im Wintertransferfenster, nicht alles umsetzen, was man im Kopf hat.» Stimmt. Aber es muss zu denken geben, dass das nicht gelungen ist. YB hat international an Strahlkraft eingebüsst. Und mit den vielen Trainerwechseln auch an Glaub- und Vertrauenswürdigkeit.
Seoanes Punkteschnitt ist der drittschlechteste aller (Super-League-)Zeiten
So holt man, weil sich die Gelegenheit bietet, Samuel Essende. Klar, es ist der (teure) Ersatz von Missverständnis Sergio Cordova. Aber den Franko-Kongolesen gleich in der Woche, in der er den Vertrag in Bern unterschreibt, in die Startelf zu stellen, war dann doch auch ein Missverständnis. Mit dem man dem Wolf einen Bärendienst erwiesen hat. Essende startet bereits mit einem Handicap in sein Berner Abenteuer. Weshalb Seoane dies getan hat, anstatt Chris Bedia, den zweitbesten Schützen der Liga, starten zu lassen, ist sein Geheimnis. Ein Fehler, der bestens ins Bild passt.
Und das Fatale an der Situation: Seoanes Glaubwürdigkeit sinkt mit jeder weiteren Niederlage. Nur schon die Zahlen sind unfassbar: Der Luzerner hat jetzt einen Punkteschnitt von 1,2. In der Super-League-Geschichte (seit 2003) waren nur Patrick Rahmen mit dem Allzeittief von 0,67 Zählern schlechter, und Interimscoach Bernard Challandes in der einzigen Saison, in welcher die Berner Siebte wurden und das europäische Geschäft verpassten: 1,1. Selbst David Wagner, Uli Forte, Hans-Peter Zaugg, Gernot Rohr, Christian Gross oder Martin Rueda waren teils deutlich besser. Mit dem Seoane-Punkteschnitt über die ganze Saison läge YB auf dem viertletzten Platz, hauchdünn vor Servette.
Geht es weiter ungebremst nach unten, könnte eines baldigen Tages die Diskussion nötig werden, die YB derzeit als infam und Gotteslästerung weit von sich schiebt: jene um die Personalie Seoane.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 25 | 29 | 58 | |
2 | FC St. Gallen | 26 | 19 | 47 | |
3 | FC Lugano | 26 | 12 | 46 | |
4 | FC Sion | 26 | 9 | 40 | |
5 | FC Basel | 26 | 5 | 40 | |
6 | BSC Young Boys | 26 | 0 | 36 | |
7 | FC Luzern | 26 | 3 | 33 | |
8 | FC Zürich | 26 | -11 | 31 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 26 | -3 | 30 | |
10 | Servette FC | 26 | -7 | 28 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 26 | -13 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 25 | -43 | 14 |

