Das Schweizer Fernsehen boykottierte den FCZ
Vor 50 Jahren löste dieses Trikot einen Skandal aus

Heute geht im Fussball ohne Trikotwerbung nichts mehr. Das war einst anders. Vor einem halben Jahrhundert sorgten der FCZ und der FCB für eine Riesenaufregung, die gar in einem Boykott endete.
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Premiere: 1976 lief der FC Zürich (im Bild René Botteron) mit Agfa-Werbung auf.
Foto: Blick

Darum gehts

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Daniel LeuStv. Sportchef

Der 14. August 1976 war ein historischer Tag im Schweizer Fussball. Zürcher Letzigrund, FCZ gegen Xamax. An jenem Samstagabend spielte der aktuelle Meister vor 6500 Zuschauern gross auf und siegte dank Toren von Franco Cucinotta (2), René Botteron, Rosario Martinelli, Peter Risi und Fredi Scheiwiler klar mit 6:1.

Das Aussergewöhnliche an diesem Tag vor 50 Jahren war aber nicht der klare Sieg des FCZ, sondern ihr Trikot, denn auf der Brust stand dort gross Agfa geschrieben. Es war das erste Mal in der Geschichte des Schweizer Fussballs, dass ein Klub mit Trikotwerbung auflief. Die Folgen dieser Premiere: ein Boykott und viel Aufregung.

Eingefädelt hatte diesen Deal mit dem deutsch-belgischen Film- und Kamera-Hersteller der legendäre, 1979 verstorbene FCZ-Präsident Edi Naegeli. Für 125’000 Franken pro Saison. Viel Geld in der damaligen Zeit.

Ultimatum an den FC Basel

Die Zürcher waren nicht die Einzigen, die ab 1976 mit Trikotwerbung aufliefen. Der FC Basel warb in jener Saison für das Reiseunternehmen von Umberto Guarnaccia. Vor gut 20 Jahren erzählte er in der «Basler Zeitung», wie dieses Sponsoring zustande kam. Als er mit seinem Anliegen auf den FCB zugegangen sei, habe deren Vorstand zuerst an einen Scherz gedacht. «Also zückte ich einen Bankscheck und sagte, ihr habt bis morgen Mittag um 12 Uhr Zeit, ihn einzulösen.» Fünf Minuten vor Ablauf der Frist hätten die FCB-Verantwortlichen dies dann getan. Die Werbung war Guarnaccia 100’000 Franken pro Saison wert, «plus sieben für den Scheck».

Drei legendäre Trikot-Werbungen im Fussball

1. Fido: In der Saison 1983/84 warb der FC St. Gallen für das Hundefutter Fido. Rückblickend betrachtet ein Kult-Trikot. 2001 übernahm Nestlé die Marke. Heute gibt es Fido nicht mehr.

2. Jägermeister: Die Aufregung war riesig, als Eintracht Braunschweig 1973 mit Werbung für den Kräuterschnaps auflief. Der Mann hinter dieser Idee, Günter Mast, wollte damals sogar den Klub in Jägermeister Braunschweig umbenennen, scheiterte aber bei der Umsetzung dieses verrückten Plans.

3. London: Als der damalige Bundesligist FC Homburg 1987 finanzielle Probleme hatte und einen neuen Hauptsponsor suchte, wurde man beim Kondomhersteller fündig. Doch die Sittenwächter des DFB fanden das gar keine gute Idee. Sie entschieden, die Werbung müsse überdeckt werden. Erst als Homburg vor Gericht siegte, durften sie mit dem Schriftzug London auflaufen.

Legendär: Christian Gross im Fido-Trikot des FC St. Gallen 1983.
ASL

1. Fido: In der Saison 1983/84 warb der FC St. Gallen für das Hundefutter Fido. Rückblickend betrachtet ein Kult-Trikot. 2001 übernahm Nestlé die Marke. Heute gibt es Fido nicht mehr.

2. Jägermeister: Die Aufregung war riesig, als Eintracht Braunschweig 1973 mit Werbung für den Kräuterschnaps auflief. Der Mann hinter dieser Idee, Günter Mast, wollte damals sogar den Klub in Jägermeister Braunschweig umbenennen, scheiterte aber bei der Umsetzung dieses verrückten Plans.

3. London: Als der damalige Bundesligist FC Homburg 1987 finanzielle Probleme hatte und einen neuen Hauptsponsor suchte, wurde man beim Kondomhersteller fündig. Doch die Sittenwächter des DFB fanden das gar keine gute Idee. Sie entschieden, die Werbung müsse überdeckt werden. Erst als Homburg vor Gericht siegte, durften sie mit dem Schriftzug London auflaufen.

Nach dem FCZ und dem FCB zogen in den nächsten Monaten weitere Klubs nach: Sion mit Placette (heute Manor), YB mit den «Berner Nachrichten», Lausanne mit Lusso (Glacé) und Etoile Carouge mit Grand Passage (einem Einkaufszentrum).

