Darum gehts
Es gibt sie. Junge Fussballer, denen ihr Ruf vorauseilt, bevor sie ihre ersten Schritte im Profifussball gemacht haben. Da wird dann in der Szene geraunt: Pass auf! Da ist einer, der hat alles, was es braucht. Aus dem wird mal was Grosses.
Ein paar von ihnen schaffen es tatsächlich. Solche wie Ivan Rakitic, Xherdan Shaqiri oder Yann Sommer. Andere verschwinden, noch ehe die breitere Öffentlichkeit etwas mitbekommen hat. Zu welcher Kategorie Arlet Junior Zé (20) gehören wird? Es ist noch nicht entschieden.
Mit 14 von GC zum FCB
Seit Jahren wird der rasante Flügelspieler als riesiges Talent gehandelt. Spätestens seit er mit 14 von den Grasshoppers zum FC Basel gewechselt ist. Der Vorname Arlet wird da schon kaum verwendet. «Junior ist am einfachsten, so hat man mich schon immer genannt», sagt er im Camp der Schweizer U21.
Zé kommt aus einer sportlichen Familie. Beide Schwestern sind Leichtathletinnen, der kleinere Bruder kickt im Nachwuchs der Grasshoppers. Es ist die Mutter, die die vier Kinder grosszieht. Und die loslassen muss, als Zé von GC nach Basel wechselt.
Erst pendelt der Teenager noch fast täglich mit dem Zug zwischen Basel und Zürich: «Aber das war sehr stressig.» Also zieht er als 15-Jähriger um, ins Wohnheim des FCB hinter dem St. Jakob-Park. Zé versucht, Fussball und Gymnasium unter einen Hut zu bringen: «Aber auf höchstem Niveau zu spielen und den Abschluss zu machen, ist schwierig.» Er wechselt zur Berufsmatur, die er im Sommer 2025 abschliesst.
Kurz darauf scheint es so, als ob Zé auch auf dem Rasen endlich durchstarten würde. Sein erstes Ligaspiel mit den FCB-Profis darf er zwar schon als 17-Jähriger erleben. Aber danach wird er von einem Zehenbruch zurückgeworfen. Eine scheinbar kleine Verletzung, die ihn aber über ein Jahr lang beschäftigt.
«Es ging gerade in die richtige Richtung, da kam dieser Rückschlag», erinnert sich Zé, «im Nachhinein kann man viel daraus lernen, es macht einen mental stärker. Aber im Moment selber ist es einfach blöd.»
Nach dem ersten Tor ging es wieder auf die Tribüne
Zwei Jahre dauert es darum zwischen seinem Debüt beim FCB und seinem ersten Tor im August 2025 gegen Sion. Es ist ein wunderbarer Treffer, erzielt mit einer Leichtigkeit, die für ebenso viel Talent wie Selbstvertrauen spricht. Ballannahme mit dem Oberschenkel, dann ein Volley via Lattenunterkante ins Netz. «Ja, das war nicht schlecht», sagt Zé mit einem Lächeln.
Das Problem: Danach geht es nicht mehr weiter. Vier Kurzeinsätze bekommt er noch in der Liga. Ansonsten sitzt er auf der Tribüne. Von dort sieht er, wie sich beim FCB viele andere Flügel versuchen dürfen. Die meisten in seinem Alter. Auch mit ihnen spielt der FCB eine höchst mässige Saison. Aber Zé bekommt keine Chance mehr.
Warum das so ist? «Es gab nicht den einen Punkt, weswegen ich nicht mehr gespielt habe», meint er selbst, «beim FCB musst du einfach immer auf dem höchsten Level performen, immer gut trainieren. Und wenn wichtige Spiele anstehen, muss der Trainer entscheiden, auf wen er setzt.»
Als klar scheint, dass der damalige FCB-Trainer Ludovic Magnin (46) nicht mehr auf ihn setzen wird, macht sich Zé Gedanken über seine Zukunft: «Ich bin in einem Alter, in dem es wichtig ist, dass ich gut ausgebildet werde und auf Spielminuten kommen kann.» Beides erhofft er sich in Dänemark, wohin er sich im Winter ausleihen lässt.
In Dänemark kann er sich nicht verstecken
Sein neuer Arbeitgeber Midtjylland hat sich einen Namen gemacht als Klub, der im Scouting stark auf Daten setzt und statistische Modelle nutzt, um seinen Spielstil festzulegen. Was Zé zu spüren bekommt. Schliesslich lässt Trainer Mike Tullberg (40) konsequente Manndeckung über das ganze Feld spielen. «Da gibt es keine Ausreden», sagt Zé, «wenn du deinen Mann laufen lässt, ist klar, dass du den Fehler begangen hast.»
Gespielt hat er in Dänemark erst einmal, für 22 Minuten. Sieben Ligaspiele noch, dann endet die Leihe. Ob Midtjylland die Kaufoption zieht, weiss Zé nicht: «Ich konzentriere mich ganz auf die aktuelle Saison.»
Und auf die Schweizer U21, mit der er die Chance auf eine EM-Teilnahme packen will. Schliesslich wäre so eine Endrunde auch ein guter Moment, um den Schritt vom sagenumwobenen Talent zum bestandenen Fussballer zu machen.
