Darum gehts
- Nesip Dedeler radikalisierte sich teils in der Türkei ab 2024
- Türkische Anti-Terror-Einheiten verhafteten 525 mutmassliche IS-Unterstützer im April 2026
- Dedeler nutzte soziale Medien für staatsfeindliche Inhalte, laut Ermittlern aus Europa
Nesip Dedeler (31) ist Schweizerisch-türkischer Doppelbürger. Wie nun bekannt wurde, spielte die Türkei offenbar eine wesentliche Rolle bei der Radikalisierung des Islamisten von Winterthur. So berichtet es ein Sicherheitsexperte. Nachdem Dedeler im Jahr 2024 zeitweise aus dem Blickfeld der Schweizer Behörden verschwunden war, führte seine Spur offenbar in das Land am Bosporus. Dort soll er ins Visier der Anti-Terror-Ermittler geraten sein.
Der Vater des 31-Jährigen bestätigte gegenüber Blick dessen Aufenthalt in der Türkei. Weil sich die Eltern eine Verbesserung in der Türkei erhofften, zog Nesip Dedeler für eine Weile dorthin. Doch auch in seiner zweiten Heimat fand der 31-Jährige laut seinem Vater keinen Platz. «Er hatte ständig Diskussionen mit anderen Menschen, stritt viel. In der Türkei muss man aber aufpassen, mit wem man sich anlegt.»
Sicherheitsbehörden wurden aufmerksam
Emre Öztürk, Anti-Terrorismus-Experte bei der Polizei in Ankara, sagt laut «20 Minuten», dass sich der Mann während seines Aufenthalts in der Türkei offenbar weiter radikalisiert habe.
Nach Angaben des Experten geriet der 31-Jährige in den Fokus türkischer Anti-Terror-Einheiten. Die Behörden seien auf sein Umfeld aufmerksam geworden, insbesondere im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).
525 mutmassliche IS-Unterstützer festgenommen
Im April führten türkische Sicherheitskräfte eine gross angelegte Operation durch. Dabei wurden laut Innenministerium insgesamt 525 mutmassliche IS-Unterstützer festgenommen. Ein Teil dieser Personen soll laut Öztürk aus dem erweiterten sozialen und ideologischen Umfeld von Dedeler stammen.
Konkrete Namen nennt der Experte nicht. Er betont jedoch, dass viele der betreffenden Personen Verbindungen nach Westeuropa hätten und soziale Medien als zentrale Plattform nutzten. Unter anderem sei es das Ziel gewesen, die Türkei als organisatorischen Knotenpunkt für Aktivitäten zu verwenden.
Radikalisierung begann in der Schweiz
Nach den umfangreichen Ermittlungen gingen die türkischen Behörden offenbar davon aus, dass Dedeler das Land verlassen hatte. Laut Öztürk wurde damals vermutet, dass er in die Schweiz zurückgekehrt sei.
Trotz seiner Kontakte sei der 31-Jährige in der Türkei nie als unmittelbare Gefährdung eingestuft worden. Auffällig sei jedoch gewesen, dass zahlreiche Personen aus seinem Umfeld entweder verhaftet oder strafrechtlich verfolgt worden seien. Bekannt ist laut dem Experten lediglich ein polizeilicher Eintrag gegen Dedeler. Dieser stehe im Zusammenhang mit beleidigenden Äusserungen gegenüber dem türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk.
Aus Sicht der türkischen Ermittler liegen die Wurzeln der Radikalisierung jedoch nicht in der Türkei. Öztürk geht davon aus, dass der Prozess bereits zuvor in der Schweiz begonnen habe – hauptsächlich über digitale Kanäle. «Nach unseren Erkenntnissen wurde Dedeler in der Schweiz radikalisiert», wird der Experte von «20 Minuten» zitiert.