Darum gehts
- 300 Personen evakuiert, vier von ihnen mussten ins Spital nach Kältemittel-Leck in Zürich
- Ausgelaufene Kältemittel könnten Sauerstoff verdrängen, Erstickung droht
- Experte: Ähnlicher Vorfall vor 15 Jahren, grundsätzlich sichere Anlagen
Rund 300 Menschen mussten das Einkaufszentrum Coop City St. Annahof am Dienstagnachmittag fluchtartig verlassen, nachdem sich in der Luft gefährliche, rauchähnliche Aerosole ausgebreitet hatten. Zwölf Personen wurden von Sanitätern untersucht, vier mussten zur weiteren Kontrolle ins Spital gebracht werden. Auslöser des Grosseinsatzes war mutmasslich ein Leck in einem Technikraum, aus dem rund 30 Kilogramm Kältemittel austraten. Doch weshalb befinden sich solche Stoffe überhaupt in einem Einkaufszentrum? Darüber klärt Rolf Löhrer vom Schweizer Verband für Kältetechnik auf. Er ist seit 45 Jahren in der Branche tätig.
Das Kältemittel wird als Betriebsstoff für Kühl- und Wärmepumpenanlagen benötigt. «Ich vermute, dass hier CO₂ als Kältemittel verwendet wurde», sagt der Experte zu Blick. «CO₂ ist ein natürlicher Stoff und kommt heute häufig in modernen Kühlanlagen zum Einsatz – etwa in Supermärkten, Hotel- und Restaurantküchen, Kühl- und Tiefkühllagern sowie Anlagen für die Gebäudekühlung und -beheizung.»
«Im schlimmsten Fall droht der Erstickungstod»
Gefährlich werden kann es laut dem Experten vor allem dann, wenn das Kältemittel unter hohem Druck gasförmig austritt und sich in der Luft verteilt. «Es entsteht durch das im Kältemittelkreislauf enthaltene Öl dabei eine Art Nebel», sagt er. Das eigentliche Kältemittel sei zwar nicht giftig, könne jedoch den Sauerstoffanteil in der Luft verdrängen. «Das kann zu Schwindel, Ohnmacht und im schlimmsten Fall sogar zum Erstickungstod führen.»
Auch direkte körperliche Folgen seien möglich. «Wenn flüssiges Kältemittel auf die Haut gelangt, kann es Kälteverbrennungen verursachen», erklärt Löhrer weiter.
«Zuletzt vor 15 Jahren vorgekommen»
Trotz des Vorfalls am Dienstag gelten die Anlagen grundsätzlich als sicher. «Es sind geschlossene Rohrleitungssysteme», sagt Löhrer. Kleinere Lecks kommen demnach im Alltag zwar immer wieder mal vor, dabei entweichen jedoch meist nur geringe, völlig unbedenkliche Mengen. «Eine so grosse Leckage in einem Supermarkt wie in Zürich ist sehr selten, einen vergleichbaren Fall gab es meines Wissens zuletzt vor rund 15 Jahren.»