Darum gehts
- Patrick Fischer reiste 2022 ungeimpft mit gefälschtem Zertifikat nach Peking
- Strafe: Urkundenfälschung kostet Fischer fast 40'000 Franken Busse
- Snowboarderin Kummer wählte legale Quarantäne und belegte Platz 14
Nati-Coach Patrick Fischer (50) sah sich in einem Dilemma, oder in einer «aussergewöhnlichen persönlichen Notsituation», wie er selbst in seiner Erklärung am Montag sagte: Sich wider Willen impfen lassen oder nicht an die Olympischen Spiele 2022 in Peking reisen zu können. Wie man inzwischen weiss, wählte er eine dritte, illegale Variante und reiste ungeimpft mit einem gefälschten Covid-Zertifikat nach China. Wegen Urkundenfälschung wurde er dafür mit einer Busse von fast 40'000 Franken belegt. Am Mittwochabend wurde er von seinem Amt als Nati-Trainer freigestellt.
Doch es hätte auch eine legale Variante gegeben, ungeimpft bei Olympia dabei zu sein. Dafür hätte sich Fischer vor Orte für 21 Tage in Quarantäne begeben müssen.
Eine Schweizer Athletin, die das gemacht hat, ist Snowboarderin Patrizia Kummer (38). In einem Interview mit SRF sagt sie rückblickend: «Ich würde das heute nochmals genau so machen.» Und fügte an: «Wenn ich betrogen hätte, dann hätte ich nachher nicht mehr in den Spiegel schauen können. Das war es mir einfach nicht wert. Ehrlichkeit ist für mich eines der höchsten Güter überhaupt. Ich war nicht bereit, das aufs Spiel zu setzen.
«Ich habe auch gewusst, dass ich das will»
Es sei eine sehr spannende Zeit gewesen, die sie in einem 25 Quadratmeter grossen Raum verbracht habe. «Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich drei Wochen in einem geschlossenen Raum verbringen werde. Ich habe mich aber super darauf vorbereiten können. Und ich habe auch gewusst, dass ich das will. Eigentlich ist es mir leicht gefallen, weil ich das für meine Freiheit gemacht habe. Die Freiheit, dass ich selbst wählen kann, was mein Körper braucht oder nicht. So war ich wirklich frei, obwohl ich in einem Raum eingesperrt war.»
Damals liess die Olympiasiegerin von 2014 verlauten: «Nach meinem persönlichen Entscheid, mich nicht impfen zu lassen, ist die Quarantäne die logische Konsequenz. Ich respektiere die Regelungen der Behörden und des IOC. Nun möchte ich mich komplett auf meine sportlichen Ziele an den Olympischen Spielen in Peking konzentrieren – alles andere kann ich nicht beeinflussen.» Nicht als Medaillenkandidaten angereist, belegte die Walliserin in China den 14. Platz im Parallel-Riesenslalom. Kummer beendete 2023 ihre Karriere und ist als Therapeutin im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin tätig.
Der Kummer-Weg wäre für Fischer theoretisch auch möglich gewesen. Im Gegensatz zu Einzelsportlerin Kummer, die nur auf sich schauen musste, hätte es aber Auswirkungen auf die ganze Nationalmannschaft gehabt. Drei Wochen ohne Headcoach wären zwar möglich gewesen, hätten aber die Olympia-Vorbereitung des ganzen Teams massiv gestört. So hätte Fischer konsequenterweise auf Peking verzichten müssen, wenn er nicht bereit war, zwei Pikse für seine Mannschaft auf sich zu nehmen. Die Nati schied in Peking dann im Viertelfinal gegen den späteren Olympiasieger Finnland (1:5) aus.