Zürcher Herzskandal
Spital meldet Staatsanwaltschaft 10 verdächtige Todesfälle

Im Mai schockierte der Herzskandal am Unispital Zürich die Schweiz. Jetzt untersucht die Staatsanwaltschaft zehn Fälle und prüft strafrechtliche Vergehen.
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Der Arzt Francesco Maisano steht im Zentrum der Zürcher Herzaffäre.
Foto: Gruppo San Donato

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Herzskandal am Unispital Zürich: Über 70 Todesfälle seit Mai untersucht
  • Zehn Verdachtsfälle und drei Strafanzeigen, darunter fahrlässige Tötung
  • 44 von 4500 Cardioband-Operationen betroffen, Komplikationsrate bei 12 Prozent
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Janine EnderliRedaktorin News

Anfang Mai erschütterte der Herzskandal am Zürcher Unispital die Schweiz: Insgesamt starben über 70 Menschen zu viel. 

Die Zürcher Staatsanwaltschaft untersucht aktuell zehn verdächtige Todesfälle, wie der «Tagesanzeiger» unter Berufung auf die Oberstaatsanwaltschaft berichtet. Die zehn Meldungen wurden vom Unispital selbst eingereicht. 

Oberstaatsanwältin Susanne Leu erklärte laut der Zeitung vor den Medien, die Abklärungen würden längere Zeit in Anspruch nehmen. Geprüft werde insbesondere, ob strafrechtlich relevante Handlungen vorliegen und gegen wen sich mögliche Vorwürfe richten könnten.

Maisano weist Vorwürfe zurück

Im Zentrum der Schlagzeilen steht der ehemalige Chef der Herzchirurgie, Francesco Maisano. Der Italiener leitete von 2016 bis 2021 die Klinik und ist derzeit in Italien tätig. Blick-Reporter Nicolas Lurati begab sich auf Spurensuche nach dem Arzt und stellte fest, dass Maisano in Italien als Superstar wahrgenommen wird. 

Rund zehn Tage nach Publikation des Untersuchungsberichts hat sich der Mediziner auch selbst zur Affäre geäussert. Er wies die Vorwürfe zurück und gab an, in der Deutschschweiz hätte man keinen Italiener an der Spitze einer solchen Abteilung akzeptiert. 

Spezial-Staatsanwälte kümmern sich um Fall

Zusätzlich zu den zehn Meldungen gingen am Donnerstag drei Strafanzeigen gegen unbekannt bei der Staatsanwaltschaft ein, wie diese in einer Medienmitteilung erklärt. Dabei steht der Verdacht auf fahrlässige Tötung, fahrlässige schwere Körperverletzung sowie Urkundenfälschung im Raum. Ausserdem wurden elf Fälle gemeldet, die den möglichen unsachgemässen Einsatz von Medizinprodukten betreffen.

Maisano erklärte dazu, das von ihm mitentwickelte Cardioband sei bei 44 von 4500 durchgeführten Eingriffen verwendet worden. Die Komplikationsrate habe «etwa 12 Prozent» betragen. Das sei laut der aktuellen wissenschaftlichen Literatur erwartbar.

Mit der Untersuchung befassen sich nun vier spezialisierte Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Sie verfügen über Erfahrung in den Bereichen Medizinal- und Wirtschaftsstrafrecht sowie bei Delikten im öffentlichen Dienst, da das Universitätsspital als öffentlich-rechtliche Institution gilt.


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