«Tempel des linksgrünen Progressivismus»
Roger Köppel geht in Charlie-Kirk-Manier an die Uni

Roger Köppel sieht die Debattenkultur in der Schweiz gefährdet. Deswegen führt er nun Diskussionen an Unis durch. Linke hätten dort «zu viel Raum und zu wenig Widerspruch», sagt er. Sucht der SVP-Mann wirklich die Debatte oder nur die Provokation?
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Roger Köppel will an Schweizer Unis mit Studenten diskutieren, um die Debattenkultur zu fördern. Die Linken hätten zu wenig Widerspruch, sagt er.
Foto: imago/Stefan Zeitz

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Roger Köppel startet am Mittwoch Debattenformat an der Universität Zürich
  • Er will die Meinungsvielfalt und Debattenkultur fördern; Unis seien zu links
  • Kritiker warnen hingegen vor einer «Verschiebung des Diskurses nach Rechtsaussen»
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Patrick GerberRedaktor Politik

Menschen verharrten oftmals in Meinungsblasen, ohne sich ernsthaft mit Gegenpositionen auseinanderzusetzen – davor warnt der «Weltwoche»-Verleger und Ex-SVP-Nationalrat Roger Köppel (61). «Meinungsvielfalt ist gefährdet durch Meinungseinfalt», sagt er zu Blick. Deswegen wolle er nun öffentliche Debatten an Schweizer Unis abhalten. Die erste dieser Veranstaltungen findet diesen Mittwoch an der Universität Zürich statt. Manche kritisieren das heftig. 

Neu ist Köppels Idee nicht. Auch der ermordete rechtskonservative US-Aktivist Charlie Kirk hielt solche Formate ab – und provozierte teils mit extremen Positionen und Verschwörungserzählungen. Nur rund 48 Stunden nach dem Attentat auf den einflussreichen Podcaster meldete Köppel seine eigenen Campus-Diskussionen an.

Studenten nehmen es gelassen

«Charlie Kirk war ein brillanter Vertreter seiner Sache, eine Art Märtyrer der Redefreiheit», sagt Köppel zu Blick. Seine Idee, den Dialog mit Studenten zu suchen, habe er so gut gefunden, dass er sie kopiere. Dennoch bleibe er «Roger Köppel aus Kloten und nicht Charlie Kirk aus den USA». 

«Meines Erachtens haben an den Unis die Linken zu viel Raum, zu wenig Widerspruch», so Köppel weiter. Viele Unis seien «Tempel des linksgrünen Progressivismus», sagt er. Die Atmosphäre sei früher «offener, weniger woke und toleranter» gewesen. Doch er lasse sich gerne eines Besseren belehren, versichert er. 

Der Verband der Schweizerischen Studentenschaft (VSS) hält die Debattenkultur an Schweizer Unis für ungefährdet – und nimmt Köppels Plan gelassen.

Deutliche Kritik an Köppels Plänen

Doch es gibt auch Kritik. Der Ex-Nationalrat stehe weder für die demokratische Debatte noch für «Politik auf Augenhöhe», liest man etwa in einem Meinungsbeitrag des Online-Portals Tsüri. Das Format bewirke lediglich eine «Verschiebung des Diskurses nach Rechtsaussen». 

Tatsächlich lässt Köppel häufiger Bewunderung für Wladimir Putin und autokratische Systeme durchblicken. Putin sei ein «Missverstandener». Er gehöre in «Russlands Tradition zu den demokratischsten, westlichsten Staatschefs überhaupt», schrieb er vor zwei Jahren.

«Stelle mich hin und lasse mich befragen»

Und wie soll das Format ablaufen? Er werde sich bei den Diskussionen ernsthaft mit den Gegenpositionen auseinandersetzen, verspricht Köppel. Er komme nicht mit einem fertigen Vortrag an die Uni, sagt er. «Ich stelle mich hin und lasse mich befragen». Man solle seine Thesen und Argumente auseinandernehmen. Es könne nicht zu viel Auseinandersetzung geben. «Rede und Gegenrede». 

Besprechen wolle er vor allem «den Wahnsinn unserer Zeit». Etwa «Krieg und Frieden, die Neuordnung der Welt, Trump, Putin, die EU oder Migration». Geplant wird der Anlass vom Studierendenverband der Universität Zürich (VSUZH). Er habe den Verband darum gebeten, das Patronat zu übernehmen. Dass sie das trotz Kritik gemacht hätten, sei «toll und fast schon eine Widerlegung meiner These», so Köppel.

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