Die erste Hürde hat er gekonnt übersprungen. Der neue Boss des Schweizer Eishockeys heisst Marc Lüthi. Der 65-Jährige wurde am Donnerstag mit einem Glanzresultat von 42 zu 6 Stimmen zum VR-Präsidenten der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) gewählt. Dass er der vierte Mann innert zwei Jahren in diesem Amt ist, zeigt, dass seine Aufgabe alles andere als einfach ist.
28 Jahre lang hatte Lüthi beim SC Bern das Kommando. Er polterte und sorgte für Spektakel neben dem Eis, heuerte und feuerte. Dies wird beim Verband so nicht möglich sein. Seine Handlungsfähigkeit als SIHF-Boss hängt stark davon ab, ob es ihm gelingt, Allianzen zu schmieden und Mehrheiten zu beschaffen.
Der Eishockeyverband ist zwar ein KMU mit einem Jahresumsatz von über 30 Millionen Franken, hat aber Strukturen, die die Interessen von Nachwuchs-, Amateur- und Frauenhockey (NAFS) im gleichen Masse wie jene des Leistungssports berücksichtigen. So schreiben die Statuten vor, dass der Verwaltungsrat je zur Hälfte aus National- und Swiss-League- sowie NAFS-Vertretern besteht.
Intrigen und Machtspiele im Verband
Kritiker halten dieses System für nicht mehr zeitgemäss. Sie argumentieren, dass die VR-Mitglieder primär Interessenvertreter seien. So komme es zu Gärtchendenken und einer «Söihäfeli, Söideckeli»-Mentalität. Insider berichten, dass Machtspiele und Intrigen an der Tagesordnung seien. Jeder schaue nur für sich. Das Gesamtwohl des Schweizer Eishockeys bleibe auf der Strecke. Ausserdem bestimmen Leute über Dinge, von denen sie wenig Ahnung haben. Die Bedürfnisse eines Profi-Unternehmens unterscheiden sich gewaltig von jenen eines 4.-Liga-Klubs.
Neu besteht der VR aus sieben Personen: Lüthi, Lions-CEO Peter Zahner (beide NL), Visp-Präsident Stefan Volken (SL) sowie dem NAFS-Quartett Marc-Anthony Anner, Marc Affolter, Kathrin Lehmann und Sacha Thür. Damit die Parität zwischen Profi- und Amateur-Lager gewahrt bleibt, werden die Stimmenanteile bei VR-Beschlüssen ausgeglichen.
Im Wahlkampf gelang es Lüthi, Brücken zu schlagen. Wenn man davon ausgeht, dass die 24 Delegierten der Profi-Klubs hinter ihm standen, konnte er auch noch 18 der 24 Stimmen der NAFS-Seite ergattern. Dafür machte er am Freitag bei der Medienkonferenz auch Vizepräsident Anner, der neben ihm sass, mitverantwortlich. Dabei hatte sich der Schulleiter aus dem Chabley bei Regionalversammlungen noch dezidiert gegen Lüthi ausgesprochen, sagte aber am Freitag: «Ich bin überzeugt, dass es mit Marc gut kommt.»
In den letzten Jahren hat sich das angespannte Verhältnis zwischen dem Verband und der mächtigen National League, die jederzeit am Geldhahn drehen kann, gar noch verschlechtert. Der Dialog wurde praktisch auf Eis gelegt.
Dabei gerät die SIHF unter den Generalverdacht, zu verschwenderisch mit den Geldern, die sie zu einem grossen Teil von der Liga erhält, umzugehen. Es wurden neue Stellen geschaffen, die Personalkosten sollen in den letzten Jahren um 4 Millionen Franken gestiegen sein, während der Umsatz nur um rund 3 Millionen gesteigert werden konnte.
400'000 Franken für neues Logo und Redesign
Für Kopfschütteln sorgte nicht nur in NL-Kreisen auch das neue Logo, das Redesign mit eigener Schrift und der wenig überzeugende neue Online-Auftritt, was den Verband dem Vernehmen nach 400’000 Franken kostete. Geld, das man anderswo gut gebrauchen könnte.
