Darum gehts
- Julien Sprunger spielt letztes NL-Spiel am 30. April in Davos
- 1186 Spiele, 414 Tore, 414 Assists – beeindruckende Karrierebilanz
- Fribourg vor historischem Titel, zuletzt 1992 im Finale gegen Bern
Ist es die Bestimmung von Julien Sprunger (40), im letzten Spiel seiner Karriere seinem Klub den ersten Meistertitel zu bescheren? Dieses Gefühl liegt am Dienstag in der BCF-Arena, wo die Fribourg-Fans nach dem 2:1-Overtime-Sieg inbrünstig ihren Captain feiern. Er habe die «Lyôba», den traditionellen Lobgesang der Kuhhirten, noch nie so laut gehört, sagt Sprunger.
Davor hat der 40-Jährige eine unglaubliche Leistung ins Eis gebrannt, in seinem letzten Heimspiel noch einmal alles rausgehauen. Er steht zwar nur zwölf Minuten auf dem Eis, doch man hat den Eindruck, dass er permanent da ist. Sprunger schiesst nicht nur das 1:0, sondern spielt mit dem Messer zwischen den Zähnen. Er geht voran. Was für eine Präsenz!
Als Trainer Roger Rönnberg ein Timeout nimmt, ist es Sprunger, der wie ein Besessener auf seine Teamkollegen einredet und ihnen die taktische Marschroute in Erinnerung ruft.
«In solchen Momenten müssen erfahrene Spieler auch das Wort ergreifen. Der Trainer fordert uns seit Beginn der Saison auf, Verantwortung zu übernehmen, uns auch selbst zu coachen, wenn es sein muss», erklärt er. Und Rönnberg sagt: «So funktioniert das in einem Siegerteam.»
Rönnberg gerät ins Schwärmen
Das ganze Team hat sich in den Playoffs mitziehen und von den alten Recken Sprunger und Reto Berra (39), der zu Kloten wechseln wird, inspirieren lassen. «Sie haben die Mannschaft getragen. Schaut, wie sie spielen. Ich glaube, Julien wird immer besser und besser», schwärmt Rönnberg. «Sie sind zwei der besten Spieler, die ich je trainieren durfte. Sie sind wunderbare Menschen. Ich freue mich ganz besonders für sie. Ich werde mich noch mehr freuen, wenn sie das letzte Spiel mit einem Sieg beenden können.»
Dann sind da diese mythischen Fakten, die den Glauben erhöhen, dass Gottéron endlich den grossen Wurf schaffen und den Meisterfluch besiegen kann. «Sprungers erstes Spiel in der Liga war in Davos, nicht wahr? Das letzte wird dort sein. Wenn ich ihn nicht überreden kann, weiterzuspielen», sagt Rönnberg, der seine beiden Meistertitel mit Frölunda auswärts gewann.
Der letzte Tanz von Sprunger wird sein 1186. NL-Spiel sein. Ja 86, wie die Nummer, die er trägt. Das kann doch kein Zufall sein, sagen sie sich bei Fribourg. «Mein 1186. Spiel, in Davos, wo alles für mich begonnen hat. Wenn wir das Sahnehäubchen auf die Torte setzen könnten, wäre das aussergewöhnlich.»
«Wollte jede Minute geniessen und alles aufsaugen»
Wäre es zu kitschig, wenn Sprunger am Donnerstag noch ein letztes Tor auf Lager hätte? Dann müsste er fast auch noch einen Treffer vorbereiten, damit seine Bilanz von 414 NL-Toren und 414 Assists nicht aus der Balance gerät. «Ob man jetzt einen Schuss mit den Zähnen blocken oder sonst was tun muss, das ist für mich nicht das Wichtigste.»
Für Fribourg wird es entscheidend sein, vor dem Showdown in Davos mit den enormen Emotionen umgehen zu können. «Es ist schwierig, nicht zu emotional zu werden, weil es noch ein Spiel gibt. Man will sich nicht zu sehr freuen und den Sieg nicht zu sehr feiern», erklärt Sprunger. «Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass dies meine letzten Momente hier sein würden. Ich wollte jede Minute geniessen und alles in mich aufsaugen. Es war ein schöner Moment der Gemeinsamkeit.»
Einfach wird es nicht sein, Ruhe vor dem letzten Tanz zu finden. Rund um Gottéron ist die Hölle los. Präsident Hubert Waeber sprach davon, dass ihm die Tränen kommen. Und er ist nicht der Einzige, der an diesem Abend von den Emotionen übermannt wird.
Schliesst sich der Kreis in Davos?
Gewonnen hat Fribourg immer noch nichts. Doch so nahe am Titel wie jetzt waren die Drachen erst einmal. Das war in ihrem ersten von fünf Finals. 1992 mussten sie zuschauen, wie Bern den entscheidenden Showdown bei Fribourg mit 4:1 gewann.
«Ich glaube, wir haben nichts zu verlieren. Davos war die beste Mannschaft in der Qualifikation. Wir haben schon zweimal in dieser Serie in Davos gewonnen und zuletzt erst in der Overtime verloren. Wir wissen, was zu tun ist. Es ist nur noch ein Spiel. Daran hängt die ganze Saison und die ganze Geschichte von Gottéron», so Sprunger. «Wir müssen jetzt ein wenig weg von diesem Emotionalen kommen. Es ist sehr wichtig, dass wir uns jetzt wieder konzentrieren. Wir müssen bereit sein.»
Bereit für den ersten Titel. Schliesst sich der Kreis für Sprunger in Davos, wo er bei seinem Debüt am 27. September 2002 3:1 gewann? Sonst ist es der HCD, der zum 32. Mal und erstmals seit 2015 wieder triumphiert.

