Die Akte Jeffrey Epstein
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Die Akte Jeffrey Epstein:Sex-Insel, Machtmenschen, Suizid

«Ich hätte zwei Kandidatinnen»
Zürcher Bankerin soll Epstein junge Frauen vermittelt haben

Eine russische Bankerin aus Zürich soll über Jahre hinweg mit Jeffrey Epstein kooperiert haben. Alina Selnowa vermittelte junge Frauen und erhielt dafür Geld und Kontakte. Neue Akten werfen Fragen zu Schuld und Abhängigkeit auf.
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Jeffrey Epstein hatte sich ein weltweit verzweigtes Missbrauchsnetzwerk aufgebaut.
Foto: Rick Friedman

Darum gehts

  • Bankerin war acht Jahre mit Jeffrey Epstein verbunden
  • Sie vermittelte junge Frauen, erhielt dafür Studiengebühren und Geld
  • 2014 überwies Epstein Selnowa 1000 Dollar nach Berkeley
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Jeffrey Epstein (†66) hatte mehrere Verbindungen in die Schweiz. Das geht aus den mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausenden Videos und weit mehr als 100'000 Fotos hervor, die das US-Justizministerium Ende Januar veröffentlichte. Er chattete ausgiebig mit ihnen – und bezahlte Hotels, Flugtickets und Ausbildungen.

Jetzt berichtet die «Neue Zürcher Zeitung» über einen weiteren wichtigen Kontakt für Epstein in der Schweiz. Es geht um eine russische Bankerin, die in Zürich gearbeitet hat, finanzielle Unterstützungen und Vermittlungen junger Frauen. 

«Beide smart und blond»

Die Frau war Anfang 20, als sie Epstein 2011 in Paris kennenlernte. Der Kontakt entwickelte sich rasch zu einer intensiven Verbindung. In E-Mails bat sie Epstein um Unterstützung für ihr Jusstudium, während sie ihm im Gegenzug junge Frauen vorstellte.

In einer Nachricht vom Oktober 2011 schrieb sie: «Ich hätte zwei Kandidatinnen, wenn du möchtest: ein russisches und ein österreichisches Mädchen, beide smart und blond.» Dies war nur der Anfang einer Beziehung, die von gegenseitiger Abhängigkeit, Manipulation und moralischer Ambivalenz geprägt war.

«Manchmal denke ich, dass ich deine Ghislaine Maxwell aus Paris bin»

Die von der «NZZ» analysierten Akten, die durch unzureichend geschwärzte Dokumente des amerikanischen Justizministeriums zugänglich wurden, zeigen, wie Epstein die junge Frau finanziell unterstützte. Unter anderem zahlte er ihre Studiengebühren an der renommierten Berkeley-Universität in Kalifornien. Im Gegenzug forderte Epstein, dass die Russin ihm Frauen vorstellt. Im März 2013 schrieb sie: «Manchmal denke ich, dass ich deine Ghislaine Maxwell aus Paris bin.»

In einer Nachricht aus dem Juli 2014 nannte sie Epstein den «talentiertesten Psychologen und den gefährlichsten Manipulator». Dennoch hielt sie an der Beziehung fest und lieferte weiterhin Fotos und Informationen junger Frauen. 

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