Darum gehts
- Julien Sprunger und Ronnie O’Sullivan brillieren als Virtuosen ihrer Sportarten
- O’Sullivan stellte mit 153 Punkten einen Snooker-Weltrekord in China auf
- Die Snooker-WM endet am 4. Mai, Sprunger jagt den Schweizermeistertitel
Was verbindet den Fribourger Volksheld Julien Sprunger mit Snooker-König Ronnie O’Sullivan? Auf den ersten Blick nicht viel. Aber: Beide sind absolute Virtuosen mit einem Stock und beide sind Spezialisten für magische Momente. O’Sullivan peilt bei der Snooker-WM in Sheffield (Eng) gerade seinen achten Weltmeistertitel an, Sprunger wünscht sich für das Schlussbouquet seiner Karriere einen Schweizermeistertitel.
Der fünfzigjährige O’Sullivan hatte kurz vor der WM bei einem Turnier in China einen Weltrekord aufgestellt und in einer Sitzung 153 Punkte auf den Tisch gezaubert, obwohl die Snooker-Bälle eigentlich maximal 147 Zähler hergeben. Möglich war das, weil seinem Gegner ein Foul unterlaufen war. O’Sullivan kann mit dem Billard-Queue alles, wenn es sein muss, führt er auch mal mit der linken Hand, je nach Laune. Sprunger (40) hat am Mittwoch in der zweiten Verlängerung einen Kunstschuss fabriziert, als er unter Druck einen Pass mit dem Schlittschuh kontrollierte und dann ansatzlos die kleine Lücke traf, die der Davoser Goalie Sandro Aeschlimann über seinen Schultern offengelassen hatte. Im Gegensatz zu O’Sullivan zieht Sprunger zwar immer als Rechtsschütze ab, aber das kann er mit links.
Fliehkräfte treiben Sprunger zu Höchstleistungen
Was Sprunger auch noch mit O’Sullivan verbindet: Beide sind in Ehren ergraut, obwohl – bei diesen Beiden ist das wohl eher Sternenstaub. Sprunger hat zwar seinen Rücktritt längst angekündigt, aber gerade jetzt macht er in der Finalserie gegen Davos einen äusserst vitalen Eindruck und spendet seiner Mannschaft im Verbund mit dem Routinier Samuel Walser und dem um 20 Jahre jüngeren Jan Dorthe immer wieder Energie. Schon beim ersten Finalspiel am letzten Samstag hatte das fulminante Trio einen Treffer zum Auswärtssieg beigesteuert.
Sprunger war einst ein reiner Scharfschütze, in der Schlusskurve seiner Laufbahn treiben ihn die Fliehkräfte dazu, das Allerbeste für die Mannschaft zu tun. Vor seinem Kunstschuss am Mittwoch hatte er den Davoser Captain Matej Stransky ausgetrickst und zu einem Puckverlust gezwungen, bevor die Scheibe zu ihm zurückkam.
Die Snooker-WM in Sheffield dauert übrigens bis am 4. Mai. Falls die Sterne günstig stehen, hat Sprunger den Titel dann längst in der Tasche.