Darum gehts
- EVZ-Trainer Liniger kämpft mit Leistungsschwankungen und enttäuschenden Saisonresultaten
- Haarsträubende Puckverluste und offensive Schwächen prägen Zuger Spiele negativ
- Acht Partien in 14 Tagen – inklusive Halbfinale gegen Lulea in CHL
Es ist keine Debüt-Saison, wie man sie einem Headcoach-Rookie wünscht: EVZ-Trainer Michael Liniger kann nur selten durchatmen. Namhafte Ausfälle, Leistungsträger, die keine mehr sind. Die Achterbahnfahrten seines Teams nehmen kein Ende. Die Zuger haben es tatsächlich noch nicht geschafft, drei Siege aneinanderzureihen. Nach durchzogenem Herbst werden vor Weihnachten drei der vier Partien gewonnen – der Umschwung? Mitnichten. Im neuen Jahr wird der EVZ mit einer 0:7-Ohrfeige in Lausanne begrüsst, die Spieler sprechen von einer Peinlichkeit (Genoni), einem Desaster (Tatar).
Die Reaktion im Duell gegen Kloten? Nicht ausreichend bei der 1:2-Niederlage nach Verlängerung. Zufrieden ist Liniger nur mit einem Punkt: «In der Defensive haben wir umgesetzt, was wir besprochen haben. Da waren wir viel solider.» Weitere Komplimente verteilt er jedoch nicht flächendeckend. «Im ersten Drittel waren wir verunsichert. Von ein paar Spielern sah ich eine Reaktion über die ganze Partie, aber nicht von der ganzen Mannschaft.» Vor allem Aufwand und Ertrag in der Offensive bemängelt der 46-Jährige.
Haarsträubende Puckverluste
Eine augenscheinliche Schwäche gegen Kloten: haarsträubende Puckverluste. Führt sie Liniger auf die fortwährende Verunsicherung zurück? «Nein, denn wir hatten sie auch schon in Lausanne. Ich kann es nicht beantworten, vielleicht fehlende Konzentration. Die gefährlichen Chancen der Klotener entstanden durch krasse Fehler von uns. Wir vertändeln die Scheibe. Es war kein gutes Wochenende.»
Verlorene Zweikämpfe – ob mit oder ohne Puck –, holprige Offensive, löchrige Defensive, Brems- statt Gaspedal, fehlende Geradlinigkeit und Entschlossenheit. Der EVZ hat es in dieser Saison noch kaum je geschafft, in einem Spiel in allen Bereichen zumindest eine solide Leistung abzuliefern. «Ja, das ist sehr frustrierend», so Liniger, «wenn man wüsste, woran es jeweils fehlt, könnte man gezielt daran arbeiten.» Aber es sei immer etwas anderes.
Lösungen statt Ausreden
Dazu kommen ein ausgedünntes Line-up aufgrund von Verletzten und U20-Abwesenden, Krankheitsfälle über die Festtage, ein fordernder, weil komprimierter Spielplan mit acht (!) Partien in 14 Tagen – CHL-Halbfinals inklusive. Doch Liniger will keine Ausreden suchen, «sondern Lösungen». Wie die aussehen? Der Trainer nimmt die ganze Mannschaft in die Pflicht. Denn: Es braucht einen Effort, um die Top 6 und damit die direkte Playoff-Qualifikation zu erreichen. Bei den aktuellen Leistungsschwankungen drohen eher die Play-Ins.
Aufgrund der seit den Meistertiteln 2021 und 2022 gestiegenen Erwartungen in Zug eher düstere Aussichten. Die vielleicht auch schon zu Diskussionen um die Position von Liniger geführt hätten – wäre da nicht die Champions Hockey League. Der Lichtblick dieser EVZ-Saison. Dort halten die Zuger die Schweizer Fahne hoch, haben sich souverän in den Halbfinal gespielt, wo mit dem schwedischen Meister Lulea die nächste Hürde wartet, die man nehmen will.



