Freimann-Trio im Bruder-Test vor Cupspiel
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«Mit allen Mitteln kämpfen»:Freimann-Trio im Bruder-Test vor Cupspiel

Spezielles Cup-Duell bei Buochs – Luzern
Der älteste Freimann will seine jüngeren Brüder rauswerfen

Drei Brüder, zwei Teams, ein Cup-Duell. Bung Tsai Freimann trifft mit Buochs auf seine jüngeren Brüder Hua und Meng vom FC Luzern. Die Familie sitzt auf der Tribüne – und muss sich entscheiden, wem sie die Daumen drückt.
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Die Freimann-Brüder freuen sich auf das bevorstehende Cup-Duell.
Foto: BENJAMIN SOLAND
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Hinten der Flugplatz, vorne der Vierwaldstättersee – und mittendrin der Sportplatz Seefeld. Hier in Buochs wird es am Sonntag laut. Es steht ein richtiges Cup-Fest an. Der SC Buochs empfängt den FC Luzern. David gegen Goliath. Und mittendrin eine Familie, die gar nicht weiss, wem sie die Daumen drücken soll.

Denn auf dem Platz stehen sich drei Brüder gegenüber. Bung Tsai Freimann (24) trägt das Trikot des SC Buochs, seine jüngeren Brüder Bung Hua (22) und Bung Meng (20) laufen für den FCL auf. Blick trifft die drei Geschwister einige Tage vor dem grossen Duell. «Ich werde von Tag zu Tag ein bisschen nervöser», sagt Tsai. Kein Wunder. Ausgerechnet er, der älteste der drei Brüder, soll dafür sorgen, dass seine jüngeren Geschwister mit dem FCL aus dem Cup fliegen.

Cup-Fest im Dorf

An diesem Tag ist von Nervosität allerdings noch wenig zu spüren. Die drei wirken völlig locker. Sie lachen, necken sich und nehmen sich beim Fotoshooting gegenseitig auf die Schippe. Von Rivalität? Keine Spur.

Freimann-Trio im Bruder-Test vor Cupspiel
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«Mit allen Mitteln kämpfen»:Freimann-Trio im Bruder-Test vor Cupspiel

Die Vorfreude im Dorf auf dieses Spiel ist riesig. Am Sonntag wird nicht wie in diesen Tagen üblich die Badi nebenan proppenvoll sein, sondern der Sportplatz. Über 3500 Fans werden erwartet. Die FCL-Kurve reist per Schiff an, dazu haben die Organisatoren eine Zusatztribüne mit 190 Sitzplätzen aufgebaut.

Die Kinder wollen alle drei

Unter den Fans werden auch viele Kinder sein. Einige von ihnen kommen den Freimann-Brüdern am Tag des Blick-Interviews bereits ganz nah. Wenige Stunden zuvor haben Meng und Hua ein Training mit den Buochser Junioren geleitet. Gefolgt von einer Autogrammstunde. Trikots, Shirts, Schuhe – alles, was sich irgendwie unterschreiben lässt, wird den beiden FCL-Spielern hingehalten.

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Die Freimann-Brüder freuen sich auf das bevorstehende Cup-Duell.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Tsai steht derweil ein paar Meter weiter auf dem Platz. Er überlässt die Bühne gerne seinen bekannteren Brüdern. Doch lange dauert es nicht, bis die Kinder auch den Buochs-Spieler entdecken und sich um ihn herum eine Traube bildet. Ein Tisch ist nicht zur Hand, also wird kurzerhand ein Stuhl herangeschafft. Tsai setzt sich hin und unterschreibt geduldig, was ihm die Kinder hinhalten. Es sind Bilder, die zeigen, wie eng die Freimanns mit dem Fussball in Buochs verbunden sind.

Steckbrief: Bung Tsai Freimann

Mein Fussballidol: Früher Thiago Silva heute Virgil van Dijk
Mein meistgenutztes Emoji: 🫶
Mein Lieblingsessen: Die Frühlingsrollen, welche wir zusammen als Familie in der Küche unter der Leitung unserer Mutter zubereiten.
Das können meine Brüder besser als ich: Fussballspielen
Mein bisher schönster Fussballmoment: Das erste Spiel, welches wir gegeneinander gespielt haben. Hua und Meng in der U21 beim FCL ich beim SC Brühl.

Das sagt Bung Meng über Bung Tsai: Eine sehr reife Person und sehr erwachsen in den Sachen, die er macht. Als kleiner Bruder kann man sich viel von ihm abschauen.

Mein Fussballidol: Früher Thiago Silva heute Virgil van Dijk
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Das können meine Brüder besser als ich: Fussballspielen
Mein bisher schönster Fussballmoment: Das erste Spiel, welches wir gegeneinander gespielt haben. Hua und Meng in der U21 beim FCL ich beim SC Brühl.

Das sagt Bung Meng über Bung Tsai: Eine sehr reife Person und sehr erwachsen in den Sachen, die er macht. Als kleiner Bruder kann man sich viel von ihm abschauen.