In den letzten Jahren konnte der Verband zweimal aussergewöhnliche Einnahmen verzeichnen: aus Entschädigungen für die wegen Covid abgesagte WM 2020 und dem Ertrag der Heim-WM in Zürich und Fribourg. Man kann davon ausgehen, dass Lüthi auf die Kostenbremse treten wird. Ihm schwebe ein «ranker und schlanker Verband» vor, sagt der neue Boss, der für seine Tätigkeit mit 90'000 Franken plus 30'000 Pauschalspesen pro Jahr entschädigt wird.
Das Tagesgeschäft leitet nicht der Präsident, auch wenn in den letzten Jahren ein anderer Eindruck entstehen konnte, sondern der CEO. Seit bald zwei Jahren ist Martin Baumann im Amt. Der einstige Direktor der Champions Hockey League steht inzwischen stark in der Kritik. Ein Versuch, ihn abzusetzen, scheiterte unter Lüthis Vorgänger Urs Kessler im VR.
Das Klima in der Zentrale in Glattbrugg ZH soll einmal mehr miserabel sein, wie Beobachter berichten. Schon vor zwei Jahren war dies so gewesen, worauf der damalige Nati-Coach Patrick Fischer Präsident Stefan Schärer den Rücktritt nahegelegt hatte («Ich glaube, es ist besser für alle, wenn du gehst»).
Kann Lüthi auf «einer grünen Wiese beginnen»?
Die grösste Knacknuss im Schweizer Eishockey ist freilich die Swiss League, die nach dem Ausstieg von Winterthur nur noch zehn Teams umfasst. Während Covid wurde die ehemalige Nati B durch den Aufstieg von Ajoie und Kloten (ohne Absteiger) arg geschwächt. Die National League wurde derweil auf 14 Teams ausgedehnt, was sich bisher als irreversibel entpuppt hat, weil sich die NL-Teams nicht einem Abstieg aussetzen wollen. Und schon gar nicht in eine Liga, die wirtschaftlich Lichtjahre hinterherhinkt.
Dabei sind fast alle der Meinung, dass es weit besser für das Gesamtwohl des Schweizer Hockeys wäre, wenn nur ein Dutzend Klubs im Oberhaus wären. Und mit der Bemerkung, dass man auf «einer grünen Wiese beginnen» müsse, zeigte Lüthi am Freitag bereits klar, dass er nun nicht mehr den Hut des SCB, sondern jenen des Schweizer Eishockeys trägt.
Doch Lüthi ist nicht US-Präsident Donald Trump, der mal kurz aus einer Laune heraus den Lake Ontario in Lake America umbenennen kann. Die Grösse der Ligen kann nicht er bestimmen. Das liegt in der Hand seiner ehemaligen Kollegen der National League.
Sollte der neue Boss die zu einer Liga-Reduktion bewegen und die Swiss League auf Vordermann bringen können, wäre das die grössere Leistung als die sieben Meistertitel beim SCB (davon einer bei den Frauen). Alle Probleme wären damit auch noch nicht gelöst. Schliesslich gibt es auch im Frauen-Hockey und im Nachwuchsbereich noch Baustellen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 7 | 32 | 21 | |
2 | Finnland | 7 | 20 | 18 | |
3 | Lettland | 7 | 7 | 12 | |
4 | USA | 7 | 4 | 11 | |
5 | Deutschland | 7 | 1 | 10 | |
6 | Österreich | 7 | -12 | 9 | |
7 | Ungarn | 7 | -24 | 3 | |
8 | Großbritannien | 7 | -28 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 7 | 20 | 20 | |
2 | Norwegen | 7 | 11 | 15 | |
3 | Tschechische Republik | 7 | 2 | 13 | |
4 | Schweden | 7 | 11 | 12 | |
5 | Slowakei | 7 | 2 | 11 | |
6 | Dänemark | 7 | -11 | 6 | |
7 | Slowenien | 7 | -12 | 6 | |
8 | Italien | 7 | -23 | 1 |