Darum gehts
- Leonardo Genoni war der Stammtorhüter der Nati in den letzten K.o.-Spielen
- Neuer Nati-Trainer Cadieux plant einen offenen Wettkampf zwischen drei Goalies
- Reto Berra und Sandro Aeschlimann machen Genoni den Platz streitig
Für die letzten sechs K.o.-Spiele der Nati, also Viertel-, Halbfinal sowie Goldmatch an den WM-Turnieren 2024 in Prag und 2025 in Herning und Stockholm hat sich die Goalie-Frage nie gestellt: Sie alle sind ein Fall für Leonardo Genoni gewesen, den siebenfachen Meisterkeeper. Der vor einem Jahr eine unglaubliche Statistik abliefert und in den drei K.o.-Duellen bloss einen einzigen Gegentreffer zulässt – jenen in der Verlängerung gegen die USA, die der Schweiz die Goldmedaille wegschnappt.
Auch wenn es der 38-Jährige selbst nicht gerne hört oder sagt, dass es bloss die Aussenwahrnehmung ist: Für Ex-Nati-Trainer Patrick Fischer (50) hat er stets die Poleposition innegehabt. Spätestens jedoch nach dem für viele unverständlichen Entscheid 2023 in Riga, als Fischer im Viertelfinal gegen Deutschland auf Robert Mayer setzt – er geht 1:3 verloren.
Nun ist vieles neu. Allem voran der Headcoach. Nach einem Trainerwechsel werden die Karten für die Spieler neu gemischt. Auch bei den Torhütern? Denn: Genonis aktuelle Konkurrenten Reto Berra (39, Fribourg) und Sandro Aeschlimann (31, Davos) haben mit ihren Teams erfolgreichere Meisterschaften hinter sich als Silber-Keeper Genoni mit dem EVZ. Berra hext Gottéron zum ersten Meistertitel der Geschichte und geht damit in eben jene Geschichte ein, Aeschlimann ist Vizemeister.
«Ich habe im Playoff-Final beiden die Daumen gedrückt», erzählt Genoni, er sei dann vermutlich einer der Ersten gewesen, die Berra gratuliert haben. Denn: «Wir sind Freunde. Und Konkurrenten.» Tatsächlich kennen sich die beiden Zürcher praktisch ihr ganzes Hockey-Leben, stammen aus dem ZSC-Nachwuchs, sind 2007 beide zum HC Davos gewechselt und haben ihre grossen Karrieren lanciert. Ein WM-Turnier gemeinsam zu bestreiten, «ist megaschön», so Genoni, «schon bei Olympia in Mailand hat es sofort wieder Klick gemacht». Doch nun sei es ein Dreikampf mit Aeschlimann, wie er betont. «Cadieux hat die Qual der Wahl.» Ob der neue Nati-Trainer einen Plan hat? Genoni weiss es nicht.
«Drei potenzielle Nummern eins»
Bei Cadieux nach dem ersten Training in Zürich nachgefragt, sagt der 46-Jährige: «Alle drei haben bewiesen, dass sie die Nummer eins sein können. Bei einem Meeting letzte Woche sagten wir den Torhütern, dass es ein Wettkampf unter ihnen ist und derjenige spielen wird, von dem wir am Matchtag das Gefühl haben, er kann der Mannschaft am besten helfen.»
Nach zehn Jahren mit dem gleichen Trainer (Fischer), in denen sich die Abläufe eingespielt haben und man sich bestens kennt, ist wohl auch fürs Goalie-Trio vieles ungewohnt. So weiss Genoni noch nicht, wie es Cadieux handhaben wird mit dem Entscheid und wann er ihn mitteilt. Dieser löst auf: «Wir werden die Goalies am Tag vor dem Match informieren, damit sie den Plan kennen.» Aber der Beschluss bleibe danach intern. Auch der Rest der Mannschaft erfährt es erst am Spieltag selber.
Cadieux versichert: «Es gibt keine Nummer eins, zwei oder drei, sondern drei potenzielle Nummern eins.» Eine Idee, welcher Goalie im Auftakt-Kracher gegen die USA am Freitag zwischen den Pfosten stehen wird, haben Cadieux, seine Assistenten sowie Goalietrainer Thomas Bäumle zwar im Kopf. «Das kann aber auch wieder wechseln, weil wir die drei ja täglich beobachten.»

