Bundesliga-Kenner Mirko Slomka
«Ich hatte Zweifel bei Kompany bei den Bayern»

Mirko Slomka spricht im Blick-Interview über Manuel Neuer, seine Entwicklung zum Weltklasse-Goalie und aktuelle Themen rund um den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.
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Carlo Emanuele FrezzaReporter Fussball

Blick: Mirko Slomka, ist Manuel Neuer der beste Goalie der Geschichte?
Mirko Slomka: Für mich ja. Er ist nicht ohne Grund mehrfacher Welttorhüter geworden. Ihm und Gianluigi Buffon schaue oder habe ich immer gerne zugesehen. Wenn es um die besten Torhüter aller Zeiten geht, gehört für mich aber auch Oliver Kahn immer dazu.

Sie haben Neuer bei Schalke 04 vor zwanzig Jahren zum Profi gemacht. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie letzte Woche seine Wahnsinnsleistung gegen Real Madrid gesehen haben?
Er war überragend. Ich habe mich sofort an das Champions-League-Achtelfinal von 2008 gegen Porto erinnert, in dem er alles Mögliche und Unmögliche plus zwei Penaltys gehalten hat. Das war quasi die Geburtsstunde von Manuel Neuer, den wir bis heute kennen.

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Mirko Slomka stand in der Bundesliga jahrelang an der Seitenlinie – etwa bei Hannover 96 oder Schalke 04. Heute analysiert er die Spiele für Sky.
Foto: Keystone

Haben Sie damals eine solche Karriere vorausgesehen?
Das kann man nie. Aber Manu war schon immer besonders. Allein wegen seiner Herkunft aus der Fankurve, ein echter Schalker Junge. Und bevor wir den Mut gehabt haben, ihn zu bringen, hat er bereits angedeutet, welch herausragender Fussballer er ist. Denn als dritter Goalie spielte er in den Trainings oft mit den Feldspielern mit. Das hat seinen Blick fürs Spiel geschärft.

Das ist Mirko Slomka

Mirko Slomka ist am 12. September 1967 in Hildesheim (De) geboren. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit als Trainer bei Hannover 96 und Schalke 04. Entsprechend freut er sich, sollten die beiden Klubs in dieser Saison nach vielen Jahren in die Bundesliga aufsteigen. «Das wäre für mich ein absolutes Traum-Duo», sagt er zu Blick. Nach über 230 Bundesliga-Spielen an der Seitenlinie ist Slomka heute als Sky-Experte aktiv. Seine Trainerkarriere hat er 2023 beendet. Seither hat er sich als Sportmanager an der HSG weitergebildet.

Mirko Slomka ist am 12. September 1967 in Hildesheim (De) geboren. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit als Trainer bei Hannover 96 und Schalke 04. Entsprechend freut er sich, sollten die beiden Klubs in dieser Saison nach vielen Jahren in die Bundesliga aufsteigen. «Das wäre für mich ein absolutes Traum-Duo», sagt er zu Blick. Nach über 230 Bundesliga-Spielen an der Seitenlinie ist Slomka heute als Sky-Experte aktiv. Seine Trainerkarriere hat er 2023 beendet. Seither hat er sich als Sportmanager an der HSG weitergebildet.

Dieses Spielverständnis zeichnet ihn bis heute aus.
Genau. Aber es ist nicht nur das. Er ist aufmerksam, zeigt Präsenz, dirigiert seine Mitspieler, agiert reaktionsschnell – und hat immer wieder auch Aktionen, bei denen die Mitspieler sagen: ‹Wow, jetzt hat er uns wirklich gerettet›. Er ist jetzt zwar 40 Jahre alt. Aber so wie er sich aktuell präsentiert, ist er hinter so einer Top-Mannschaft wie bei Bayern das Sahnehäubchen.

Sind Sie noch in Kontakt mit ihm?
Ja, wir sind regelmässig im Austausch. Er ist über die Jahre er selbst geblieben mit seinen klaren und kernigen Aussagen. Das schätze ich sehr an ihm.

Klipp und klar hat sich Neuer vor einer Woche zu den Spekulationen um eine Rückkehr in die Nationalmannschaft geäussert. Er hält an seinem DFB-Rücktritt fest und sieht sich selber nicht an der WM.
Das sagt viel über ihn und vor allem über seinen Charakter aus. Damit signalisiert er auch Oliver Baumann klar: Du bist aktuell die Nummer 1 in der deutschen Nationalmannschaft – ich bin es nicht. Ob das tatsächlich so bleibt, wird sich allerdings noch zeigen.

Haben Sie mit ihm über dieses Thema gesprochen?
Klar. Ich habe den Eindruck, dass Julian Nagelsmann und er jetzt nicht die ganz dicken Kumpels sind.

Würden Sie ihn als Bundestrainer an die WM mitnehmen?
Ich hätte wahrscheinlich den Kontakt zu ihm sehr eng gehalten und mir so eine Tür offen gelassen. Denn man weiss ja nie was passiert. Am Ende geht es um klare Kommunikation. Das ist die wichtigste Aufgabe eines Trainers. Im Falle von Deniz Undav hat das Nagelsmann jüngst zum Beispiel getan.

In den letzten Tagen wurde auch über Jamal Musiala diskutiert. Oliver Kahn meinte, er solle nach seiner Verletzung auf eine Teilnahme bei der WM verzichten.
Nein, das wird Jamal sicher nicht machen. Er hat ja auch klar gesagt, dass er zur WM will. Und er würde der deutschen Nationalmannschaft extrem guttun, das weiss jeder – auch seine Mitspieler. Er ist ein Ausnahmespieler, genau wie Florian Wirtz. Solche Typen brauchst du, um Spiele zu entscheiden und in engen Situationen den Unterschied zu machen.

