Darum gehts
An der EVZ-Bande taucht vor Weihnachten ein neues Gesicht auf: Raphael Diaz. Anstatt als Verteidiger auf dem Eis zu stehen, steht er auf der Spielerbank. Als Gast? «Nein», sagt Headcoach Michael Liniger, «es geht grundsätzlich um seinen Weg zurück aufs Eis.» Auf der Absenzenliste der Klub-Homepage ist Diaz mit einer Oberkörperverletzung gelistet – seit dem 23. September und dem Spiel gegen Davos.
In jenem heissen Duell kommt es zur Spielmitte zur fatalen Szene. Im Zweikampf zwischen Diaz und Matej Stransky fällt der EVZ-Verteidiger, der HCD-Captain drückt ihn mit dem Stock noch nieder. In Rage rappelt er sich auf und geht auf Stransky los. Seither wartet man auf sein Comeback.
Das Gleichgewichtsorgan ist geschädigt
Dreieinhalb Monate später erklärt Diaz, was passierte und weshalb der Weg zurück so beschwerlich ist. «Als ich hingefallen bin, habe ich meine Körperspannung verloren. Genau in jenem Moment erwischten mich zwei Schläge am Kinn. Der Kiefer wurde dabei verschoben.»
Die ersten Symptome deuten auf eine leichte Gehirnerschütterung hin. «Ich dachte am Tag danach, in ein bis zwei Wochen kann ich wieder spielen», erinnert sich Diaz. Ein Irrtum. Denn ein Problem bessert sich nicht: «Ich geriet immer mal wieder ins Schwanken. Bei schnellen Drehbewegungen auf dem Eis wurde mir schwindlig und ich hatte Mühe, den Fokus behalten zu können.»
Deshalb wurden weitere Untersuchungen gemacht. Mit dem Ergebnis, dass die Schläge ans Kinn das Gleichgewichtsorgan geschädigt haben. Denn der Kiefer endet nahe des Innenohrs, das bei der Verschiebung des Knochens etwas abbekommen haben könnte.
Das Schwierige für den Routinier? Die Ungewissheit. Genaue Prognosen für die Genesung können keine abgegeben werden. «Es braucht einfach Zeit und Geduld. Wer schonmal davon betroffen war, weiss, wovon ich rede», so Diaz, Nati-Captain beim WM-Silber von 2018, der am Freitag seinen 40. Geburtstag feiert.
An die Belastungsgrenze herantasten
Der Verteidiger muss die Balance finden, in Bewegung zu bleiben und zu trainieren, ohne seinen Körper dabei zu überfordern. «Ich muss nach einer Belastung den nächsten Tag abwarten, wie es sich anfühlt. Ich muss mich langsam herantasten.» Kleine Fortschritte sind seine Motivation. Denn am Anfang spürt der Ex-NHL-Spieler (Montréal, Vancouver, NY Rangers) sogar eine Verschlechterung, nachdem er zu Hause mit seinen Kindern gespielt hatte.
Mittlerweile versucht sich Diaz wieder im Teamtraining. Im roten Leibchen, also ohne Körperkontakt. Aktuell testet er, ob er die schnellen Wendungen wieder aushalten kann, «geradeaus zu fahren oder das Tempo sind kein Problem».
Hat er manchmal das Gefühl, dass ihm die Zeit davonläuft, weil sein Vertrag nach der Saison endet? Oder gar Rücktrittsgedanken? «Das ist menschlich, oder? Natürlich stellt man sich die Zukunftsfrage.» Diaz aber sagt klar, dass Hockey seine Leidenschaft ist und er so bald wie möglich aufs Eis zurückkehren möchte. Deshalb tritt Trainer Liniger mit der Idee an ihn heran, bei den Spielen auf die Bank zu kommen, um dem Lärm sowie dem Match-Tempo ausgesetzt zu sein und sich daran gewöhnen zu können. Eine genaue Prognose fürs Comeback gibt es noch immer nicht.

