Ranking der Viertelfinal-Serien in den Playoffs
Im Wilden Westen krachen die Balken – wo es richtig heiss wird

Zwei Playoff-Runden sind gespielt. Und den Fans wurde schon viel geboten. Am Dienstagabend folgt die Fortsetzung. Blick misst die Temperatur bei den vier Serien.
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1

High Noon im Wilden Westen

  • Servette – Lausanne Stand 1:1 (1:0, 1:5)
  • Intensität: 9/10
  • Emotionen: 9/10
  • Härte: 9/10
  • Spektakel: 8/10
  • Dramatik: 6/10
  • Total: 41/50

Die Spiele beginnen mit einem «Mexican Standoff»: Die beiden vierten Linien stehen wild entschlossen bereit für den ersten Puckeinwurf – da weiss man, was man bekommt: Full Tilt Boogie, volle Kraft voraus, keine Rücksicht auf Verluste. Zwischen Servette und Lausanne kracht es jeweils vor allem im ersten Drittel gewaltig, da werden die Claims abgesteckt, die Torhüter attackiert und Checks auch dann noch durchgezogen, wenn die Sperrfrist längst abgelaufen ist.

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Wilder Westen: Servette-Stürmer Matthew Verboon verpasst Lausannes Raphael Prassl einen Faustschlag.
Foto: Getty Images

Hier brennen Sicherungen durch: Bei Lausanne wird der Haudegen Aurélien Marti in diesem Klima zum ersten Forechecker (der ist eigentlich Verteidiger), der Verteidiger Brännström versucht, gegnerische Stöcke mit den Schlittschuhen zu zertreten, und der Stürmer Floran Douay kassiert dämliche Strafen à gogo. Das orchestrierte Chaos bringt Lausanne im zweiten Spiel aber Vorteile, weil das Genfer Powerplay im hektischen Klima den Dienst quittiert.

Marti klebt Karrer ans Plexi
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Heftiger Check gegen den Kopf:Lausannes Marti klebt den Genfer Karrer ans Plexi

Falls in diesem Härtegrad weitergemacht wird, dürften sich aufgrund von Sperren oder Verletzungen bald personelle Engpässe ergeben.

2

Die Temperatur steigt im Tessin

  • ZSC Lions – Lugano Stand 2:0 (1:0, 5:4)
  • Intensität: 7/10
  • Emotionen: 8/10
  • Härte: 7/10
  • Spektakel: 7/10
  • Dramatik: 8/10
  • Total: 37/50

Im zweiten Spiel nähert sich der Hitzegrad langsam jenem der Vergangenheit in diesem Playoff-Klassiker an. Als Alessio Bertaggia einen gefährlichen Check mit viel Anlauf gegen Doppeltorschütze Jesper Frödén landet und dann die Flucht vor den Zürcher Rächern ergreift, schnappt ihn Juho Lammikko am Schlafittchen und befördert ihn von der Bank aufs Eis zurück. Der Tessiner kommt mit einer Zweiminutenstrafe und ein paar Streicheleinheiten aber glimpflich davon. Und der Finne? Der bleibt gar unbestraft.

ZSC-Lammikko zieht Bertaggia von der Bank zurück aufs Eis
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Für Prügelei nach Check:ZSC-Lammikko zieht Bertaggia von der Bank zurück aufs Eis

Zweimal setzte sich der Meister bisher durch. Dramatisch für die Tessiner: Sie sind getreu ihrem Motto «non mollare mai» (niemals aufgeben) während sechs Dritteln angerannt. Doch selbst total 71 Schüsse aufs Tor von Simon Hrubec bringen ihnen keinen Sieg, auch wenn es nicht an heissen Szenen vor dem zweifachen Meister-Goalie mangelt. Auf der anderen Seite spielt der Titelverteidiger seine Klasse aus und lässt Niklas Schlegel schlecht aussehen.

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Lugano-Tscheche Jiri Sekac prügelt sich mit ZSC-Doppeltorschütze Jesper Frödén (rechts).
Foto: keystone-sda.ch

Dieses Duell hat immer noch Potenzial. Damit es noch richtig rund geht, braucht es einen ersten Sieg der Bianconeri. In den bisherigen acht Playoff-Duellen der beiden alten Rivalen (fünf Zürcher Siege) hat Lugano immer mindestens eine Partie gewonnen. Sattelfest wirkt der ZSC jedenfalls nicht. In der Endphase leisten sich bei den Lions selbst Routiniers wie Yannick Weber (Strafe) und Mikko Lehtonen (Icing im Powerplay) ungewohnte Fehler.