Nun steht für Neuer und Musiala zunächst das Champions-League-Rückspiel an. Sind die Bayern nach dem 2:1-Sieg gegen Real schon durch?
Ich lese da bei den Verantwortlichen zwischen den Zeilen schon ein paar warnende Worte heraus. Karl-Heinz Rummenigge hat ja auch klar vor Überheblichkeit gewarnt. Jeder kennt die individuelle Qualität von Real. Die sind in der Lage, schnell in Führung zu gehen. Insofern ist diese mahnende Haltung der Verantwortlichen absolut sinnvoll.

Was wird der Schlüssel zum Erfolg sein?
Entscheidend ist für mich, wie aktiv die Bayern auftreten. Bleiben sie mutig und verfallen nicht in einen Verwaltungsmodus, hat Real keine Chance. Die Dominanz und Selbstsicherheit, die Bayern derzeit ausstrahlt, ist beeindruckend.

Ist das der Verdienst von Trainer Vincent Kompany?
Zu 100 Prozent. Anfangs hatte ich Zweifel, ob es wirklich passt. Inzwischen bin ich sowas von begeistert und überzeugt von ihm. Vor allem, wie er es schafft, dieses hochkarätige Kader zu managen. Ob Pavlovic, Goretzka oder Kimmich – alles Nationalspieler mit hohen Ansprüchen. Und trotzdem gelingt es ihm, alle bei Laune zu halten und konstant auf Topniveau performen zu lassen. Und ich habe bislang von keinem Spieler auch nur eine Andeutung von Unzufriedenheit gehört.

Seit Kompany bei Bayern an der Seitenlinie steht, wirkt der Rekordmeister auf viele plötzlich deutlich sympathischer. Woher kommt dieser Eindruck?
Weil er persönlich halt auch sympathisch ist (lacht). Schon nach wenigen Wochen habe ich gedacht: Was für ein cooler Trainer. Diese Ruhe und Klarheit, mit der er selbst in den Pressekonferenzen auftritt, ist wirklich beeindruckend.

Bayern spielt international auch für die Bundesliga. Es geht um einen zusätzlichen Champions-League-Platz in der nächsten Saison.
Dieser fünfte Platz wäre für die Bundesliga eminent wichtig. Es wird aber schwierig, weil England nicht mehr einzuholen ist und Spanien vor uns liegt und ebenfalls noch mehrere Teams im Rennen hat.

Die Bundesliga hat neben Bayern noch Freiburg (Europa League) und Mainz (Conference League) international vertreten. Ein Wort zu Urs Fischer, der die Mainzer als Tabellenletzter übernommen und mehr als nur wachgeküsst hat?
Märchenmacher.

Mainz steht mit einem Bein im Halbfinal. Trauen Sie dem Klub den ganz grossen Coup zu?
Die Mainzer Menschen sind ja ein bisschen verrückt, vor allem wenn es um Karneval geht. Allein deswegen traue ich den Mainzern alles zu. Es wäre eine unfassbare Geschichte. Und Urs würde ich das so sehr gönnen.

Champions League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Arsenal FC
Arsenal FC
8
19
24
2
Bayern München
Bayern München
8
14
21
3
Liverpool FC
Liverpool FC
8
12
18
4
Tottenham Hotspur
Tottenham Hotspur
8
10
17
5
FC Barcelona
FC Barcelona
8
8
16
6
Chelsea FC
Chelsea FC
8
7
16
7
Sporting Lissabon
Sporting Lissabon
8
6
16
8
Manchester City
Manchester City
8
6
16
9
Real Madrid
Real Madrid
8
9
15
10
Inter Mailand
Inter Mailand
8
8
15
11
Paris Saint-Germain
Paris Saint-Germain
8
10
14
12
Newcastle United
Newcastle United
8
10
14
13
Juventus Turin
Juventus Turin
8
4
13
14
Atletico Madrid
Atletico Madrid
8
2
13
15
Atalanta BC
Atalanta BC
8
0
13
16
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen
8
-1
12
17
Borussia Dortmund
Borussia Dortmund
8
2
11
18
Olympiakos Piräus
Olympiakos Piräus
8
-4
11
19
FC Brügge
FC Brügge
8
-2
10
20
Galatasaray SK
Galatasaray SK
8
-2
10
21
AS Monaco
AS Monaco
8
-6
10
22
Qarabag FK
Qarabag FK
8
-8
10
23
Bodö/Glimt
Bodö/Glimt
8
-1
9
24
SL Benfica
SL Benfica
8
-2
9
25
Olympique Marseille
Olympique Marseille
8
-3
9
26
Pafos FC
Pafos FC
8
-3
9
27
Union Saint-Gilloise
Union Saint-Gilloise
8
-9
9
28
PSV Eindhoven
PSV Eindhoven
8
0
8
29
Athletic Bilbao
Athletic Bilbao
8
-5
8
30
SSC Neapel
SSC Neapel
8
-6
8
31
FC Kopenhagen
FC Kopenhagen
8
-9
8
32
Ajax Amsterdam
Ajax Amsterdam
8
-13
6
33
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
8
-11
4
34
SK Slavia Prag
SK Slavia Prag
8
-14
3
35
Villarreal CF
Villarreal CF
8
-13
1
36
FC Kairat Almaty
FC Kairat Almaty
8
-15
1
Playoffs
Qualifikationsspiele
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