Darum gehts
- US-Justizministerium veröffentlichte Millionen Epstein-Dokumente mit erschreckenden Details und Verbindungen
- Epstein nutzte Immobilien wie Privatinsel und Ranch für systematischen Missbrauch
- Epstein kaufte 4-Millionen-Dollar-Helikoper für Transport minderjähriger Opfer
Mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausende Videos und weit mehr als 100'000 Fotos: Das US-Justizministerium hat Ende Januar weitere Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (†66) veröffentlicht. Immer mehr furchtbare Details werden bekannt. Darunter auch Verbindungen in die Schweiz.
Für den systematischen Missbrauch nutzte Epstein oft die eigenen vier Wände. Aber natürlich keine kleinen Wohnungen. Der Multimillionär hatte ein ganzes Portfolio an Immobilien, um seine Opfer zu missbrauchen.
Little Saint James
Die berüchtigte Privatinsel Little Saint James in der Karibik soll Epstein oft für den Missbrauch genutzt haben. Sein Privatjet mit dem Übernamen «Lolita-Express» soll minderjährige Mädchen regelmässig dorthin geflogen haben. Neben dem Privatjet war auch ein Helikopter im Einsatz.
Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell (64) soll den Helikopter mit Missbrauchsopfern häufig sogar selber zu Epsteins Privatinsel geflogen haben. Laut Dokumenten hatte ihr Epstein die Pilotenlizenz bezahlt und einen 4-Millionen-Dollar-Heli gekauft, damit sie minderjährige Mädchen gleich persönlich auf die als «Pädophilen-Insel» bekannt gewordene Insel Little Saint James bringen konnte.
Great Saint James
Es handelt sich um die Nachbarinsel von Little Saint James. Dort wollte sich Epstein ein zweites Refugium bauen. Er kaufte die Insel im Jahr 2016. Der genaue Preis ist nicht bekannt. Bis zu umgerechnet 17 Millionen Franken soll die Insel gekostet haben. Die Bauarbeiten gestalteten sich aber schwierig. Es kam zu Problemen mit den Behörden. Die Arbeiten verzögerten sich. Und die perversen Machenschaften von Epstein flogen auf. Vor drei Jahren wurden die beiden Jungferninseln verkauft.
Zorro Ranch
Die riesige Zorro Ranch liegt abgelegen in einem Wüstengebiet des US-Bundesstaates New Mexico. Stanley heisst die Ortschaft. Die nächste grössere Stadt ist Santa Fe. 100 Quadratkilometer gross ist das gesamte Anwesen. Niemand konnte wissen, was auf dem Gelände vor sich ging. Zur Ranch gehört auch eine Flugpiste für Privatjets.
Die Ranch war von einem neuseeländischen Ehepaar namens Karen und Brice Gordon gemanagt worden. Die beiden verwalteten nicht nur die Ranch, sie veranstalteten auch Sexpartys. In den veröffentlichten Epstein-Files wurde bekannt, dass Brice Gordon auch für Little St. James zuständig war. Er taucht als «Inselmanager» auf. Das berichtet die neuseeländische Zeitung «Stuff».
Aus den Akten geht auch hervor, dass es wohl nicht «nur» um den Missbrauch von Minderjährigen ging. In einer Mail ist die Rede von zwei Frauen, die während des Sex erwürgt worden sein sollen und in der Nähe der Ranch vergraben worden seien. Ob das FBI in diesem Fall ermittelt hat, ist aber nicht bekannt.
Villa in Palm Beach
Das Anwesen ist gerade wieder in den Schlagzeilen. Der Grund: In den neuesten Akten findet sich ein Foto. Darauf zu sehen: Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen (52). Sie sitzt auf einer cremefarbenen Couch in der Villa von Epstein.
Laut den Akten soll die Aufnahme während eines Aufenthalts im Jahr 2013 in seiner Palm-Beach-Villa entstanden sein. Der norwegische Hof hat bestätigt, dass Mette-Marit damals vier Tage auf dem Anwesen verbracht hat.
Das Bild mit Mette-Marit? Kein Zufall. Epstein soll eine klare Strategie gehabt haben: Fotos mit prominenten Persönlichkeiten, die er in seinen Häusern ausstellte, sollten potenzielle Opfer täuschen. Das bestätigte eine ehemalige Assistentin Epsteins gegenüber der Zeitung «Aftenposten».
Die norwegische Kronprinzessin entschuldigte sich und erklärte, nichts von dem systematischen Missbrauch gewusst zu haben.
Die Villa war auch Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen Epstein. Eine Minderjährige hatte sich an die Polizei gewandt, weil sie von Epstein in der Villa missbraucht worden sei. Es wurde ermittelt und schliesslich das Anwesen untersucht. Die Ermittler fanden Fotos von minderjährigen Mädchen. Am Ende wurde er verurteilt und kam ins Gefängnis. Etwas mehr als ein Jahr sass Epstein ein – danach machte er mit dem Missbrauch weiter.
Herbert N. Straus in New York
Das Stadthaus in Manhattan wurde ebenfalls im Zuge von Ermittlungen gegen Epstein durchsucht. Fotos von nackten Minderjährigen wurden dabei entdeckt. Das Stadthaus gehörte Epstein seit Ende der 1990er-Jahre. Prominente gingen dort ein und aus. Und die Nähe zu den Reichen und Mächtigen zeigte Epstein gerne. Zahlreiche Fotos mit Stars, Politikern und Geschäftsmännern konnten Besucher an einer Wand bestaunen.
Ein Reporter der «Vanity Fair» durfte für einen Bericht über Epstein im Jahr 2003 das Haus sehen. Er berichtete unter anderem von einem ausgestopften Pudel, der auf einem Flügel aufgestellt war. «Kein Dekorateur würde Ihnen jemals so etwas empfehlen. Aber ich möchte, dass die Leute darüber nachdenken, was es bedeutet, einen Hund auszustopfen», sagte Epstein damals über den Pudel.