Nati-Coach Fischer gesteht Straftat
Ein Lausbub, der immer davonkam – bis jetzt

Vier Jahre danach wird bekannt: Nati-Coach Patrick Fischer reiste 2022 ungeimpft mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu Olympia. Das wurde teuer: Er musste eine Busse von 39'000 Franken bezahlen.
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Nati-Coach Patrick Fischer reiste mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele in Peking.
Foto: keystone-sda.ch
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Am Montagabend flatterte eine «Stellungnahme» des Eishockey-Verbandes in die Redaktionsstuben. Überraschend wurde da enthüllt, dass Nati-Coach Patrick Fischer (50) ein gefälschtes Covid-Zertifikat benutzt hatte, um bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking an der Bande stehen zu können.

«Habe mich verleiten lassen, das Zertifikat zu fälschen»
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Nati-Coach Fischer gesteht:«Habe mich verleiten lassen, das Zertifikat zu fälschen»

Nicht wirklich überraschen konnte dabei, dass sich der Zuger nicht geimpft hatte. Schon vor Olympia hatte er gesagt: «Ich bin kein Impfgegner, ich bin kein Impfskeptiker, ich bin aber auch kein Impfbefürworter. Ich habe grundsätzlich grosses Vertrauen in meinen Körper.» Und versprach: «Ich liebe meinen Job und würde nie etwas tun oder lassen, was diesen Job gefährden könnte. Also werde ich mich impfen lassen.» Das war gleich dreifach geflunkert, wenn man es zurückhaltend formulieren will. Denn Fischer wollte sich nicht impfen lassen, liess sich nicht impfen und gefährdete dadurch seinen Job.

Dass er sich nicht impfen lassen will, hängt mit der spirituellen Haltung zusammen, die er mit seinen Erfahrungen in den Regenwäldern in Südamerika bei den Shipibos gemacht hat.

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Bereits im Alter von 33 Jahren war Fischer im Frühling 2009 Knall auf Fall als Profi beim EV Zug zurückgetreten, obwohl man seinen Vertrag um drei Jahre verlängern wollte. Eigentlich habe er schon zwei Jahre vorher andere Ziele verfolgen wollen. «Mit dem Herzen war ich nicht mehr dabei.»

«Ich wusste, dass ich es nie allen recht machen kann»

Er machte sich auf die Suche nach sich selbst. Er versuchte sich als Pokerspieler, machte Yoga, Tai-Chi und fand im Dschungel von Peru bei den Shipibo-Indianern, wonach er suchte. Mit Bruder Marco (53), der auch eine Hockey-Karriere hinter sich hatte, kaufte er in Peru Land, errichtete ein Camp, um das Urvolk und seinen Lebensraum zu schützen. «Indigene Kulturen haben mich schon immer fasziniert», sagte Fischer. Bis heute ist er eng verbunden mit der Kultur der Shipibos, in der Schamanen mithilfe des halluzinogenen Pflanzensuds Ayahuasca Verbindung zur Geisterwelt aufnehmen und eine enge Beziehung zur Natur aufrechterhalten.

«Ich wusste, dass ich es nie allen recht machen kann. Ich sagte mir: Wichtig ist, dass es für mich stimmt und dass ich hinter dem stehen kann, was ich mache und entscheide», sagte Fischer auf die Frage, was er bei den Shipibos gelernt habe.

Fischer ging nie den 08/15-Weg. Bis heute ist er ein Lausbub geblieben, der vieles mit seiner Intuition, seinem Charme und seiner Fähigkeit, Menschen für sich zu gewinnen, machte. So lebte er einst 2006/07 während seiner Zeit in der NHL bei den Phoenix Coyotes im Haus von Wayne Gretzky, der Hockey-Ikone, die sich damals als Trainer versuchte. Über die Fähigkeit, schnell den Draht zu Menschen zu finden, sagte Fischer: «Ich glaube, das habe ich von meinem Mami. Sie ist auch sozial und offen. Mich interessieren die Menschen. Wayne Gretzky hat es wahrscheinlich gefallen, dass ich ihn ganz normal behandle wie jeden anderen auch.» Noch heute trifft sich Fischer ab und zu mit dem «Great One», wenn er in Nordamerika ist.

«Egal wie, es wird irgendwie gut sein»

Mit seiner unkonventionellen Art fand Fischer immer einen Ausweg. Ganz nach seinem Motto: «Es wird kommen, wie es kommen muss. Egal wie, es wird irgendwie gut sein.»

