Darum gehts
- Epstein-Dokumente enthüllen angebliche Verbindung zwischen Trump, Putin und Erpressungsskandal
- Epstein versuchte seit 2011, ein Treffen mit Putin zu arrangieren
- 3,5 Millionen Dokumente untersucht, weitere bleiben unter Verschluss laut Ro Khanna
In den 3,5 Millionen neuen Epstein-Dokumenten finden sich E-Mails, die einer alten Theorie neuen Aufschwung geben. Kreml-Chef Wladimir Putin (73) soll belastendes Material über US-Präsident Donald Trump (79) besitzen – «Kompromat» im alten KGB-Jargon.
Ist das mehr als nur eine Verschwörungstheorie? Mindestens eine prominente Stimme in den USA sagt jetzt öffentlich, Serien-Vergewaltiger Jeffrey Epstein (1953–2019) sei das «fehlende Puzzleteil», das die beiden mächtigen Männer verbinde. Blick hat sich durch die Epstein-Dokumente geklickt. Das ist an der Story dran.
Was wir verifizieren können:
- Epstein suchte Putins Nähe: Jeffrey Epstein hat sich seit 2011 um ein Treffen mit dem russischen Präsidenten bemüht. Seine Hauptverbindungsperson war der ehemalige norwegische Premier Thorbjon Jagland (75). Ab 2013 bat er Jagland immer wieder, ihn beim Arrangieren eines Putin-Treffens zu unterstützen. Er liess Putin Einladungen zu Diners zukommen oder bot sich als Berater und Kontaktmann zu amerikanischen Investoren an.
- Epstein machte dem Kreml verdächtiges Angebot: Kurz vor dem Gipfeltreffen von Trump und Putin in Helsinki 2018 liess Epstein dem russischen Aussenminister Sergej Lavrov (75) ausrichten, «dass Putin Einblick (insight) gewinnen könnte, wenn er mit mir spricht». Epstein schien bereit, den Russen bei den Vorbereitungen auf das Trump-Treffen unter die Arme zu greifen. In der entsprechenden E-Mail vom 24. Juni 2018 hielt er fest, er habe dem inzwischen verstorbenen russischen Uno-Botschafter Vitali Churkin ebenfalls jeweils entsprechende «Einblicke» gewährt.
Was die veröffentlichten Dokumente offenlassen:
- Kam es zum Putin-Treffen? Epstein hat gegenüber verschiedenen Personen angedeutet, dass er Putin treffen werde. Am 11. September 2011 etwa schrieb er einem «Igor», er habe für den 16. September ein Treffen mit dem Kreml-Chef vereinbart. Im Mai 2013 liess er dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak (83) ausrichten, Putin hätte ihm ein Treffen in St. Petersburg angeboten. Und im Juli 2014 schliesslich liess ihm eine Mitarbeiterin des Linkedin-Mitgründers Reid Hofmann (58) ausrichten, ihr Chef schaffe es «leider nicht, dich zum Putin-Treffen zu begleiten». Allerdings gibt es Zweifel, ob Epstein Putin tatsächlich je die Hand schüttelte. Im Oktober 2017 jedenfalls schrieb ihm eine zensierte Person mit Bezug auf Epsteins Foto-Sammlung: «Nur Putin fehlt in deiner Galerie… ».
- Was hatte Epstein gegen Trump in der Hand? Eine bereits seit längerem bekannte E-Mail von Epsteins Bruder Mark (71) deutete an, Epstein sei im Besitz von Fotos gewesen, die Trump beim Oralsex mit «Bubba» (ein Spitzname des Ex-US-Präsidenten Bill Clinton (79)) zeigten. Unklar bleibt, ob das nur ein dummer Spruch unter Brüdern war. Zudem halten jetzt FBI-Untersuchungsdokumente aus den Epstein-Files fest, dass Trump sich Anfang der 1990er-Jahre in New Jersey von einer Teenagerin oral habe befriedigen lassen. Das FBI hielt die Story offenbar für glaubwürdig und beauftragte das Büro in Washington DC, den Fall zu untersuchen. Mehr ist zum Fall nicht bekannt.
Trumps Ex-Sprecher sagt: schuldig!
Hat Trump also recht, wenn er sagt: «Let’s move on!» Ist der Fall Epstein für den US-Präsidenten abgeschlossen? Ganz und gar nicht, sagt sein ehemaliger Sprecher, der Republikaner Anthony Scaramucci (58). Anfang Woche hielt Scaramucci in seinem Podcast «The Rest is Politics US» fest: «Epstein hatte eine enge Beziehung zu den Russen. Und er wollte ihnen Einblicke in die Führungsriege der USA verschaffen. Wenn das Fenster offen ist und du etwas Wiehern hörst, ist es ein Pferd, kein Zebra.» Übersetzt heisst das: Denkt nicht zu weit. Es ist ganz einfach. Epstein hat den Russen Trump ausgeliefert.
Hinzu kommt: Putin hat als russischer Geheimdienstchef einst höchstpersönlich sogenannte «Honigfallen»-Missionen beaufsichtigt. Dabei ködern russische Geheimdienste mächtige Männer mit jungen Russinnen, lassen die Intermezzos filmen und machen ihre Ziele damit erpress- und formbar. In der britischen «Daily Mail» behauptet ein anonymer Experte, die Epstein-Trump-Putin-Story sei die «grösste Honigfalle der Geschichte» mit Putin als Auftraggeber, Epstein als Zuhälter und Trump als Opfer.
Klar ist: Die Gerüchteküche wird noch lange brodeln. Ro Khanna (49), der sich als Parlamentarier für die Veröffentlichung der Epstein-Files stark gemacht hatte, betonte diese Woche, dass das Justizdepartement mindestens nochmals so viele Epstein-Dokumente unter Verschluss hält, wie bereits publiziert worden sind. Ruhig schlafen dürften Trump und Konsorten noch eine ganze Weile nicht.