«So ein Team gibt es nicht alle Tage»
Die Davoser Titel-Sehnsucht ist gross

Nach einem Jahrzehnt des Umbruchs sollen in Davos mal wieder die Meister-Champagner-Korken knallen. Nach dem Triumph sehnt sich eine ganze Region. Exponenten, die beim letzten Titel vor elf Jahren dabei gewesen sind, erinnern sich.
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Noch zwei Siege brauchen die Davoser für den ersten Meistertitel seit 2015 – aber die Fribourger stellen sich hartnäckig in den Weg.
Foto: Pius Koller
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Die Davoser haben ihre Hände so nahe am Pokal wie nie im letzten Jahrzehnt. Noch zwei Siege fehlen ihnen zum ersten Titel seit 2015. Nach der nahezu perfekten weil dominanten Qualifikation sowie dem souveränen Viertel- und Halbfinal entpuppt sich das noch Titel-jungfräuliche Fribourg nun als hartnäckiger Gegner auf dem Weg zum Triumph. Dabei ist die Sehnsucht danach beim Rekordmeister HCD nach einem herausfordernden Jahrzehnt und der Titel-Selbstverständlichkeit davor bestimmt ähnlich gross wie an der Saane.

Vor elf Jahren die letzten Feierlichkeiten miterlebt haben aus der aktuellen Mannschaft Verteidiger Sven Jung (31) und die Stürmer Chris Egli (30), Tino Kessler (29) sowie Enzo Corvi (33) – Letzterer jedoch als Einziger des Quartetts mit Playoff-Einsätzen. Die anderen drei Spieler stehen damals erst an der Schwelle zur National League. Die Erinnerungen sind bei Jung dennoch präsent. Insbesondere an das Jahrzehnt danach. «Es folgte ein Auf und Ab. Aber viele junge Spieler von damals sind beim HCD geblieben, weil wir den Klub lieben», so Jung, «jetzt sind wir im besten Hockey-Alter. Der Titel-Hunger ist da, so ein Team wie jetzt gibt es nicht alle Tage.»

Verflüchtigt hat sich die Meister-Sehnsucht aber auch in den schwierigen zehn Jahren nicht, wie CEO Marc Gianola (52) betont. «Es war ein Jahrzehnt des Umbruchs, was die Erwartungen jedoch nicht grundlegend veränderte, die Gegebenheiten dafür aber umso mehr.» Vor allem die Covid-Krise hat dem HCD schwer zugesetzt, «sie war existenziell». 2019 retten sich die Bündner im Playout-Final mit 4:1 in der Serie gegen die Lakers. Nach dem pandemiebedingten Saison-Abbruch 2020 schaffen es die Davoser 2021 aus den Pre-Playoffs (1:2 gegen Bern) nicht in die Playoffs. Parallel wird in jenen Jahren das Stadion saniert. «Der Umbau und die Corona-Krise belasteten das Budget, das man bräuchte, um vorne mitzuspielen», erklärt Gianola, «das hatte Einfluss auf die Kader-Qualität.»

Die perfekte Meister-Mischung?

Das ist Vergangenheit. Das aktuelle Team ist exzellent besetzt. Laut Jung braucht es mehrere Komponenten für eine Meister-Mischung: «Vier starke Linien, einen starken Goalie und hungrige Ausländer, die hier nicht einfach ihre Karriere gemütlich ausklingen lassen wollen.» Dahinter kann er überall einen Haken setzen. Vor allem aber streicht der Nati-Verteidiger die interne Stimmung und den Zusammenhalt im Team heraus. Vielleicht sogar die wichtigste Zutat fürs Meister-Menü.

Die Mannschaft ist bereit dafür, die ganze Region auch. Die gestiegene Euphorie ist spürbar. CEO Gianola misst sie auch damit, dass die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind und wirtschaftlich in das Kader investiert werden kann. Jung sagt es so: «Ich bin ein Spieler, der vor den Partien immer sehr früh in die Halle kommt. Aber egal, wie früh ich dran bin, es warten immer schon Fans vor der Kabine und wünschen ein gutes Spiel.»

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