Buochs glaubt an die Sensation

Die Hoffnung auf eine Überraschung ist beim Unterklassigen durchaus vorhanden. Schliesslich hat Buochs in diesem Wettbewerb schon für Sensationen gesorgt – 1999 gegen St. Gallen und 2014 gegen YB. Und auch gegen den FCL gab es bereits ein enges Cupspiel: Vor fünf Jahren trafen die beiden Teams ebenfalls aufeinander. Luzern setzte sich damals erst nach Verlängerung mit 2:1 durch.

«Diese Spiele haben wir natürlich im Hinterkopf. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es möglich ist, einen grossen Klub rauszukegeln», sagt Tsai während er von der kleinen Tribüne auf den trockenen Platz schaut. Zudem ist Buochs vor einer Woche mit einem Sieg gegen Schötz in die neue Saison der 1. Liga gestartet. «Das gibt uns Rückenwind.»

Alles beginnt mit dem grossen Bruder

Der FCL reist dagegen mit einigen Fragezeichen nach Nidwalden. Nur ein Punkt aus den ersten drei Super-League-Spielen, dazu zahlreiche Baustellen. «Auch wenn es vielleicht nur ein Prozent Hoffnung ist, klammern wir uns daran», sagt Tsai. «Wir wollen so lange wie möglich eine gute Figur machen und hoffen, dass sie einen schlechten und wir einen guten Tag erwischen.»

Dass es überhaupt zu diesem Brüder-Duell kommt, hat eine lange Geschichte – und liegt vor allem am Ältesten. Fussball spielte in der Familie Freimann zunächst keine grosse Rolle. Vater Christian ist Elektroplaner und Berufsschullehrer und war früher Tennisspieler, später entdeckte er den Langdistanz-Triathlon für sich. Mutter Tu Khanh, eine in Vietnam geborene Chinesin, ist medizinische Masseurin und spielte Landhockey. Heute sind beide als Jogger und Velofahrer aktiv.

«Als es darum ging, einen Sport auszuwählen, wollte ich tschutten», erinnert sich Tsai. Weil es in Ennetbürgen keinen Fussballklub gab, ging es ins benachbarte Buochs. «Das ist mit dem Velo drei bis fünf Minuten entfernt.» Die jüngeren Hua und Meng fanden Gefallen daran, was der grosse Bruder machte – und wollten ebenfalls Fussball spielen. Mit der Zeit entwickelten alle drei denselben Traum: irgendwann für den FC Luzern aufzulaufen.

Der Älteste geht seinen eigenen Weg

Aus dem Traum ist Realität geworden. Zumindest für zwei der drei Brüder. Einer hat sich bewusst für einen anderen Weg entschieden.

Wie Meng und Hua spielte auch Tsai im FCL-Nachwuchs. Irgendwann zeichnete sich jedoch ab, dass es für ihn nicht weitergeht. Nach der Sportmatura entschied er sich deshalb für ein Studium an der HSG. «Für mich war es völlig okay, diesen Weg zu gehen. Ich war gerne in der Bibliothek am Lernen und hatte nie das Gefühl, zu früh aufgehört zu haben.»

Fussball blieb trotzdem sein grosses Hobby. Während seiner Zeit in der Ostschweiz spielte er für den SC Brühl in der Promotion League. Seit dieser Saison ist Tsai zurück in der Zentralschweiz – beim Stammklub der Familie. Und nun wartet ausgerechnet dieses Spiel auf ihn.

Erstmals auf dem Seefeld

«Wir haben zwar schon einmal gegeneinander gespielt. Da war ich bei Brühl und sie in der U21 beim FCL. Trotzdem wird dieses Duell natürlich noch einmal spezieller.» Zumal es für alle drei auf diesem Platz eine Premiere ist. Als Junioren kickten die Brüder zwar beim SC Buochs, aber nie auf Platz 1, jener mit der kleinen Tribüne. Am Sonntag betreten sie den Rasen erstmals mit Fussballschuhen – und gleich als Gegner.

Die Familie wird diesen Moment von der Tribüne aus verfolgen. Hue-Lan, die älteste der vier Geschwister, kommt mit den Eltern und rund zehn weiteren Familienmitgliedern. Und niemand von ihnen dürfte wirklich wissen, wem sie die Daumen drücken.

Meng soll für Stabilität sorgen

Für Meng wird das Spiel gleichzeitig zur Saisonpremiere. Im zweitletzten Spiel der vergangenen Saison handelte er sich eine Sperre für vier Spiele ein und verpasste deshalb die ersten drei Partien. «Ich habe mich wirklich schwergetan beim Zuschauen», gesteht er. «Vor allem, weil wir nicht den erwünschten Start hatten.» Nun will er selbst mithelfen, die Wende einzuleiten.

