Insider schlägt Nati-Alarm
«Wenn wir nichts ändern, sind wir morgen Italien!»

Junge Schweizer erhalten in der Super League immer weniger Einsatzzeit. Das Schicksal von Italien, das zum dritten Mal eine WM verpasst hat, müsste den Schweizer Fussball aufschrecken.
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2:1 gegen Estland, 1:0 gegen die Färöer, 1:2 gegen Luxemburg: Die Schweizer U21-Nati hat derzeit enorme Mühe gegen sehr kleine Nationen.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

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Florian RazReporter Fussball

Es waren die ganz grossen Emotionen. Natürlich. Nationaltrainer Gennaro Gattuso (48) in Tränen. Auf dem Feld die geknickten Spieler mit ihren wunderbar azurblauen Trikots. Italien hat die WM verpasst. Zum dritten Mal in Folge. Ein Debakel, das in der Schweiz mit einer Mischung aus Mitleid und wohligem Schaudern beobachtet worden ist.

Aber die Bilder der traurigen Italiener müssen mehr sein für den Schweizer Männerfussball. Ein Weckruf, der vielleicht gerade noch rechtzeitig kommt. «Wenn wir heute nichts ändern, sind wir morgen Italien», warnt Laurent Prince (55).

Einsatzminuten auf historischem Tiefpunkt

Prince war Technischer Direktor des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), er war Nachwuchs-Chef des FC Luzern. Heute ist er Verwaltungsrat des FCL, der konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzt. Und er sieht mit grosser Sorge, dass die Klubs der Super League immer weniger einheimische Talente einsetzen.

Blick hat die Einsatzminuten der letzten zehn Jahre verglichen und festgestellt: Nie gab es in der höchsten Schweizer Liga weniger Minuten für Spieler, die für die Schweizer U21 auflaufen dürften. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer seit Jahren nach unten zeigenden Entwicklung.

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Schon 2024 hat eine Studie für den SFV festgestellt, dass die Schweiz im Nachwuchsbereich von anderen, vergleichbaren Fussballnationen gnadenlos abgehängt wird. Kroatien, Österreich, Belgien, Dänemark: Alle bilden mehr Profis und absolute Top-Profis aus.

Besonders erschreckend: Nirgends kommen die einheimischen Talente später zu ihren Einsatzminuten im Erwachsenenfussball als in der Schweiz. Das wird irgendwann zum ernsthaften Problem. «Es braucht entweder eine gemeinsame Strategie», sagt Prince, «oder man muss sich mittel- bis langfristig von einer starken Nati verabschieden.»

Es wäre fatal für den Fussball im ganzen Land. Weil ein starkes Männer-Nationalteam Geld generiert, das weiter fliesst: in den Kinderfussball, die Schiedsrichterausbildung, den Frauenfussball. Nicht zuletzt steigert eine gute Nati den Marktwert der Spieler. Und sorgt damit bei den Profiklubs für Transfereinnahmen.

Der Reformbedarf ist also längst erkannt. Bloss bei der Umsetzung harzt es seit Jahren. Ende März hat die Swiss Football League (SFL) verkündet, sie habe «ein Massnahmenpaket für die Challenge League verabschiedet». Was gross klingt, wird innerhalb der Branche bloss «Reförmchen» genannt.

Wichtigstes Instrument soll ein finanzielles Bonus-Malus-System für den Einsatz von Schweizer U21-Spielern sein. Das kann für einen Verein in der Challenge League einen Anreiz darstellen. Prince anerkennt die Bemühungen, merkt aber an: «Wenn wir über einen grossen Wurf reden, dann muss er in der Super League kommen.»

Er verweist wieder auf Italien, wo kaum noch junge Italiener in der Serie A spielen: «Wenn die grossen Talente nur in der zweit- oder dritthöchsten Liga spielen, reicht das nicht.»

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Knackpunkt sind also die Vereine der Super League. Und dort hat sich das Geschäftsmodell in den letzten Jahren stark verändert. Unter dem Einfluss des internationalen Markts werden zwar weiterhin junge Spieler ausgebildet. Aber diese Talente stammen nicht zwingend aus der Schweiz.

Zufall oder nicht: Mit Lugano, Lausanne und Yverdon haben alle drei Klubs, die am wenigsten junge Schweizer einsetzen, ausländische Besitzer. Aber auch sonst gilt bei vielen Vereinen: Die Einsatzminuten werden an erfahrene Spieler vergeben. Oder an solche, die den schnellen Gewinn versprechen.

In Zürich wurde der Italiener Wilfried Gnonto ausgebildet. Basel machte schöne Gewinne mit dem Franzosen Thierno Barry, dem Ghanaer Jonas Adjetey oder dem Portugiesen Renato Veiga. In Bern steht dem eigenen Talent Olivier Mambwa (17) der junge Serbe Stefan Bukinac (20) vor der Sonne. In St. Gallen holte man im Winter den Deutschen Colin Kleine-Bekel (23). Und macht den Appenzeller Cyrill May (19) vom Stammspieler zum Bankdrücker.

Wollen die Profiklubs überhaupt noch Schweizer ausbilden?

Stellt sich die Frage: Sind sich die Profiklubs überhaupt noch darin einig, dass in der Super League einheimische Talente gefördert werden sollen? «Grundsätzlich ja», sagt Claudius Schäfer (54), der CEO der Swiss Football League. Aber schon das Wort «grundsätzlich» zeigt: Es ist kompliziert.

