Das stilbildende Ajax Amsterdam holte die Krone Europas 4-mal
Vom totalen Fussball bis zum Wumms von Muri

Die Herren Europas kamen einst aus Holland. Im 17. Jahrhundert. Später im Fussball in den 1970er-Jahren. Bis ein Ex-Coach von Christian Constantin Ajax Amsterdam einen Stich ins Herz setzte.
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1972 ist Ajax-Stürmer Johan Cruyff mit seiner Grazie und Anmut am Ball der beste Spieler der Welt. Hier gegen Gabriele Oriali von Inter Mailand im Final des Meistercups.
Foto: imago sportfotodienst

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ajax Amsterdam trifft in den Conference-League-Playoffs auf den FC Sion.
  • Neuer Goalie Marc-André ter Stegen kassierte zwei Gegentore gegen Heerenveen.
  • Nati-Coach Murat Yakin schoss Ajax in der Champions League 1996 aus 32 Metern ab
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Alain KunzReporter Fussball

Mit Ajax Amsterdam kommt ein Klub nach Sion, der den europäischen Fussball einst so dominierte, wie die holländische Ostindien-Kompanie in der Seefahrt im 17. Jahrhundert den Ton angab. Ja, Ajax war in den 70er-Jahren stilbildend für den Offensivfussball. Die Ära der beiden Johans: Cruyff und Neeskens. Von General Rinus Michels an der Linie. Der langen Mähnen und der Kettenraucher. Des erstmaligen Pressens und des Tempospiels. Und des heiligen 4-3-3-Systems.

Dreimal in Folge geht der Meistercup an Cruyff, Neeskens und Co.

Hollands Rekordmeister (36 Titel) holt mit diesem «totalen Fussball» 1971, 1972 und 1973 dreimal in Folge den Pokal der Landesmeister, ist das Mass aller europäischen Dinge. Im WM-Final 1974 scheitert das holländische Nationalteam knapp an Deutschland. Über zwanzig Jahre später holt Ajax auch die junge, neue Champions League.

Zuletzt hat die Geschichte auch Risse erhalten. 2022 ist Ajax letztmals Meister, rutscht 2023 aber erstmals ans Tabellenende der Eredivisie ab. Temporär. Ajax steigt nicht ab, wie es das seit der Geburt der Liga 1956 nie musste. Ein Jahr später ist Ajax wieder ganz oben. Oder fast. In der Endphase hat man phasenweise neun Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz, verspielt den sicher geglaubten Titel aber noch spektakulär. Den letzten europäischen Grosserfolg konnte man 2019 verzeichnen mit dem Ausschalten von Real Madrid und Juventus Turin und dem Erreichen der Königsklassen-Halbfinals. 2021 fegt Ajax auf dem Weg in die Viertelfinals der Europa League YB zweimal vom Platz: 3:0 und 2:0.

Malochen in der schmucklosen Conference League

Heuer landet Ajax nur auf Platz fünf und musste erstmals in der Conference-League-Qualifikation malochen und Vojvodina aus Serbien sowie Shelbourne aus Irland ausschalten, um nun im Showdown auf Sion zu treffen.

In der Eredivisie gabs nach dem 2:0 bei Zwolle zum Auftakt schon in Spiel zwei einen Dämpfer mit dem 2:2 gegen Heerenveen nach einer 2:0-Führung. Dabei kassierte der neue Goalie Marc-André ter Stegen, der von Barcelona ausgeliehen wurde, seine ersten beiden Gegentore. Der zweite deutsche Promi-Zugang, Julian Brandt (kam vom BVB), der beim Sieg gegen Zwolle noch das zweite Tor beigesteuert hatte, war Reservist.

Ajax verkauft für 40 und kauft für fast 20 Millionen

Es ist nicht die beste Ausgabe von Ajax in der ruhmreichen Klubgeschichte, die ins Tourbillon kommt. Und dennoch sind die Holländer von einem anderen Kaliber. Nehmen wir das Beispiel des hochbegabten belgischen Flügels Mika Godts (21). Der ist nämlich eben für 42 Millionen Franken zu PSG transferiert worden. Für Mittelfeld-Talent Sean Steur, gerade mal 18, zahlte Newcastle United 22 Millionen. Wout Weghorst (34) hingegen ging zum Nulltarif zu Twente Enschede, weil er am Vertragsende stand. Mit der Kohle konnte sich Ajax den Brasilianer Marcos Leonardo (23) für 18 Millionen von Al-Hilal leisten sowie seinen Landsmann Caio Henrique (28), für den man 10 Millionen an Monaco überwies. Nichts kosteten die ablösefreien Brandt und Daley Blind (Girona). Das sind ganz andere Zahlen als in der Schweiz. Bei Ajax sind sie Alltag.

Muris Wumms als Motivationsspritze für Sion?

Und doch schoss einer gegen Ajax ein legendäres Tor der Schweizer Fussballgeschichte. Ein Ex-Trainer von Christian Constantin … Der gewaltige Wumms von Nati-Coach Murat Yakin in der Champions League im September 1995 aus 32, vielleicht 33 Metern. Gegen ein grosses Ajax-Team mit Stars wie Van der Sar, Litmanen, den De Boers, Kluivert, Overmars und Trainer Louis van Gaal, welche in der Saison zuvor eben erst die Champions League gewonnen hatten. Dieses Monstergeschoss ist sicher bestens geeignet als Motivationsspritze für die Sion-Jungs von 2026, auch wenn GC am Ende die Viertelfinals wegen eines 0:1 gegen Ajax verpasste. Aber das kann CC ja verschweigen …

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