Absurder Vorschlag des Schweizer Fernsehens

Diese neue Geldeinnahmequelle passte aber jemandem ganz und gar nicht: dem Schweizer Fernsehen. Am 10. August 1976 titelte Blick: «Schweizer Fernsehen streicht die Fussball-Hits!», denn: «Im neuen Vertrag zwischen der SRG und der Fussball-Nationalliga ist festgehalten, dass keine Übertragungen von Filmberichten mehr von Spielen gemacht werden, in denen Teams mit Leibchenreklame beteiligt sind.»

Als Kompromiss schlug die SRG gar vor, «dass mit Leibchenreklame spielende Teams neutrale Trikots überstreifen, wenn das Fernsehen mit seinen Kameras anrückt». Dieser Vorschlag sei komplett absurd, urteilte Blick, «denn die technische Qualität von Fussball-Filmen im TV ist meist so schlecht, dass man die in ihrer Grösse reglementierten Schriftzüge sowieso nicht lesen könne».

Auch im Eishockey gabs einst Zoff

1970 prangte auf den Trikots des SC Langnau plötzlich ein Tigerkopf. Es war dies ein cleverer Schachzug der Emmentaler, denn damit hebelten sie die damals im Schweizer Hockey verbotene Trikotwerbung aus. Hinter dem Tigerkopf steckte die Tiger-Käse AG. Der SCL entschied damals kurzerhand, den Tiger ins Klub-Logo zu nehmen, was dem Hockey-Verband wiederum ganz und gar nicht passte. Deshalb drohten die Verbandsbosse gar mit dem Ausschluss aus der Meisterschaft. Da der SCL dann aber nachweisen konnte, dass die Eishockeyaner schon ein Jahrzehnt zuvor mit dem Tiger auf der Brust gespielt hatten, zog der Verband schliesslich seine Drohung zurück.

Mit dem Tiger auf der Brust: Der SC Langnau in den 1970er-Jahren.
Blick Sport

1970 prangte auf den Trikots des SC Langnau plötzlich ein Tigerkopf. Es war dies ein cleverer Schachzug der Emmentaler, denn damit hebelten sie die damals im Schweizer Hockey verbotene Trikotwerbung aus. Hinter dem Tigerkopf steckte die Tiger-Käse AG. Der SCL entschied damals kurzerhand, den Tiger ins Klub-Logo zu nehmen, was dem Hockey-Verband wiederum ganz und gar nicht passte. Deshalb drohten die Verbandsbosse gar mit dem Ausschluss aus der Meisterschaft. Da der SCL dann aber nachweisen konnte, dass die Eishockeyaner schon ein Jahrzehnt zuvor mit dem Tiger auf der Brust gespielt hatten, zog der Verband schliesslich seine Drohung zurück.

Der TV-Boykott schien auch die Blick-Leser zu beschäftigen, so zum Beispiel den 36-jährigen Kaufmann Otto Gleiser aus Richterswil ZH. Er schrieb: «Vor Wut, dass am Samstagabend nichts vom Derby GC – FCZ kam, bin ich nach Wädenswil zur Chilbi gefahren. Statt mich eines guten Spiels zu erfreuen, habe ich 40 Franken verjubelt.»

Vergleich zur Formel 1

Auch in der «NZZ» war der Reklame-Zoff ein Thema. Unter dem Titel «SRG noch glaubwürdig?» zog sie einen Vergleich zur Berichterstattung über die Formel 1: «Zahlreiche mit dem ohnehin fragwürdigen Formel-1-Rennsport verflochtene Zigaretten- und alkoholhaltige Getränkemarken machten sich in Nahaufnahmen breit.» Und auch bei der Übertragung der Schweizer Tennismeisterschaften in Luzern sei bei verschiedenen Kameraschwenkern den mit Firmenschriftzügen übersäten Court zu sehen gewesen.

Der SRG-Boykott wurde eine Saison lang durchgezogen. Doch dann wurde im Sommer 1977 ein neuer Vertrag zwischen dem Fernsehen und der Nationalliga unterschrieben. Darin wurde explizit festgehalten, dass das Fernsehen ab sofort auch wieder Spielzusammenfassungen von Teams mit Trikotwerbung zeigt.

Heute, genau 50 Jahre später, kann über den Werbe-Zoff von damals nur noch geschmunzelt werden.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
3
9
9
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
3
8
7
3
FC St. Gallen
FC St. Gallen
3
2
7
4
FC Sion
FC Sion
3
2
6
5
FC Basel
FC Basel
3
2
6
6
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
3
1
5
7
Servette FC
Servette FC
3
-1
3
8
FC Zürich
FC Zürich
3
-5
3
9
FC Thun
FC Thun
3
-6
3
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
3
-4
1
11
FC Luzern
FC Luzern
3
-5
1
12
FC Vaduz
FC Vaduz
3
-3
0
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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