Am Sonntag in Davos 3:0 geführt – und dann nach Verlängerung 4:5 verloren: Es war ein harter Schlag für Fribourg. Doch entweder sind die Gottéron-Spieler ausgezeichnete Schauspieler oder sie haben den verpassten Sieg schnell weggesteckt. Wissen wird man es erst am Dienstagabend, wenn die Drachen den ersten von zwei Davoser Meister-Pucks abwehren müssen.
«Klar ist das schmerzhaft», sagt Stürmer Attilio Biasca. «Es darf jetzt auch wehtun. Wir müssen versuchen, den Frust für das nächste Spiel in Motivation umzuwandeln.» Doppelter Frust? Bis jetzt steht seine BBB-Linie mit Nati-Stürmer Christoph Bertschy und Henrik Borgström, die im Halbfinal gegen Servette noch überragend gewesen war, im Final noch ohne Tor da.
Eine Sieg-Garantie, wie sie der legendäre Mark Messier 1994 bei den New York Rangers abgegeben hatte, bekommt man vom ehemaligen EVZ-Stürmer nicht zu hören. Doch Biasca spricht martialisch von «siegen oder sterben» und sagt: «Wir müssen gewinnen. Nicht nur für die Fans und die Stadt, sondern auch für Sprunger und Berra. Ich glaube an unser Team.»
«Gegen Rappi waren wir in der gleichen Lage»
Goalie Reto Berra (39), der nach acht Jahren zu Kloten wechseln wird, und vor allem Captain Julien Sprunger (40), für den die Karriere nicht mit einer Heimniederlage titellos enden soll, dienen als Inspiration, um noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. So tragen die Fribourg-Spieler auch T-Shirts mit Sprungers Nummer 86. Darauf steht: «Everyone Always» (zu Deutsch: jeder immer) und «The Last Dance». Und dieser letzte Tanz soll noch nicht am Dienstag übers Parkett gehen.
«Wir spielen ein gutes Eishockey. Was gefehlt hat, ist die Disziplin. Da müssen wir besser sein», sagt Biasca. Und Verteidiger Maximilian Streule (22), der durch seine kompromisslose, harte Spielweise, die den Gegnern auf die Nerven geht, zu gefallen weiss, sagt: «Wir haben schon einige Male in dieser Saison gezeigt, dass wir Rückschläge verkraften und dann zurückfighten können. In der Viertelfinal-Serie gegen Rappi waren wir in der gleichen Lage. Das im Rücken zu haben, stärkt uns.»
Gegen die SCRJ Lakers gewannen die Fribourger die beiden Spiele, als sie vor dem Aus standen. Und dabei gehörten Sprunger und Berra zu den Besten und waren nicht nur aufgrund ihres drohenden Abschieds nach einer denkwürdigen Zeit für den Klub, sondern auch aufgrund ihrer Willenskraft eine Inspiration. Mit oder ohne Titel: Man wird sie in Freiburg vermissen.


