Darum gehts
- Haley Robson wurde 2002 mit 16 Jahren von Epstein missbraucht
- Robson behauptet, US-Präsident Donald Trump habe die Opfer angelogen
- Sie vermittelte mindestens sechs Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren an Epstein, aus Angst, dass sie sonst selbst weiter missbraucht werde
Haley Robson war 16 Jahre alt, als sie 2002 von Jeffrey Epstein missbraucht wurde. Den Tag, an dem es passierte, beschreibt sie gegenüber «Corriere della Sera» so: «Ich wurde unter einem Vorwand in Jeffreys Haus eingeladen. Ich fuhr mit meinem Auto dorthin. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartete. Man hatte mir etwas ganz anderes erzählt.»
Und weiter: «Als ich ankam, nahm Epstein mich mit nach oben. Er missbrauchte mich eine ganze Stunde lang.» Der italienischen Zeitung hat Robson jetzt ein längeres Interview gegeben. Sie erhebt darin auch Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump (79).
Haley Robson ist von Trump enttäuscht
«Ich war überzeugt, er würde alle Akten veröffentlichen», sagt sie und deutet an, dass Trump und sein Justizministerium der Öffentlichkeit weiterhin Informationen vorenthalten. Nach Darstellung der Behörden wurden jedoch alle Akten zum Fall Epstein veröffentlicht. «Epstein war praktisch sein bester Freund. Epstein hatte ein Foto von Trump auf seinem Schreibtisch. Ich habe nicht einmal ein Foto meines besten Freundes zu Hause hängen», so Robson weiter.
Trump sei «in gewissem Mass» in den Fall verwickelt. «Wir sollten konkrete Ermittlungen einleiten, um die Mitschuld bestimmter Personen, einschliesslich unseres Präsidenten, an dieser Geschichte zu klären. Aber die Regierung hat klar gesagt, dass das nicht geschehen wird», kritisiert sie. «Trump hat gelogen, er hat uns verraten.»
Epstein machte Robson zur «Recruiterin»
Dem Lokalsender «Komo News» sagte Robson im vergangenen Jahr, Epstein habe sie gezwungen, ihre Freundinnen zu ihm zu bringen, damit sie nicht weiter missbraucht werde. Dafür bezahlte der Investmentbanker die Jugendliche.
In den von der US-Regierung veröffentlichten Dokumenten finden sich auch Ermittlungsakten der Polizei Palm Beach. Die Ermittler werfen Robson darin vor, ein 14-jähriges Mädchen zu Epstein gebracht zu haben, damit dieses sexuelle Handlungen an Epstein vornehme. Robson soll dafür Geld von Epstein erhalten haben. «Ich entschied mich fürs Überleben und blieb dabei», so das Epstein-Opfer zu «Komo News».
«Je jünger, desto besser»
Die Polizei führte sie in den Akten, die auch Blick vorliegen, als «Recruiterin». Sie selbst gab an, mindestens sechs Mädchen vermittelt zu haben, alle zwischen 14 und 16 Jahren alt. Pro Mädchen erhielt sie 200 US-Dollar (155 Franken). Sie sagte aus, Epstein habe ihr gesagt: «Je jünger, desto besser.»
Ihre Aussagen sind ein wichtiger Bestandteil der Aufklärung des Falls. Robson wurde für ihre Arbeit als «Recruiterin» nicht strafrechtlich verurteilt, ihre Aussagen dürften jedoch dazu beigetragen haben, dass Epstein 2008 eine Haftstrafe antreten musste.