Steckbrief: Bung Meng Freimann

Mein Fussballidol: Virgil van Dijk
Mein meistgenutztes Emoji: 🫶/ 😄
Mein Lieblingsessen: Die Frühlingsrollen von meiner Mutter.
Das können meine Brüder besser als ich: Unterstützen in schwierigen Situationen.
Mein bisher schönster Fussballmoment: Mein Debüt mit dem FCL gegen Yverdon. Und das erste Profitor welches ich in Lausanne nach einem Assist von Hua erzielt habe.

Das sagt Bung Hua über Bung Meng: Ein sehr intelligenter und lustiger Mensch.

Mein Fussballidol: Virgil van Dijk
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Das können meine Brüder besser als ich: Unterstützen in schwierigen Situationen.
Mein bisher schönster Fussballmoment: Mein Debüt mit dem FCL gegen Yverdon. Und das erste Profitor welches ich in Lausanne nach einem Assist von Hua erzielt habe.

Das sagt Bung Hua über Bung Meng: Ein sehr intelligenter und lustiger Mensch.

Seine Rückkehr in die Innenverteidigung kann dem FCL nur guttun. Zu anfällig präsentierte sich die Defensive in den ersten Partien. Mit Meng soll wieder Stabilität einkehren. Zu wichtig nimmt er sich aber nicht. «Nur weil ich letztes Jahr gespielt habe, heisst das nicht, dass ich automatisch spiele. Ich muss jeden Tag mein Bestes abrufen und den Trainer davon überzeugen, dass ich die richtige Wahl bin.»

Beide mussten sich in Geduld üben

Trainer Udo Portmann (49) wird aber kaum länger freiwillig auf ihn verzichten wollen. Er braucht die besten Spieler. Auch im Cup. Alles andere als ein Weiterkommen wäre eine Blamage, die sich niemand erlauben darf. «Wir müssen unsere Leistung auf den Platz bringen, das Spiel souverän gewinnen und unserer Favoritenrolle gerecht werden. Schluss und Punkt. Mehr gibt es nicht zu sagen», stellt Meng klar.

Während Meng «nur» vier Spiele verpasst hat, musste Hua fast ein Jahr lang zuschauen. Vor einem Jahr, zu Beginn seiner Leihe zum FC Wil, riss er sich die Achillessehne. Eine Verletzung, die seine Karriere entscheidend hätte ausbremsen können – zumal er sich beim FCL noch nicht etabliert hatte.

Vom Kraftraum zurück auf den Platz

«An ein Karriereende habe ich nicht gedacht. Aber es war schon sehr hart.» Monate im Kraftraum folgten. «Wenn das Team zum Training rausgeht und du nur zuschauen kannst, entsteht schon eine Sehnsucht.» Inzwischen ist diese gestillt.

Steckbrief: Bung Hua Freimann

Mein Fussballidol: Trent Alexander-Arnold
Mein meistgenutztes Emoji: 🫶
Mein Lieblingsessen: Die Dumplings von meiner Mutter
Das können meine Brüder besser als ich: Rechnen
Mein bisher schönster Fussballmoment: Mein Assist zum Tor von Meng gegen Lausanne, welches gleichzeitig mein Debütspiel für den FC Luzern war. Einen besseren Einstand hätte ich mir nicht vorstellen können.

Das sagt Bung Tsai über Bung Hua: Er ist ein sehr empathischer Mensch.

Mein Fussballidol: Trent Alexander-Arnold
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Mein Lieblingsessen: Die Dumplings von meiner Mutter
Das können meine Brüder besser als ich: Rechnen
Mein bisher schönster Fussballmoment: Mein Assist zum Tor von Meng gegen Lausanne, welches gleichzeitig mein Debütspiel für den FC Luzern war. Einen besseren Einstand hätte ich mir nicht vorstellen können.

Das sagt Bung Tsai über Bung Hua: Er ist ein sehr empathischer Mensch.

Gegen St. Gallen feierte Hua sein Startelf-Comeback. Als Innenverteidiger zeigte er einen soliden Auftritt. Einmal hatte er allerdings Glück: Sein Ablenker landete am eigenen Pfosten statt im Tor. Ansonsten überzeugte er mit jener ruhigen, abgeklärten Spielweise, die auch seine Brüder auszeichnet.

Erst Gegner, dann wieder Brüder

Gefühlt bringt die Freimanns nichts aus der Ruhe. «Ich glaube, das ist einfach unsere Art. Das kann man schwer beeinflussen und wohl auch nicht lernen. Es ist einfach gegeben. Ab und zu wird es auch als Schwäche angesehen. Das sehe ich persönlich aber nicht so», sagt Meng.

Am Sonntag wird diese Ruhe wieder einmal auf die Probe gestellt. Für 90 Minuten sind die drei Brüder Gegner. Tsai will seine Brüder aus dem Cup werfen, Hua und Meng genau das verhindern. Danach aber soll wieder gefeiert werden – gemeinsam mit der ganzen Familie. «Dann können wir das Spiel abhaken und den Abend geniessen», sagt Meng. Erst muss er mit Hua aber die Pflichtaufgabe mit dem FCL erfolgreich hinter sich bringen.

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