Darum gehts
- EVZ verliert 3:7 gegen Davos, Kritik von Spielern und Trainer heftig
- Die Zuger verlieren ihr elftes Playoff-Spiel in Folge
- Regel 69.1 sorgt erneut für Diskussionen, Tor von Schiris anerkannt
«Ein schlechter Witz»
Mehrere EVZ-Akteure sprechen nach der 3:7-Klatsche in Davos von einer inakzeptablen Leistung. Die Kritik von Stürmer Sven Leuenberger klingt so: «Ein schlechter Witz. Es ist Playoff-Hockey und wir spielen wie Schulbuben. Wir kassieren völlig unnötige Strafen. Das ist schlecht, einfach nur schlecht.» Trainer Benoît Groulx ist enttäuscht: «Wir haben unseren Job nicht gemacht.» Und zum Horror-Start mit drei Strafen und drei kassierten Toren in Unterzahl innert neun Minuten: «Das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt.»
Routinier Raphael Diaz, der in seiner langjährigen Karriere schon viel erlebt hat, bewahrt wie immer die Fassung. Aber kalt lässt ihn der Auftritt seiner Mannschaft nicht. Der 40-Jährige will keine Ausreden hören für das Dargebotene: «Alle wissen, dass es extrem bitter und blöd ist, so in ein Spiel zu starten.» Diaz fordert, dass wieder aufgeräumt wird vor dem Tor und den Gegnern die Schusslinien genommen werden. «Wir müssen mit Herzblut dabei sein.»
Ein schlechter Witz
Bloss weg hier. Das müssen sich die Zuger nach dieser Abreibung in Davos gedacht haben. Doch während einige Akteure den blamablen Auftritt noch kurz erklären müssen, wartet auf andere eine ebenso unangenehme Pflicht – und ein Doping-Kontrolleur. Nach dieser Nicht-Leistung werden Nando Eggenberger und David Sklenicka um eine Probe gebeten.
Die Regel 69.1
Einmal mehr sorgt die Regel 69.1 der Torhüterbehinderung für Stirnrunzeln. Oder Verwirrung. Oder beides. Nach dem zweiten Gegentreffer nehmen die Davoser eine Coaches-Challenge. Weil: eine eindeutige Angelegenheit. Doch selbst sie müssen lernen: Das ist es nie. Obwohl EVZ-Schwede Andreas Wingerli im Moment von Elia Rivas Schussabgabe nicht nur durch den Torraum von HCD-Keeper Aeschlimann fährt, sondern ihn auch noch entscheidend am Fanghandschuh berührt, sehen die Refs bei ihrem Video-Studium offensichtlich nichts, das ihren Entscheid auf dem Eis widerlegt. Sie geben den Treffer. Aeschlimann teilt seinen Unmut sofort Headschiri Dipietro mit. Und die HCD-Video- und Goaliecoaches auf der Tribüne sind ratlos, bestätigen aber: Nach einer solchen Aktion würden sie die Coaches-Challenge jederzeit wieder empfehlen.
Denn – um nur ein Beispiel zu nennen: In der Serie zwischen Fribourg und den Lakers ist es zu einer praktisch identischen Szene gekommen wie in Spiel 1. Beim Knaller von Nicklas Jensen touchiert Rappi-Fritz im Torraum Fribourg-Goalie Reto Berra an der Hand. Dieser schüttelt für die Schiris sichtbar seine Pfote, das Tor zählt nicht. Da soll mal noch jemand den Überblick behalten.
Holdens Ausländer-Plan
HCD-Trainer Josh Holden hat ein Luxusproblem: Sieben fitte und leistungsfähige Stamm-Ausländer und zwei Ersatzsöldner (Verteidiger Ludvig Claesson, Goalie Roope Taponen). Somit muss der Schweiz-Kanadier immer einen Söldner auf die Tribüne schicken. Er tut dies erst am Matchtag nach dem Aufwärmtraining. Holden gesteht, dass es für ihn jeweils der grösste und schwierigste Entscheid sei, «denn für den Spieler ist es sicher hart». Holdens Söldner-Management scheint jedoch ein umsichtiges zu sein. Er ist im Gegensatz zu seinem Konkurrenten noch in kein Fettnäpfchen getreten.
Zur Erinnerung: EVZ-Trainer Groulx lässt in Spiel 2 Topskorer Dominik Kubalik auf der Tribüne schmoren. Ein Denkzettel für den Tschechen, um ihn an seine defensive Mitverantwortung zu erinnern. Holdens Entscheide hingegen haben keinen Massnahme-Charakter, wie er bestätigt. Die Playoffs seien die falsche Zeit dafür, um Lektionen zu erteilen. Der Plan des 48-Jährigen ist stattdessen, all seine ausländischen Kräfte bei Laune zu halten. So hat er ihnen vor dem Playoff-Start die Frage gestellt: «Würdest Du ein Spiel aussetzen, wenn Du damit dem Team helfen könntest?» Die einhellige Antwort lautet ja. «Sie wissen, dass es nie etwas Persönliches ist. Sondern immer nur ein Entscheid fürs Team», so Holden.