Schäfer redet vom «Spannungsfeld zwischen sportlichem Erfolg – auch europäisch – , wirtschaftlichem Druck und Fokus auf die Ausbildung von heimischen Spielern». Und er stellt einen «Zielkonflikt» fest: «Der Konsens ist vorhanden – die Umsetzung ist jedoch anspruchsvoll.»

Wie anspruchsvoll? Das zeigt sich, wenn Entscheidungsträger im Vertrauen reden. Da kommt etwa die Frage auf, ob nicht demnächst erste Klubs ihr Nachwuchs-Zentrum einsparen, weil die Super League zur reinen Drehscheibe für internationale Transfers wird. Es wird die grundsätzliche Ausbildungsqualität im Schweizer Nachwuchs angezweifelt.

Und es wird leicht zynisch die Frage gestellt, ob der Verband nicht lieber seine Unterstützungsgelder an den SC Freiburg schicken sollte anstatt an die Schweizer Vereine. In Freiburg sind die Schweizer Johan Manzambi (20) und Bruno Ogbus (20) vom Nachwuchs- zum Stammspieler in der Bundesliga gewachsen. Es ist klar: Die Stimmung ist angespannt.

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Peter Knäbel (59) hat 2025 in der Kampfwahl zum Präsidium des Schweizerischen Fussballverbands auf die Probleme im Nachwuchs hingewiesen. Heute sucht der SFV-Präsident nach Auswegen und gibt zu: «Es ist ein grundlegendes Thema, für das man nur Lösungen findet, wenn ein grosser Konsens vorhanden ist. Daran arbeiten wir noch.»

Bis es so weit ist, verweist er auf positive Beispiele wie Sion, das plötzlich auf junge Schweizer wie Liam Chipperfield (22), Winsley Boteli (20) oder Franck Surdez (23) setzt. Oder auf den FC Thun, der mit Michael Heule (24), Valmir Matoshi (22) oder Ethan Meichtry (20) Meister wird.

«Es kann niemand sagen, dass man mit Schweizer Spielern keinen Erfolg haben kann», sagt Knäbel. Und dann fordert er: «Schweizer Fussballer müssen in Europa ein Premium-Produkt bleiben. Dafür müssen alle gemeinsam und entschlossen kämpfen!»

Und was, wenn das nicht passiert? Italien zeigt es. Dort schrieb Roberto Baggio schon 2011 einen 900 Seiten langen Bericht über die Missstände im italienischen Fussball, insbesondere in der Nachwuchsförderung. Zwei Jahre darauf trat er frustriert aus dem Verband zurück und stellte fest: «Es ist nie etwas passiert, und es wird nie etwas passieren.»

13 Jahre später erlebt die Squadra Azzurra die WM am Bildschirm – zum dritten Mal in Serie. Es muss für die Schweiz ein Fingerzeig sein.

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WM-Quali Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
6
13
15
2
Slowakei
Slowakei
6
-2
12
3
Nordirland
Nordirland
6
1
9
4
Luxemburg
Luxemburg
6
-12
0
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
6
12
14
2
Kosovo
Kosovo
6
1
11
3
Slowenien
Slowenien
6
-5
4
4
Schweden
Schweden
6
-8
2
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schottland
Schottland
6
6
13
2
Dänemark
Dänemark
6
9
11
3
Griechenland
Griechenland
6
-2
7
4
Belarus
Belarus
6
-13
2
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
6
12
16
2
Ukraine
Ukraine
6
-1
10
3
Island
Island
6
2
7
4
Aserbaidschan
Aserbaidschan
6
-13
1
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
6
19
16
2
Türkei
Türkei
6
5
13
3
Georgien
Georgien
6
-8
3
4
Bulgarien
Bulgarien
6
-16
3
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
6
13
13
2
Irland
Irland
6
2
10
3
Ungarn
Ungarn
6
1
8
4
Armenien
Armenien
6
-16
3
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
8
23
20
2
Polen
Polen
8
7
17
3
Finnland
Finnland
8
-6
10
4
Malta
Malta
8
-15
5
5
Litauen
Litauen
8
-9
3
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Österreich
Österreich
8
18
19
2
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
8
10
17
3
Rumänien
Rumänien
8
9
13
4
Zypern
Zypern
8
0
8
5
San Marino
San Marino
8
-37
0
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Norwegen
Norwegen
8
32
24
2
Italien
Italien
8
9
18
3
Israel
Israel
8
-1
12
4
Estland
Estland
8
-13
4
5
Moldawien
Moldawien
8
-27
1
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
8
22
18
2
Wales
Wales
8
10
16
3
Nordmazedonien
Nordmazedonien
8
3
13
4
Kasachstan
Kasachstan
8
-4
8
5
Liechtenstein
Liechtenstein
8
-31
0
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
8
22
24
2
Albanien
Albanien
8
2
14
3
Serbien
Serbien
8
-1
13
4
Lettland
Lettland
8
-10
5
5
Andorra
Andorra
8
-13
1
Qualifiziert
Playoffs
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kroatien
Kroatien
8
22
22
2
Tschechien
Tschechien
8
10
16
3
Färöer
Färöer
8
2
12
4
Montenegro
Montenegro
8
-9
9
5
Gibraltar
Gibraltar
8
-25
0
Qualifiziert
Playoffs
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