Darum gehts
«Kann diese Frau noch Königin werden?» Seit bekannt ist, wie eng Kronprinzessin Mette-Marit (52) mit dem verstorbenen Serienvergewaltiger Jeffrey Epstein (†2019) verbandelt war, fragt sich das nicht nur die norwegische «Aftenposten», sondern das ganze Land. Die Ehefrau von Kronprinz Haakon (52) bezeichnete Epstein in Hunderten von persönlichen E-Mails als «Schatz», witzelte mit ihm über «Seitensprünge in Paris», «Nacktbilder an der Wand meines Sohnes» und «Labor-designte Menschen».
Laut einem von Epsteins Ex-Assistenten schickte sie dem Sex-Grüsel sogar Fotos von sich. Epstein nutzte die Prinzessinnen-Bilder, um Mädchen und jungen Frauen die Angst vor ihm zu nehmen. Mette-Marit gibt sich wortkarg zu all dem. Das norwegische Königshaus aber ist in Aufruhr. Und auch drüben bei den britischen Royals steht der Haussegen nach den jüngsten Epstein-Enthüllungen richtig schief. Zieht der pädophile Sex-Täter posthum die verbliebenen Reste der europäischen Königshäuser mit sich in den Abgrund?
Im Fall von Norwegen scheint das nicht völlig undenkbar. Anfang Woche stimmte das norwegische Parlament auf Antrag der Links-Partei über die Abschaffung der Monarchie ab (141 Nein zu 26 Ja). Das macht das «Storting» traditionellerweise zum Auftakt jeder Legislaturperiode. Noch nie aber zeigten so viele Norwegerinnen und Norweger in Umfragen dem Königshaus die kalte Schulter.
Epstein hat Norwegens Elite unterwandert
Laut einer aktuellen Erhebung haben nur noch 61 Prozent der Nordländer ein positives Bild der Royals (gegenüber 72 Prozent im Vorjahr). Dass Mette-Marit sich bald die Krone aufsetzen könnte (ihr Schwiegervater König Harald ist 88), bringt fast die Hälfte der Befragten in Aufruhr. Nur ein Drittel der Norweger würde Mette-Marit als Königin akzeptieren.
Norwegen trägt von den jüngsten Epstein-Veröffentlichungen eine besonders krasse Schramme davon: Neben den blaublütigen Palastbewohnern stehen auch zivile Würdenträger im Visier. Die Staatsanwaltschaft hat auch eine Korruptionsuntersuchung gegen Ex-Premier Thorbjon Jagland (75) eröffnet. Und Ex-Aussenminister Børge Brende (60) kommt wegen seiner Epstein-Kontakte als Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos in arge Bedrängnis.
Drüben auf der britischen Insel sind die royalen Sorgen derweil nicht geringer. Neue Grüsel-Fotos von Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor (65) zwangen König Charles III. (77), seinen jüngeren Bruder aus der Royal Lodge (30 Schlafzimmer) in den ländlichen Königssitz Marsh Farm (5 Schlafzimmer) zu verbannen. Bis das neue Zuhause hergerichtet ist, «muss» der gefallene Prinz in der noch kleineren Wood Farm hausen. Da weigern sich die Angestellten aber offenbar, ihm zu Diensten zu sein. Too bad!
Das britische Königshaus könnten bald noch ganz andere Sorgen plagen. Im Epstein-Sog laufen sich dieser Tage nämlich einmal mehr die britischen Republikaner warm. Sie wollen das Königreich seit jeher abschaffen. Bei den unter 25-jährigen Briten sind inzwischen fast 40 Prozent für den Umsturz. Und selbst gestandene Royal-Experten wie Stephen Bates vom britischen «Guardian» zweifeln daran, ob die Royals den Herausforderungen der Zeit noch gewachsen sind. «Die einst unterhaltsam königliche Seifenoper hat ein bitteres Kapitel erreicht», schreibt Bates.
Möglich wäre eine Abschaffung der Monarchie theoretisch. Neben einer Volksbefragung bräuchte es dazu eine parlamentarische Mehrheit. Der König selbst müsste das Ende des Königreichs dann mit seiner Unterschrift bestätigen. Ähnliche Prozedere haben eine ganze Reihe von Königshäusern schon durchlaufen, zuletzt das Ex-Königreich Barbados 2021 oder Griechenland 1974.
Was würde mit den 22-Milliarden-teuren Schlössern passieren?
Für das Vereinigte Königreich – eine royale Institution seit König Æthelstan 927 die verschiedenen Mini-Reiche auf der Insel zu einem Haus vereint hatte – wäre der Untergang der Monarchie allerdings dramatisch. Eine neue Währung, eine neue Nationalhymne, neue Feiertage müssten her. Die vom König bestimmten Vertreter im House of Lords, dem Oberhaus des britischen Parlaments, müsste aufgelöst und die Grundgesetze umgeschrieben werden (eine eigentliche Verfassung hat Grossbritannien nicht).
Unklar wäre auch das Schicksal der zahlreichen Schlösser und Ländereien im Wert von geschätzt 22 Milliarden Franken. Würden sie in Hotels und Museen umgewandelt wie einst die Paläste der Könige im indischen Rajasthan? Würden sie von reichen Privaten aufgekauft? Müsste Ex-Prinz Andrew in eine noch kleinere, noch abgelegenere Bleibe ziehen?
Sieben Königreiche gibt es in Europa noch (neben den Krisen-Reichen Norwegen und Vereinigtes Königreich auch Schweden, Dänemark, Belgien, die Niederlande und Spanien). Nach den Epstein-Enthüllungen haben mindestens einige der noblen Gesellschaften mit einem üblen Imageproblem zu kämpfen. Drüben in den Vereinigten Staaten von Amerika ist für den 28. März eine neue landesweite «No Kings»-Demonstration angesagt (es soll der grösste Massenprotest der US-Geschichte werden). Gut möglich, dass sich Europa von den anti-royalen Vibes aus Übersee anstecken lässt.