Darum gehts
- Der FC Zürich gibt endlich zu, dass er gegen den Abstieg spielt
- Der Klub steht derzeit nur noch mit einem Rumpfteam da
- Nur 0,86 Punkte pro Spiel unter Hediger, sieben Spiele ohne Sieg
Wie sich doch die Sicht auf die Welt innerhalb weniger Tage verändern kann. Nach dem 3:4 gegen den FC Basel am 25. Januar reagierte Dennis Hediger (39) noch allergisch auf die Frage von Blick, ob die Saisonziele nicht dringend nach unten geschraubt werden müssten.
«Das wäre völlig falsch in einem grossen Verein mit Spielern, die Ambitionen haben», tönte der Trainer des FC Zürich: «Man sollte sich nicht kleiner machen, als man ist.»
Die Worte sind nicht besonders gut gealtert. Das Problem der Zürcher war schon damals nicht, dass sie sich zu klein gemacht hätten. Sondern, dass sie sich und ihre Leistungen jeweils viel besser gesehen haben, als sie tatsächlich waren.
Die FCZ-Bilanz seit dem 6. Dezember ist alarmierend
Am 6. Dezember hat der FCZ seinen letzten Sieg in der Super League gefeiert. Bei einem 2:1 in St. Gallen. Seither hat er in sieben Spielen noch zwei mickrige Pünktchen gesammelt. So wenige wie kein anderes Team in dieser Liga.
Dass das alarmierend ist, hat inzwischen auch Hediger eingesehen. «Selbstverständlich schauen wir nach hinten. Alles andere wäre naiv», hat er am letzten Sonntag mit Blick auf die Tabelle festgestellt. Und gleich noch zugegeben, dass die vielen Niederlagen nicht einfach Pech sind: «Dass wir oft in den letzten Minuten Punkte verspielt haben, ist bitter. Aber es zeigt auch die Realität, in der wir sind. Wir können vielleicht nicht ganz die Power reinbringen, die uns den Sieg bringt.»
Die Entwicklung hat mit Milos Malenovic begonnen
Hediger könnte auch sagen, dass die derzeitige Krise die logische Konsequenz einer Entwicklung ist, die vor zweieinhalb Jahren mit der Ernennung von Milos Malenovic (41) zum Sportchef begonnen hat. Zwei Monate nachdem Malenovic vom Hof gejagt worden ist, steht der FCZ mit einem Rumpfteam da, das nur noch ein Ziel haben kann: den Klassenerhalt.
Immerhin haben die Zürcher nun also die erste und wichtigste Stufe im Abstiegskampf genommen: Sie akzeptieren, dass sie tatsächlich Gefahr laufen, auf einen der beiden letzten Plätze der Liga abzurutschen.
Entsprechend wissen sie auch, dass sie vor Tagen der Wahrheit stehen. «Entscheidende Wochen», nennt es Hediger. Die nächsten drei Gegner? Das Tabellenschlusslicht Winterthur, die auf Rang zehn abgerutschten Luzerner. Und zum Abschluss kommt das Derby gegen die Grasshoppers, die unbedingt den Barrage-Platz verlassen wollen.
Die verlockende Aussicht: Mit drei Siegen könnte sich der FCZ schon fast aller Sorge entledigen. Aber die Zürcher tun gut daran, das Träumen zu unterlassen. Und Jungtrainer Hediger muss beweisen, dass er eine Mannschaft stabilisieren kann, die in einer schweren Krise steckt.
Dazu gehört vermutlich auch, das eigene Trainer-Ego zurückzustellen und das Team einen möglichst einfachen Fussball in einer Aufstellung spielen zu lassen, die die Spieler seit ihrer Juniorenzeit kennen. In Basel jedenfalls war augenfällig, wie viel stabiler die Zürcher Abwehr mit einer Viererkette wirkte. Mit Dreierkette hatte der FCZ zuvor in zwei Spielen sieben Tore zugelassen.
Hediger gibt sich zwar weiterhin kämpferisch, wenn er sagt: «Das Wichtigste ist, dass wir unseren Weg konsequent weitergehen. Dann werden wir nach der Saison zurückschauen und sagen: Wir haben etwas Gutes erreicht, weil wir uns treu geblieben sind.»
Alle Hoffnungen ruhen auf dem neuen Abwehrchef
Aber auch er wird wissen: Misslingen die kommenden drei Spiele, dann steht Sportchef Alessandro Mangiarratti (47) kurz nach seinem Amtsantritt ein erstes Mal vor einer schwierigen Entscheidung. 0,86 Punkte holt der FCZ unter Hediger bislang im Schnitt pro Spiel. Das reicht im Normalfall nicht, um die Saison als Cheftrainer in der Super League zu beenden. Selbst wenn der Klub bereits einmal den Trainer gewechselt hat.
Hoffnung macht Zürich, dass der neue Abwehrchef Alexander Hack (32) gegen Winterthur sein Debüt geben dürfte. Mit etwas Glück ist der Deutsche ja genau der Spieler, an dem sich seine Nebenleute aufrichten können. Nötig hätte es der FCZ ganz dringend.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 23 | 24 | 52 | |
2 | FC Lugano | 23 | 11 | 41 | |
3 | FC St. Gallen | 22 | 14 | 39 | |
4 | FC Basel | 23 | 9 | 39 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 23 | -2 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 23 | 2 | 29 | |
8 | FC Luzern 4:3 | 24 | -2 | 27 | |
9 | Servette FC | 23 | -7 | 25 | |
10 | FC Zürich | 23 | -12 | 25 | |
11 | Grasshopper Club Zürich 3:4 | 24 | -12 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 22 | -31 | 14 |

