Darum gehts
- Nesip Dedeler (31) fiel in Winterthur durch religiösen Eifer auf
- Er verbreitete Inhalte der extremistischen Furkan-Bewegung auf Instagram
- Die Furkan-Bewegung wird in Deutschland als extremistisch eingestuft
Schon lange vor der Messerattacke am Bahnhof Winterthur fiel Nesip Dedeler (31) in seinem Umfeld durch seinen religiösen Eifer auf. Das erzählt ein 23-jähriger Mann aus Winterthur, der ihn aus dem Umfeld der Diyanet-Moschee kennt, gegenüber «20 Minuten».
Der Mann erinnert sich an den Koranunterricht während seiner Kindheit. Viele Kinder seien damals eher auf Druck der Eltern in die Moschee gegangen. Nesip Dedeler habe sich davon deutlich unterschieden. «Er war sehr involviert», sagt er. Auf ihn habe es so gewirkt, als wolle Nesip Dedeler später einmal Imam werden. Der 23-Jährige erinnert sich zudem an einen Vorfall bei einem Anlass in der Moschee, bei dem es zu einem Konflikt gekommen sei: «Ich kann mich erinnern, dass er mich dort verprügelt hat. Dann habe ich auch geweint», sagt er zu «20 Minuten».
Verdächtige Instagram-Posts
Jahre später stiess der junge Mann erneut auf Dedeler – diesmal auf Instagram. Dort seien ihm zahlreiche Inhalte aufgefallen, die er geteilt habe. Besonders häufig habe er Beiträge von Alparslan Kuytul verbreitet, dem Gründer der Furkan-Bewegung. Für den Winterthurer ist klar: «Wenn normale Menschen zwei oder drei Beiträge von diesem Typen sehen, dann wissen sie: Das ist ein Extremist.»
Was steckt hinter der Furkanbewegung?
Der Name dürfte den wenigsten Schweizern etwas sagen. In islamistischen Kreisen ist Alparslan Kuytul hingegen seit Jahren bekannt. Der türkische Prediger gründete Anfang der 1990er-Jahre die Furkan-Bewegung und gilt bis heute als deren geistiger Kopf.
Kuytul präsentiert sich als religiöser Lehrer und Kritiker der türkischen Regierung. Seine Anhänger verehren ihn als Gelehrten. Kritiker sehen in ihm dagegen einen Prediger, der ein streng konservatives und fundamentalistisches Islamverständnis verbreitet.
Westliche Wertvorstellungen werden abgelehnt
Die Furkan-Bewegung versteht sich selbst als religiöse Erneuerungsbewegung. Sicherheitsbehörden in Deutschland stufen sie jedoch als extremistisch ein.
In der Schweiz wird sie nicht als eigene Organisation geführt, taucht jedoch im Kontext der allgemeinen Extremismus- und Radikalisierungsbeobachtung auf. Kritisiert werden vor allem ihre fundamentalistischen Ansichten und ihre Ablehnung westlicher Wertvorstellungen.