Keller spricht über seinen Wechsel nach Fürth
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YB und FCZ waren interessiert:Keller spricht über seinen Wechsel nach Fürth

Mit zwölf zu Hause ausgezogen
Dieser U21-Natispieler hat noch nie in der Schweiz gekickt

Aaron Keller hat in Hongkong gespielt und ist mit zwölf allein nach Deutschland, weil er Profi werden wollte. Er hat drei Pässe, ist Stammspieler in der 2. Bundesliga – und will hoch hinaus.
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«Ich bin ja halber Schweizer im Herzen.» Aaron Keller hat einen Schweizer Vater und eine brasilianische Mutter.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Aaron Keller (21) spielt für die Schweizer U21-Nationalmannschaft
  • Mit 12 Jahren zog er alleine 9000 Kilometer nach Deutschland
  • Die deutsche U20 hat auch schon bei ihm angeklopft
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Florian RazReporter Fussball

Er hat noch nie in der Schweiz gelebt. Er hat noch nie für einen Schweizer Verein gespielt. Aber Aaron Keller (21) trägt das Trikot der Schweizer U21-Nati mit Stolz. «Ich bin ja halb Schweizer», sagt er, «also im Herzen.» Die andere Hälfte gehört Brasilien, dem Heimatland seiner Mutter. Und dann ist ja da noch Deutschland. Das Land, in dem Keller seit neun Jahren lebt und dessen Pass er darum auch besitzt.

Ja, da sitzt ein junger Mann mit einer speziellen Lebensgeschichte, die ihn einmal rund um den Erdball geführt hat. Und in der er als Zwölfjähriger ganz alleine 9000 Kilometer von seinen Eltern weggezogen ist.

Als Baby zieht er nach Hongkong

Geboren wird Keller in Zürich. Aber als er drei Monate jung ist, geht die Familie nach Hongkong, wo sein Vater eine Stelle als Technikingenieur bei einer Fluggesellschaft antritt. Zu Hause wird vor allem Portugiesisch geredet und ein wenig Schweizerdeutsch. In der internationalen Schule Englisch.

Keller versteht Schweizerdeutsch, redet selber aber Schriftdeutsch. Das liegt am nächsten Umzug, der sein Leben in neue Bahnen lenkt. Beim Hong Kong FC hat Keller als Kind mit Fussball begonnen. Aber er merkt schnell: Er will mehr, als in der chinesischen Sonderzone möglich ist. Viel mehr.

«Es war klar: Wenn ich Fussballprofi werden möchte, dann muss ich weggehen», erzählt er. Zu tief ist das Niveau der Hongkonger Vereine. Also schaut sich die Familie um. England, die Schweiz oder Deutschland? Am Ende fällt die Wahl auf ein deutsches Fussball-Internat, das schon von Spielern wie Karim Adeyemi (heute Dortmund) oder Flavius Daniliuc (Basel) besucht worden ist.

Keller zieht nach Bayern um. Alleine. Als Zwölfjähriger. 9000 Kilometer entfernt vom geliebten, brasilianischen Essen seiner Mutter, vom Vater und seiner Schwester. Und ohne die Sprache des neuen Landes zu beherrschen. War das nicht sehr hart? «Doch, schon», gibt Keller zu, «aber ich hatte ja mein Ziel vor Augen. Und es war halt einfach das, was ich machen musste, um meinen Traum zu verwirklichen.»

Sechs Jahre im Internat

Sechs Jahre lang lebt Keller im Internat. Lernt Deutsch. Macht mit 17 seine ersten, kleinen Schritte im Erwachsenenfussball bei Unterhaching. Weil sein Vater bei einer Fluggesellschaft arbeitet, kommt die Familie ihn wenigstens regelmässig besuchen. Und seit drei Jahren ist die Distanz auch nicht mehr so riesig: Eltern und Schwester leben wieder in der Schweiz.

Der Durchbruch gelingt Keller schliesslich als 19-Jähriger mit Unterhaching in der 3. Liga. Das ist der Moment, in dem der Schweizerische Fussballverband bei Keller Ernst macht. Etwa zur selben Zeit meldet sich auch die deutsche U20, hat aber das Nachsehen. Worauf Unterhachings Präsident Manfred Schwabl in der «Süddeutschen Zeitung» poltert: «Beim DFB schlafen sie.»

Keller sagt zu seiner Entscheidung für die Schweiz: «Es hat für mich einfach Sinn gemacht. Und ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich mich so entschieden habe.» Im ersten Spiel mit dem Schweizerkreuz auf der Brust gelingt ihm im März 2024 gegen Albanien gleich sein erstes Tor.

Auch die Hertha war interessiert

Keller wird danach erst für die Saison 2024/25 nach Ulm in die 2. Bundesliga ausgeliehen. In diesem Sommer schliesslich bezahlt Greuther Fürth rund 640’000 Franken, um ihn fix von Unterhaching zu übernehmen.

Es gibt auch noch andere Interessenten. Die Hertha aus Berlin erkundigt sich, zieht sich dann aber zurück, weil Keller in der Transferperiode eine Verletzung auskurieren muss: «Fürth hat mir trotz der Operation vollstes Vertrauen geschenkt. Darum war für mich klar, dass ich dorthin wechseln wollte.»

Fürth hat sich damit die Dienste eines feinen Technikers gesichert, der seinen Speed am liebsten am linken Flügel ausspielt: «Da fühle ich mich am wohlsten. Aber ich kann auch als Zehner, auf rechts oder ganz vorne spielen. Ich bin flexibel.»

Mit Heiko Vogel kommt die Wende

Keller sammelt in Fürth viele Einsatzminuten in der 2. Bundesliga, wo ein physisch extrem fordernder Fussball gespielt wird. Nur die Resultate stimmen nicht. Das Team gerät in akute Abstiegsgefahr, der Klub holt Heiko Vogel (50) als Trainer. Unter dem Ex-Basler gelingt nach der Winterpause die Wende.

Etwas, das auch die Schweizer U21 schaffen muss, will sie an die Europameisterschaft. Nach einem 0:0 gegen Island und einem 1:2 gegen Luxemburg sind die Schweizer in Rücklage. «Wir haben selbst den Anspruch, dass wir solche Spiele gewinnen», sucht Keller gar nicht erst nach Ausreden.

Für ihn ist es die letzte Chance, mit einem Nachwuchs-Nationalteam ein Turnier zu erreichen. Gespräche über ein Aufgebot für das A-Nationalteam gab es noch keine. Aber die dürften folgen, wenn Keller gelingt, was er sich vorgenommen hat: «Erst will ich zu einem Unterschiedsspieler in der 2. Bundesliga werden. Dann möchte ich in einer obersten Liga spielen. Und in der Champions League.»

Keine kleinen Ziele. Aber sein bisheriger Weg beweist: Aaron Keller weiss, wie man sie erreicht.

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