3

Drama mit Happy-End für Davos

  • Davos – Zug Stand 2:0 (4:3, 2:0)
  • Intensität: 7/10
  • Emotionen: 6/10
  • Härte: 6/10
  • Spektakel: 7/10
  • Dramatik: 9/10
  • Total: 35/50

Was der EVZ in dieser Serie braucht, ist ein anderer Autor: Die ersten beiden Folgen hat offensichtlich ein Drehbuchschreiber aus dem Landwassertal inszeniert. In der ersten Episode gerät der HCD in eine scheinbar ausweglose Situation und wirft dann in heroischer Manier alles wieder über den Haufen, die Pointe zum Schluss ist ein Tor des Haudegens Frehner, der das Nationalheiligtum Genoni kurz vor Schluss bezwingt. Cliffhanger? Gibt es in Playoff-Serien ja nicht, aber der Schreiber gönnt uns nicht mal eine Verlängerung.

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Zug-Stürmer Mike Künzle vergibt eine Top-Chance vor HCD-Keeper Sandro Aeschlimann.
Foto: Mike Wiss/freshfocus

Episode zwei ist nicht weniger fesselnd, auch wenn der Autor dabei keinen Part für den Bösewicht Lemieux gefunden hat. Der EV Zug macht aus einem deutlichen Chancenplus nichts, aber gar nichts. Warum? Weil der Drehbuchschreiber ein diabolischer HCD-Anhänger ist. Beim Scharfschützen Hofmann stellt sich der Puck bei der Schussabgabe plötzlich quer, Künzle zielt bei offenem Tor so genau, dass er nur den Pfosten trifft. Der will einfach nicht rein. Auf der anderen Seite? Selbst wenn es keine Hoffnung mehr gibt und der Davoser Schlussmann Aeschlimann orientierungslos und ohne Stock auf dem Rücken liegt, geht der Puck irgendwie nicht über die Linie, nein, er kullert in einem unmöglichen Winkel am Kasten vorbei. Auf der Gegenseite geht aber ein verdeckter Flachschuss von Knak rein, als Genoni den Stock verliert. Das ist zu viel. Die Pointe am Schluss? Der EVZ greift ohne Torhüter an, vertändelt dann aber in einer slapstickreifen Szene den Puck, der dann im leeren Kasten landet.

Geht das so weiter, ist nach vier Episoden Schluss. Vier Episoden? Zu kurz für eine gute Serie. Mindestens sechs dürfen es schon sein. Dafür muss aber ein anderer Drehbuchschreiber her.

Aeschlimann pariert mirakulös im Liegen gegen Tatar
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Zuger können es nicht glauben:Aeschlimann pariert mirakulös im Liegen gegen Tatar
4

Strafenkönig Jelovac freut sich auf die Fortsetzung

  • Fribourg – SCRJ Lakers Stand 0:2 (2:5, 1:2)
  • Intensität: 6/10
  • Emotionen: 9/10
  • Härte: 4/10
  • Spektakel: 5/10
  • Dramatik: 9/10
  • Total: 33/50

Als Aussenseiter Rappi den ersten Akt schon über die Bühne gebracht hat, geht der Vorhang noch einmal auf und Igor Jelovac sorgt für eine Zugabe. Der NL-Strafenkönig provoziert nach seinem 5:1 ins leere Tor genüsslich das Fribourger Publikum. Und ruft damit eine Reaktion bei den Gottéron-Spielern hervor. Erst will sich Kévin Nicolet (1,77 m) mit dem 1,96-m-Verteidiger anlegen, lässt es aber beim Verbalen bewenden. Dann tritt das ehemalige NHL-Schlachtross Patrik Nemeth (1,92 m) auf den Plan. Wenn auch erfolglos. Da sich auch noch Mauro Dufner und Jeremi Gerber und zum Schluss Mika Henauer und Jamiro Reber an die Wäsche gehen, stellen die Teams mit total 218 Strafminuten kurzerhand einen neuen Playoff-Rekord auf, was angesichts des harmlosen Spiels erstaunt. Und mit Jelovac haben die Rappi-Fans ihren Helden und die Serie eine Reizfigur, wenn es heute Abend in Fribourg in Runde 3 geht. Macht er sich Sorgen? «Überhaupt nicht. Ich freue mich», sagt Jelovac lachend. 

Plötzlich prügen alle aufeinander ein
2:00
Jelovac provoziert Fans:Plötzlich prügen alle aufeinander ein

Besonders brisant ist diese Partie, weil Gottéron am Sonntagabend trotz acht Minuten Powerplay und Dauerdruck im Schlussabschnitt den Puck nicht mehr an Goalie Melvin Nyffeler vorbeibringt und 1:2 verliert. Das Rönnberg-Team muss nun vier von fünf Spielen gewinnen.

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Strafenkönig Igor Jelovac von den SCRJ Lakers sorgt mit seinem Jubel für Aufregung in Fribourg.
Foto: Claudio de Capitani/freshfocus

Da braut sich einer der grössten Playoff-Coups der Geschichte zusammen. Erst einmal hat ein Team, das sich über die Play-Ins oder Pre-Playoffs in den Viertelfinal spielte, den Halbfinal erreicht. Das waren die Lakers, die 2021 Lugano überrumpelten.

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