Fischer war schon «als kleiner Bub ein Kind des Glücks», heisst es in einem Blick-Porträt aus dem Jahr 2018, als er die Nati in Kopenhagen zu WM-Silber führt. «Manches fällt ihm in den Schoss, böse sein kann ihm niemand über längere Zeit, Zweifel räumt er mit seinem ansteckenden Lachen aus der Welt.»

Fischer handelt sich auch den Übernamen Ferris Bueller ein, in Anlehnung an den rebellischen Schüler, der mit allen Streichen durchkam, dargestellt von Matthew Broderick, aus der US-Komödie «Ferris macht blau» aus dem Jahr 1986. «Ich war auch kein Kind von Traurigkeit. Ich habe meine Jugend genossen. Und ich hatte sicherlich Glück. Ich habe sensationell gute Eltern, super Geschwister, einen wunderbaren Sohn (Kimi, 24, die Red.). Ich habe Glück mit der Gesundheit und in der Liebe. Ich habe viele schöne Sachen erlebt. Ich habe meinen Sport und meine Leidenschaft zum Beruf machen können. Ich habe für mich ein absolutes Traumleben. Und ich bin mir dessen auch bewusst und dankbar dafür. Ich weiss, dass es auch viel Leid auf unserem Planeten gibt», sagte Fischer noch vor der Hochzeit mit seiner Partnerin Mädy Georgusis und der Geburt seiner Tochter Oceania (5).

Fischer war schon als Spieler ein Rebell

Schon als Spieler sei er ein Rebell gewesen. «Ich hatte Regeln nicht so gerne.» Als Coach aber verlangt er von seinen Spielern bedingungsloses Commitment und setzt die internen Regeln knallhart durch, wie der Fall von Dallas-Verteidiger Lian Bichsel (21) zeigt, der bis und mit Heim-WM im Mai gesperrt wurde, weil er bei einer U20-WM absagte, um sich seinen Platz bei Rögle, seinem neuen Klub in Schweden, zu sichern. Bichsel trug die Konsequenzen für seinen Entscheid. Gleiches lässt sich von Fischer in der Angelegenheit mit dem gefälschten Covid-Zertifikat nicht sagen.

Dass er seinen eigenen Weg – ohne Rücksicht auf Verluste – geht, bringt «Fischi» auch den Erfolg. Er spürte, dass man höhere Ziele anvisieren muss, wenn man mit Stars aus der NHL arbeitet. Er spricht von Medaillen und vom grossen Ziel: Gold. Damit eckt er oft an. Und wenn er 2024 erneut einen Viertelfinal gegen Deutschland verloren hätte, wäre er gefeuert worden. Stattdessen holte er in der Folge seine Silbermedaillen drei und vier, wenn man jene mitzählt, die er 2013 im Staff von Sean Simpson holte. Sein Anteil am wegweisenden Coup von Stockholm ist möglicherweise grösser, als man denkt. Mit seiner Lockerheit war er die perfekte Ergänzung zum misstrauischen Simpson und dessen Assistenten Colin Muller. Doch Fischer geht ohnehin als erfolgreichster Nati-Coach in die Geschichte ein. Neben den Medaillen hat er dem Schweizer Hockey auch zu einem neuen Selbstbewusstsein verholfen und eine eigene Hockey-Kultur geprägt. Längst hat er angekündigt, dass er nach der Heim-WM abtreten werde.

Seinen rebellischen Geist hat Fischer bis heute nicht verloren. So war er es, der vor etwas mehr als einem Jahr den Aufstand gegen Verbandspräsident Stefan Schärer probte, als er den Eindruck hatte, dass zu viele Mitarbeiter in der Verbandszentrale in Glattbrugg ZH unter den Verhältnissen litten. «Ich glaube, es ist besser für alle, wenn du gehst», sagte Fischer. Schärer nahm seinen Hut – und sass kurz darauf für ein Interview mit Blick mit dem Zuger an einem Tisch. Offenbar kann man «Fischi» einfach nicht böse sein.

Gruppe A
Mannschaft
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Österreich
Österreich
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Finnland
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Deutschland
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Großbritannien
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Ungarn
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Lettland
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Schweiz
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Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
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Kanada
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Tschechische Republik
Tschechische Republik
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Dänemark
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Italien
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Slowenien
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Schweden
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