Es ist Ende Juli, als Alessandro Vogt (21) in einem Plausch-Kick gegen den Bezirksligisten TSV Massenbachhausen zum Pechvogel wird. Weil der Amateur-Goalie beim Stand von 0:19 einigermassen unmotiviert aus seinem Kasten kommt und den Hoffenheim-Stürmer am Knöchel erwischt. Drei Wochen lang fällt der Schweizer U21-Nati-Stürmer aus. Mitten in der Vorbereitung. Ein Horror-Start ins TSG-Abenteuer.
Hässig auf den Goalie war Vogt deswegen aber nicht. Und er wird es in diesem Leben auch nicht mehr werden. «Das ist Fussball, das kann passieren. Es ist unglücklich gelaufen, da war keine Absicht dabei», so der U21-Nati-Stürmer der Schweiz. Als gläubiger Mensch ist Vogt keiner, der nicht verzeihen kann. Und einer, der ans Schicksal glaubt: «Meine Geschichte ist schon geschrieben. Darum musste es so kommen, wie es gekommen ist.»
«So» heisst: Statt für Hoffenheim in der 1. Bundesliga kickt Vogt für Heidenheim in der 2. Weil er wegen seines lädierten Knöchels grosse Teile der Vorbereitung verpasst hat. Und weil der Wechsel von Fisnik Asllani (24) auf der Zielgeraden platzt. Der kosovarische Nationalspieler hätte für 25 Millionen zu Red Bull Leipzig wechseln sollen, flog aber durch den Medizincheck und ist aus diesem Grund noch immer im Kraichgau. Und weil die TSG mit Tim Lemperle (24), Adam Hlozek (24) und Max Moerstedt (20) drei weitere Mittelstürmer im Kader hat und auch Andrej Kramaric (35) und Bambasé Conté (23) im Zweimannsturm agieren können, ists für Vogt aktuell schwierig, überhaupt auf Einsatzminuten zu kommen. Dreifachbelastung hin oder her.
Vergleich mit der Super League
Das Vertrauen des Klubs spüre er gleichwohl, so Vogt: «Wir haben die Situation zusammen mit den Verantwortlichen angeschaut und offen darüber diskutiert. Dann sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass ein Leihwechsel wohl am meisten Sinn macht, weil ich Spielpraxis brauche.»
Die bekommt er in Heidenheim. Obwohl erst seit ein paar Tagen im Training, steht er letzten Sonntag beim Auswärtsspiel in Fürth bereits in der Startelf. Vor 12’000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Ronhof-Stadion. Eine Ambiance, die an die Super League erinnert. «Von der Stimmung her wars vergleichbar», sagt Vogt. In Sachen Intensität und Spieltempo aber sei das Niveau in Deutschland höher. 85 Minuten steht Vogt auf dem Feld, hat 15 Ballkontakte und schiesst zweimal aufs Tor.
«Mit Vogt gewinnen wir einen körperlich sehr präsenten und äusserst robusten Torjäger, dessen Entwicklung wir schon in seiner Zeit beim FC St. Gallen intensiv beobachtet haben. Er bringt eine enorme Abschlussqualität mit, von der wir als Mannschaft profitieren werden», sagt Heidenheims Boss Holger Sanwald. Coach Frank Schmidt bezeichnet seinen neuen Stürmer bereits kurz nach dessen Verpflichtung als «Startelfkandidaten» und lässt seiner Ankündigung gleich im ersten Spiel Taten folgen.
Drei Siege und eine Pokal-Blamage
Vogt selbst musste nicht zweimal überlegen, als der FCH bei ihm anklopft. Zumal der Trainer kurzerhand 182 Kilometer zurücklegt, um von Heidenheim nach Hoffenheim zu fahren. Ein Fakt, den Vogt noch immer nicht ganz fassen kann: «Dass Frank Schmidt mich persönlich bei mir zu Hause besucht und mich von einem Wechsel überzeugt hat, hat mich beeindruckt. Das zeigt das Vertrauen, das er in mich hat.» Das Leihgeschäft ist bis Ende Saison angelegt. Aktuell steht Heidenheim nach drei Siegen gegen Osnabrück (4:3), Dresden (5:3) und Greuther Fürth (1:0) auf Platz 3.
Zwar blamierte sich die Schmidt-Elf im Pokal gegen den SSV Jeddeloh II bis auf die Knochen, trotzdem spricht viel dafür, dass der Klub bis zum Ende um die Rückkehr in die Bundesliga kämpfen wird. Weil man am nordöstlichen Rand der Schwäbischen Alb selbst nach den peinlichsten Niederlagen nicht die Nerven verliert und weiter jenen Weg geht, den man seit fast zwei Jahrzehnten verfolgt. Seit dem 17. September 2007 ist Schmidt im Amt, er ist der mit Abstand dienstälteste Trainer im deutschen Profifussball. Er führte den Verein von der Oberliga bis in die Bundesliga und in den Europapokal.
Bereut er Deutschland-Wechsel?
Dort hätte auch Vogt gerne gespielt. Sowohl Hoffenheim als auch Ex-Klub St. Gallen haben sich zum Ende der letzten Saison fürs europäische Geschäft qualifiziert. Doch statt unter internationalem Scheinwerfer zu stehen, kickt Vogt am Sonntag zu Hause in der Voith-Arena vor 15'000 Zuschauerinnen und Zuschauern gegen Holstein Kiel.
Auf die Frage, ob er nicht doch noch ein weiteres Jahr in der Schweiz hätte kicken sollen und seinen Wechsel nach Deutschland mittlerweile bereue, antwortet Vogt: «Um das zu beantworten, ist es noch zu früh. Wenn meine Zeit in Hoffenheim zu Ende geht, dann können wir vielleicht noch einmal darüber reden.»
Bei der TSG hat er noch einen Vertrag bis Juni 2030. Auch das ein Zeichen dafür, dass man im Kraichgau längerfristig mit dem Stürmer plant.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | 1. FC Nürnberg | 5 | 9 | 13 | |
2 | Hertha BSC | 4 | 7 | 12 | |
3 | 1. FC Magdeburg | 5 | 2 | 9 | |
4 | 1. FC Heidenheim 1846 | 4 | 1 | 9 | |
5 | VfL Wolfsburg | 5 | 3 | 8 | |
6 | 1. FC Kaiserslautern | 5 | 1 | 8 | |
7 | VfL Bochum | 5 | 0 | 7 | |
8 | FC St. Pauli | 5 | 0 | 6 | |
9 | VfL 1899 Osnabrück | 4 | -1 | 6 | |
10 | SpVgg Greuther Fürth | 5 | -2 | 5 | |
11 | Karlsruher SC | 4 | -2 | 5 | |
12 | Eintracht Braunschweig | 5 | 0 | 4 | |
13 | Energie Cottbus | 4 | -2 | 4 | |
14 | Arminia Bielefeld | 5 | -2 | 4 | |
15 | Hannover 96 | 5 | -3 | 4 | |
16 | SV Darmstadt 98 | 5 | -4 | 4 | |
17 | SG Dynamo Dresden | 5 | -5 | 4 | |
18 | Holstein Kiel | 4 | -2 | 3 |